In der Nacht und am Morgen gibt’s etwas Regen, der aber auch schnell wieder vorüber ist. Der Himmel bleibt meist bedeckt mit grauen Wolken, die Sicht ist sehr diesig. Der Wind lässt Bomika sanft auf den kleinen Wellen tanzen, lädt aber nicht gerade zum Baden ein. Erst gegen Mittag klart es etwas auf, die Schaukelei und Wellen bleiben uns aber erhalten. Zur Abwechslung besuchen wir Berthold auf der „Equinoxe“ , tauschen Bücher und bekommen noch eine Menge Infomaterial zu Grenada, Tobago und Surinam von Berthold geschenkt. Nebenbei können wir beobachten, wie eine ganze Herde von Einheimischen mit leeren Fässern, Fendern und einem groβen Luftsack versuchen, eine gesunkene Motoryacht zu heben. Die Bugspitze und ein Teil der Flybridge samt Sonnensegel schauen irgendwann gerade aus dem Wasser, dann wird das ganze von einem Fischerboot in flacheres Gewässer gezogen und an einer Mooring befestigt. Der Luftsack hat sich langsam mit Wasser gefüllt und alles versinkt wieder unter der Wasseroberfläche, nur die Antenne winkt mit erhobenem Finger. Der Bergungsversuch, 2ter Teil, geht dann am nächsten Tag weiter. Eigentlich wollten wir mit dem Dingi am Strand anlanden, um selbiges vom wild wuchernden grünen Garten zu befreien, aber bei der Brandung und den Wellen macht das auch keinen rechten Spaβ, auβerdem ist heute so ein Tag, an dem wir uns so gar nicht zu irgendwas aufraffen können.
Am Dienstag kommt Berthold noch mal vorbei, bringt uns überschüssige Tabletten für Malariaprophylaxe mit, und wir koordinieren die Pläne für die nächsten Tage. Er will nun doch nicht nordwärts segeln, sondern zurück zur Tyrrel Bay, dann in den Süden Grenadas und nach Trinidad, wo er sein Schiff liegen lassen wird. Wir wollen auch Anker auf, aber erst nach Hillsborough zum Einklarieren und einen Tag später in die Tyrrel Bay. Alles wird klar gemacht für die Überfahrt, denn auch wenn es nur eine kurze Strecke von etwa 7sm ist, kann es doch kräftig schaukeln und etliches umher fallen oder sich die Schoten irgendwo verkeilen oder einhängen. Gerade als wir den Anker hochziehen, fängt es zu regnen an, erst zaghaft, dann aber ziemlich heftig. Der Wind bläst auch kräftig mit 5Bft. und so wird es auch innen nass, bis wir nicht nur Luken, sondern auch den Niedergang schlieβen. Wir segeln unter Genua, das Sonnensegel haben wir zu Gunsten einer besseren Rundumsicht abgebaut, und machen gute Fahrt. Nach 1 ½ Stunden lässt der Wind erstmal schwer nach, wir bergen das Segel, der Wind kommt doppelt kräftig zurück aber nur 10 Minuten später sind wir bereits am Ankerplatz. Nach Sondierung der Lage entscheiden wir uns für den richtigen „Spot“, lassen das Eisen fallen und fahren es gut ein – der hält! Nachdem alles fertig und aufgeklart ist, eine Runde schwimmen mit Schnorchel, um den Anker trotzdem noch mal zu prüfen. Aber einerseits ist die Strömung kräftig und ohne Flossen wird es schwierig, Weg nach vorne gut zu machen, zum anderen ist das Wasser recht trüb und man kann den Grund nicht sehen. Dafür zertreten wir die Taucherbrille, als wir die vom Regen durchnässten Cockpitpolster zum besseren Trocknen u.a. darüber legen und später drauf steigen. Nachdem das Schlaucherl wieder voll einsatzbereit ist, geht’s zum Einklarieren: Immigration, Zoll, Health. Allerdings nicht ohne erhobenen Zeigefinger, denn wir haben ja bereits am Donnerstag in Union Island ausklariert und nun sind 6 Tage vergangen – das kann doch nicht sein? Dass wir doch etwas länger in Clifton Harbour verbracht haben und dann auch noch einige Tage auf Petit Martinique, ist wohl doch zuviel, Ostern hin oder her. Schlieβlich arbeitet der Zoll am Flugplatz ja auch an Feiertagen. Aber letztendlich klappt ja doch alles und ich kann wieder zurück an Bord. Mittlerweile ist auch die „Eisbär“ angekommen und ankert hinter uns. Auch zu Cisa haben wir Funkkontakt, die liegt bereits in der Tyrrel Bay und erwartet uns morgen zur Wiedersehensfeier, Getränke sind schon kalt gestellt. Auch Eisbär will morgen in die Tyrrel Bay weiter, na das wird ja ein richtiges Familientreffen dort! Wir machen noch einen Landausflug, finden in einem Supermarkt sogar Pulvermilch (der nächste Supermarkt hat bis zu unserem Eintreffen bereits geschlossen), schlendern auf der Hauptstrasse durch den Ort und stellen fest, ab 1700 Uhr sind nicht nur alle Läden zu, sondern auch die Bürgersteige hochgeklappt. Abends kommen Otto und Irene noch vorbei auf einen Umtrunk und wir verabreden uns für morgen früh zu einem gemeinsamen Landausflug. Während dem Einklarieren von Eisbär hoffen wir das Internet nutzen zu können. Zuerst aber besuchen wir den zweiten Supermarkt im Ort, das Angebot ist zwar auch hier eingeschränkt, aber es gibt dort wenigstens Milchpulver und Zitronenpfeffer. Nachdem die Bar, in der wir uns mit Irene und Otto treffen wollen, gibt es kein WiFi, so gehen wir schräg gegenüber ins „Internetcafe“, obwohl es dort keinen Cafe oder andere Getränke gibt. Die schmalen Stufen eines Treppenaufgangs hinauf begrüβt uns eine nette Dame, den Internetzugang gibt’s per Kabel und ausnahmsweise mal zu humanen Preisen. In einer halben Stunde ist das Wichtigste erledigt, wir wechseln in die Sandy Island Bar und warten auf Irene und Otto. Zwei Piepmätze leisten uns Gesellschaft und setzten sich auf die Stuhllehne gleich neben uns. Leider ist die Aussicht aufs Meer und die vorgelagerten Inseln wegen des diesigen Wetters nicht so schön, wie sie hätte sein können. So bleibt es bei einem Kaffee bzw. Coke nachdem unsere Freunde auch eingetroffen sind und wir machen uns auf den Rückweg und bereit zum Auslaufen. Nach einer halben Stunde ist alles parat, die Anker werden gelichtet und die nächste Ecke der Insel umrundet in die Tyrrel Bay. Cisa und Eisbär, die eine Viertelstunde Vorsprung hatte, liegen schon vor Anker und begrüβen uns herzlich, als wir wenig später mit dem Dingi eine Besuchsrunde machen. Um 1800 treffen wir uns alle auf einen kleinen Umtrunk auf Cisa, bevor wir gemeinsam zum „Lazy Turtle“ aufbrechen. Dort gibt es einen kleinen Anleger, der aus einem niedrigen Betonpier und einem mit Leinen und Ketten angehängten Schwimmsteg besteht. Letzterer wird durch den Schwell kräftig hin- und her gerissen und stellt unsere Standfestigkeit auf eine harte Prüfung. Trotz Dunkelheit und rutschig nassem Pier kommen wir alle heil an Land und entern das Lokal, bei der ersten Runde Bier wählen wir aus dem reichlichen Angebot Pizzas aus, die nicht nur recht groβ, sondern auch sehr schmackhaft und gut belegt sind. Es wird ein fröhlicher Abend und anscheinend auch nicht zu feucht, denn jeder schafft den Weg über den Ruckelsteg ins Dingi ohne umzufallen oder nass zu werden.
In der Nacht geht ein heftiger Regenschauer runter und wir schaffen es gerade noch rechtzeitig, schlaftrunken die Luken dicht zu machen, auch wenn es dann fürchterlich warm und schwül im Schiff wird. Am nächsten Morgen verlassen sowohl Eisbär als auch Cisa die Bucht, wir werden aber noch ein paar Tage hier bleiben. Auf Irene wartet der Flieger und zuhause die Arbeit, Otto muss sein Schiff zum „Einsommern“ herrichten bevor er seiner Irene hinterher fliegt, aber ihn und Cisa werden wir bestimmt auf Grenada wieder treffen. Ich versuche, die festsitzende Stellschraube der Fensterstütze am Aufbau gängig zu machen, was zwar gelingt aber nicht von Erfolg gekrönt ist. Die Stellschraube ist frei, dreht aber leer durch und ist somit unbrauchbar. Leider lässt sie sich auch nicht entfernen und durch eine andere ersetzen, alle Versuche in die eine oder andere Richtung schlagen fehl, also viel Arbeit um Nichts. So wird nicht nur die Arbeitsliste mit anstehenden Arbeiten, sondern auch die Liste der notwendigen Ersatzteile länger. Am Nachmittag machen wir einen Spaziergang durch den Ort, erkundigen uns bei den Wäschereien und besuchen den TO-Stützpunkt auf einen Plausch mit Georg. Frischobst und –Gemüse sind Mangelware, da alles durch die groβe Trockenheit verdorben ist und nur das Notwendigste von gröβeren Inseln herüber gebracht wird, soweit es dort etwas besser aussieht. Mittlerweile hat der Wind nachgelassen und die Rückfahrt mit dem Schlaucherl wird wesentlich ruhiger.
Am Freitag landen wir mit dem Schlaucherl am Strand an und bringen erstmal die Wäsche – zumindest einen teil davon – zur Wäscherei, die wir uns am Vortag ausgeguckt haben. Danach spielen wir Barbier, denn unser Schlaucherl hat einen ellenlangen Bartwuchs aus Algen und Muscheln, der soll abrasiert werden. Mit Schabern versuchen wir erstmal das Gröbste weg zu kriegen, dann mit Glitzi-Schwämmen. Die Reibefläche der Schwämme ist aber bald zugesetzt und hilft nicht mehr viel. Also zu einem der kleinen Supermärkte, hier betreibt ja Hinz und Kunz einen, meist nebenbei zu einer Boutique oder einem Restaurant oder sonstigem, neue Schwämme und Bleiche besorgen. Damit rücken wir dem restlichen Bewuchs und den Verfärbungen zu Leibe und schwitzen wir die ochsen in der prallen Sonne. Nach 2 ½ Stunden sind wir soweit fertig, unsere Wäsche auch, die wir abholen und mit auf den Rückweg nehmen. Nachdem unser Schlaucherl direkt unterhalb eines Restaurants liegt, spricht uns der Wirt an, plaudert ein bisschen und versucht uns als Gäste für den Abend zu gewinnen. Nachdem die Hauptmenüs zwischen 25 und 28 EC$ kosten sollen und zwischen 18 und 19 Uhr auch noch Happy Hour angesagt ist, sagen wir zu – Conch für Lisa und Chicken oder Pork für mich. Kurz nach dem Ablegen von Strand, das trotz Brandungswellen gut klappt, geht unser Kaufhauskläffer aus, noch mal ein kurzer Start, dann ist Ende der Fahnenstange bzw. des Sprits. Aber wofür hat man Paddel, Wind und Wellen treiben uns grob in die richtige Richtung und ein bisschen Sport schadet ja nicht. Es dauert nicht lange, dann ist die halbe Strecke geschafft und unser Wirt kommt mit seinem Motorboot vorbei, ob er uns ziehen soll, oder später abholen? Wir lehnen dankend ab, freuen uns aber ob der schnellen Hilfsbereitschaft. An Bord währt die Ruhepause nur kurz, weitere Wäsche wird eingeweicht und vorgewaschen und der Wasserpass von Bomika vom schleimigen Bewuchs und den Schlieren befreit. Danach eine kurze Dusche und schon wird es Zeit, unseren Lokaltermin wahrzunehmen. Rechtzeitig vor dem nächsten Duscherer sitzen wir bereits im überdachten Vorbau des Restaurants und versuchen mal wieder, ein Update für das Anti-Viren Programm herunter zuladen. Aber auch diesmal bricht die Verbindung ab, als gerade die Hälfte geschafft ist. Wir genieβen trotzdem unseren Rumpunsch, wenigstens haben wir neue Wetterfiles und Emails bekommen. Und schon ist auch unser Essen fertig, das wir uns schmecken lassen. Die Überraschung kommt dann mit der Rechnung, das Essen ist doch teurer als mittags angekündigt, und die Getränkepreise lassen den Happy-Hour-Rabatt missen. Dazu noch Service und MWSt Prozente obendrauf, da hätten wir doch lieber an Bord gekocht. Der Wirt ist verhandlungsbereit, lässt etwas von der Rechnung nach und alle sind soweit gleich zufrieden oder unzufrieden, man verabschiedet sich jedenfalls ohne Groll und freundlich. Auf der Rückfahrt zur Bomika lässt der Regen gerade nach und kommt erst später in der Nacht mit einem heftigen Guss zurück. Während der überwiegend schlaflosen Nacht haben wir uns entschieden, wir bleiben noch einen Tag länger. Warum Hetzen? So wird am Samstag erstmal die Wäsche fertig gewaschen und aufgehängt und einige Zeit am PC gespielt. Aber egal, welche Spielereien man versucht, die Internetverbindung will einfach nicht klappen, dabei ist das Signal so gut wie nie, das Icon signalisiert Verbindung mit dem Internet, aber keine Seite will sich aufbauen und der PC ist insoweit etwas wirklichkeitsfremd. Lisa bäckt derweil Brot und die Zeit verrinnt, obwohl wir keinen Sand hierfür im Schiff haben, noch nicht mal in einer Sanduhr. Es wird aufgeräumt, umgestaut, geputzt, die WiFi-Antenne demontiert, das Sonnensegel eingepackt, Auβenborder verstaut, usw., bis nur noch eine Dusche in der kurzen Abenddämmerung übrig bleibt.
Am Sonntag brechen wir bereits um 0700 Uhr auf, gleich nach dem Morgenkaffee. Wir setzen die Segel und schütten auch die noch eingebundenen Reffs aus, nachdem der Wind eher mäβig mit 2-3 Bft. weht. Sicherheitshalber wird der Bullenstander gesetzt und Wind und Welle schieben uns von schräg achtern. Der Wind variiert zwischen Ost und Nordost und nachdem wir aus der Inselabdeckung heraus sind, brist es auf und es gesellt sich auch eine weitere Dünung zum Wellenbild. Der elektrische Autopilot wird mit dem Wellenbild nicht so recht fertig, also ist Steuern per Hand angesagt. Sie Sonne sticht recht herunter und verbrennt mein Hirn an den inzwischen respektablen Geheimratsecken, die solche Wettereinflüsse noch nicht gewohnt sind. Nachdem wir die Küste Grenadas erreichen und entlang segeln, müssen wir die Genua schifften und „Schmetterling“ segeln, da der genau von achtern einfällt. Eventuell hätten wir doch den Blister setzen sollen, aber den Segeln tut das Auslüften bestimmt auch gut. Die Häuser der Ortschaften kleben an den Hängen und sammeln sich in den Tälern entlang der Küste, während unsere Miezen die Überfahrt auf dem Sofa und auf dem Kleiderschrank verschlafen. Je mehr wir uns unserem Ziel Georgetown nähern, desto mehr lässt uns der Wind im Stich, die Fahrt geht bis auf einen Knoten und weniger zurück. Schlieβlich rollen wir für die letzten paar Meilen die Genua weg und starten die Maschine. Kaum ist das erledigt, dreht er Wind auf Südost und sammelt seine Kräfte. Schlieβlich pustet er uns mit 6 Bft. fast ins Gesicht, dazu ein heftiger Regenschauer. Die Regentropfen wirken bei dem Wind wie Stecknadeln, die ins Gesicht geschleudert werden und im Nu sind wir Beide klitschnass bis auf die Haut. Den „Wet T-Shirt“ Wettbewerb gewinnt jedenfalls Lisa! In dem Regen sieht man kaum die Hand vor Augen, genau das richtige, um auf eine flache Küste und das Ankerfeld zuzufahren und das Ankermanöver zu erledigen. Danach hört der Regen wieder auf und die Sonne spitzt durch die Wolkendecke. Wir liegen gut und fest bei etwa 5 Meter Tiefe, spannen das Sonnensegel, machen das Schlaucherl einsatzbereit (Wasser schöpfen, Auβenborder ran, Luft und Sprit nachfüllen), verkürzen die Tripleine der Ankerboje und machen uns dann auf den Weg in die Marina, wo wir nicht nur Uschi und Wolfgang von der Cisa, sondern auch die Besatzung der Manatee treffen, die wir aus Madeira kennen. Die Beiden Schiffe haben sich bereits zum Abendessen im Restaurant verabredet und fragen uns, ob wir uns nicht einfach anschließen wollen. Wer kann da schon nein sagen? Bis zum Treffen um 1900 Uhr machen wir noch einen kleinen Spaziergang durch die Marina, die einerseits relativ leer von Booten ist, andererseits aber sehr schmuck und nett angelegt. Alles ist neu, da nach dem Hurrikan von 2005 völlig zerstört. Die Häuschen für Marinaoffice, Segelmacher usw. sind den ursprünglichen Sklavenhütten nachempfunden und bunt in allen Farben gehalten. Das Restaurant mit groβer Terrasse, überdacht mit einem Strohdach, fügt sich gut in das ganze Ambiente und macht einen lockeren und doch noblen Eindruck. Der spiegelt sich auch in der Preisliste, die eher über unserer Kategorie liegt. Aber wir hatten ja bereits am Nachmittag an Bord gegessen und so bestellen wir eben nur einen Salat. Es wird ein recht gemütlicher Abend zu Zehnt, wir ratschen und amüsieren uns bestens und machen uns gegen 2230 Uhr auf den Rückweg zur Bomika, schlieβlich brauchen ja auch unsere Katzen noch etwas Freigang an Deck und unsere Ansprache.