Schon ist es Februar, und auch der Passat meldet sich zurück. Zwar erst noch etwas unentschlossen, mal aus Nord, dann aus Nordnordost, mal mit 11Kn, mal mit 19Kn, wird aber mit der Zeit immer beständiger und lässt hoffen. Die andere freudige Überraschung am morgen bereitet uns Tita. Erst jammert sie uns die Ohren voll und wir verstehen nicht recht, ob sie zum Toben an Deck will, mit jemanden spielen will, sie frustriert ist, weil wir nicht beide die ganze Nacht brav im Bett bleiben oder was auch immer, aber wahrscheinlich hatte Feivel mal wieder das Katzenklo zu sehr versch…., nichts vergraben und Tita’s kleine Blase schon fast am Platzen. So landet das Protestmalheur eben im Bett und es ist Waschtag angesagt. Bei der Schaukelei von links nach rechts und zurück gar kein so leichtes unterfangen, aber dafür haben die Extratücher auf der Leine bestimmt einen halben Knoten zusätzlichen Speed gebracht. Jedenfalls haben wir endlich mal wieder ein Etmal über 100sm! Barbados, wir kommen doch noch! Statt umherkreuzen segeln wir direkten Kurs West, die verbliebene Distanz schrumpft zusehends, am Mittwoch werden wir Bergfest feiern können und in 10 Tagen (plus/minus 2) sollten wir ankommen.
Die Nacht bringt uns erst kräftigen, dann mäβigen Wind, der sich nicht zwischen Nordost und Ost entscheiden kann. Dementsprechend knallen die Fock und die Schoten, Bomika rollt fürchterlich und an Schlaf ist kaum zu denken. Es ist, als würde man im Klangkörper einer Gitarre versuchen zu schlafen, während jemand völlig unmusikalisch dauern an den Saiten zupft und auf die Gitarre klopft. Aber auch diese Nacht geht vorüber und beschert uns einen sonnigen Tag mit achterlichem Wind, die Wolken der Nacht lösen sich langsam auf und wir segeln Schmetterling mit ausgebaumter Genua. Es geht eher gemütlich voran, erst zum Abend frischt es wieder richtig auf. Wie üblich, binden wir vorsichtshalber vor Einbruch der Dunkelheit 2 Reffs ins Groβsegel, damit nächtliche Segelmanöver nicht notwendig oder zumindest einfacher zu handhaben sind, falls doch mal stärkere Böen über uns herfallen sollten. Der Augspleiss, den wir an einem dicken Festmachertampen machen, geht auch langsam voran, allerdings müssen wir die Leine zwischendurch kräftig wässern, da sie dermaβen starrig ist und sich kaum verarbeiten lässt.
Das Meer verbindet man ja allgemein mit Muse, Musik, das beruhigende Rauschen der Wellen, aber in den letzten Tagen bzw. Nächten kommt es uns eher taktlos und unrhythmisch vor. Die konfusen Wellen unter einem düsteren, Wolken verhangenen Himmel kommen aus verschiedenen Richtungen und rütteln „Bomika“ kräftig durch, lassen unser Schlafbedürfnis unbefriedigt und uns auf das Ende der sonst so schönen Überfahrt hoffen. Immerhin haben wir heute früh unser Bergfest erreicht. Nicht, dass wir als Bayern mal eben kurz auf ein paar Berggipfel geklettert sind (höchstens etliche Wellenberge rauf und runter gekraxelt), sondern weil wir die Halbe Strecke hinter uns – und vor uns – haben. Zum Feiern ist uns zwar noch nicht so recht zumute, aber immerhin werden wir von Poseidon mit Frühstück bedacht, oder vielmehr Tita. Es ist diesmal nur ein fliegender Fisch an Deck gelandet, den Feivel skeptisch und neugierig beäugt und Tita ratzeputz vertilgt. Unser Anglerglück hält sich dabei eher in Grenzen, vor allem, nachdem uns jemand nicht nur den Köder, sondern auch gleich Haken, Vorfach, Gewicht etc. abgebissen hat und damit auf Nimmerwiedersehen verschwand. Umso mehr freut sich Tita über die Geschenke, die Poseidon freiwillig über die Reling an Deck wirft. Unsere Etmale liegen mit etwa 120sm seit 2 Tagen im Bereich des „normalen“, wir hoffen nur, dass das konfuse Wellenbild und die wilde Schaukelei um sämtliche Längs-, Quer und Vertikalachsen auch mal einer „normalen“ Atlantikdünung weicht und das Leben an Bord erträglicher macht. So wird jeder Handgriff zur schweißtreibenden Plackerei und sorgt für schwindende Kräfte und gedrückte Stimmung. Es könnte schlimmer sein und wir hoffen weiter auf bessere Zeiten, spätestens in Barbados. So vergeht auch der Mittwoch, unser 12ter Tag auf See, ohne Feierlaune zum Bergfest, dafür mit leichtem Nieselregen zwischendurch. Anscheinend war unsere Laune für jemanden da oben ansteckend?
Immerhin schaukelt es in der Nacht weniger (oder es kommt uns nur so vor, weil uns daran gewöhnt haben) und die Segel schlagen auch nicht gar so oft. So bekommen wir wenigstens ein bisschen mehr Schlaf, bis es unsere Miezen am frühen Morgen nicht mehr hält und beide Rabatz machen vor Langeweile. Dafür gibt’s wieder Frühstück von Poseidon (oder war es diesmal Neptun?) für Tita. Diesmal lässt sich sogar Feivel hinreiβen vom Frischfisch, den er bisher tapfer verschmäht hatte. Er beäugt ganz genau, wie Tita ihren Anteil genüsslich vertilgt, schnuppert und bepfotelt seinen Anteil und frisst ihn schlieβlich doch – eine Premiere für Feivel!
Nachdem die nächtlichen Reffs ausgeschüttet und die Genua ausgebaumt ist, macht sich Lisa ans Brotbacken. Dabei hat sie diesmal eine zusätzliche Aufgabe zu bewältigen: beobachten, wie der Teig aufgeht. Nicht weil er eventuell davon anstatt auf marschiert, sondern weil er sonst gefährlich schrumpfen könnte. Tita hat nämlich den Brotteig als Erweiterung für ihren Speiseplan erwählt und zieht immer wieder das Abdecktuch von der Schüssel, setzt sich rein und knabbert am Brotteig, sobald sie sich unbeobachtet wähnt. Auf was man beim Backen nicht alles aufpassen muss! Ansonsten geht es eher gemütlich voran, der Wind schwächelt zwischendurch und verlangsamt unsere Fahrt entsprechend, aber immerhin bleiben 4 bis 4,5 Knoten Fahrt übrig, die sich in Böen sogar auf 5Kn steigern. Der Himmel ist mal wieder Wolkenverhangen, verspricht aber ein paar blaue Schimmer am Horizont, die sich am Nachmittag auch durchsetzen. So hat man sich das Passatwindsegeln vorgestellt, blauer Himmel, ein paar Schäfchenwolken, den Wind im Rücken und der Windpilot steuert. Unsere Uhren haben wir mittlerweile auch umgestellt auf UTC -3 Std., die letzte Umstellung erfolgt dann kurz vor Barbados.
In der Nacht verschwindet der Wind fast ganz, die Windfahnensteuerung hat damit auch ihre Probleme und unsere Fahrt reduziert sich auf halbe Fuβgängergeschwindigkeit, also etwa 1 Knoten. Auch der 14te Tag auf See bringt zunächst wenig Änderung. Neu ist allerdings, dass zuerst Feivel, dann auch Tita an Deck stürmen und sich selbst überzeugen wollen, dass heute der Frischfisch zum Frühstück ausbleibt. Poseidon hat wohl Lieferschwierigkeiten und das Gemaunze ist groβ ob der Enttäuschung.
Da die Batterien mangels Stromzufuhr von Windgenerator und Solarpaneelen auch ziemlich am Boden sind, bergen wir die Segel und motoren ein paar Stunden, bis die Batterien einigermaβen gefüllt sind und sich sogar ein leichtes Lüftchen empor schwingt. Derweil wurde Wäsche gewaschen und baumelt an der Leine und der Reling. Wir setzen den Blister und fummeln fast eine Stunde an Schoten, Ruderstellung und Windfahne, bis es endlich passt und Bomika wieder richtig Fahrt aufnimmt. Der Wind wird auch immer kräftiger und pendelt sich bei satten 4 Bft. ein, so geht es recht flott voran. Allerdings hält die Not-Reparatur am Schothorn des Blisters mit Gewebeband nicht lange und flattert gleich beim Setzen davon. Bei zunehmendem Wind müssen wir ihn eben rechtzeitig wieder bergen und auf normale Besegelung zurückgreifen. Die Wolken, die sich heute früh aufgebaut haben, sind bis mittags auch verschwunden und der Planet sticht richtig runter und lässt uns kräftig schwitzen. Unseren Miezen geht’s nicht viel besser, sie suchen sich ein schattiges Plätzchen und verschlafen den Tag bzw. die heiβe Periode eben. Wir machen trotz des eher leichten Windes gute Fahrt unter Blister, die Wäsche trocknet auch rechtzeitig vor dem Einbruch der Dunkelheit, die Nacht verspricht ruhig zu werden und beschert uns schon bald einen Fliegenden Fisch an Deck, über den sich unsere beiden Miezen gleich hermachen. Tita ist natürlich die erste und will sich den Fisch gleich aus dem Eimer mit Wasser fischen, Feivel folgt auf dem Fuβ und maunzt krächzend, damit er ja nicht vergessen wird. Seine Stimme erinnert dabei an eine Mischung aus rostigem Scharnier und Schafbockgemecker, ob man mit so einer Reibeisenstimme auch noch Käse reiben kann? Jedenfalls ist der Frischfisch viel besser als jedes Dosenfutter! Wenn wir daran denken, wie das noch letztes Jahr war….. insoweit hat Tita doch einen guten Einfluss auf Feivel und ihn wenigstens in dieser Hinsicht bekehrt.
Die Nacht wird relativ ruhig und in den frühen Morgenstunden frischt der Wind etwas auf. Bei Tagesanbruch bergen wir den Blister, der immer öfter bei den Kursschwankungen des Windpiloten zusammen fällt, und setzen dafür Groβ und Genua. Die Kursschwankungen resultieren aus den doch heftigen Böen in Verbindung mit Wellenquerläufern, die eben etwas Zeit zum Aussteuern benötigen, will man nicht bei jeder Böe die Schoten und Segelstellung anpassen (und wieder zurück). Das Setzen der Segel nimmt etwas mehr Zeit in Anspruch, da sich das Groβfall in den oberen Maststufen verhängt und nur durch ein Beherztes Aufentern in den Mast wieder lösen lässt. Erst sind es die beiden obersten Stufen an Steuerbord, kaum klariert und vom Mast herunter, die oberste Maststufe an Backbord. Um das zu verhindern, sind ja eigentlich Fallenabweiser gespannt, aber die haben sich ausgerechnet im Topp gelockert und sind gerissen, somit wirkungslos. Nach 1 ½ Stunden Frühsport ist der Blister und dessen Schoten und Leinen aufgeräumt, Groβ und Genuabesegelung steht ausgebaumt bzw. mit Bullenstander gesichert, der Windpilot wieder eingestellt und an der Arbeit. Danach können wir es ruhiger angehen lassen, „Aroha“ segelt knapp hinterm Horizont in 10sm Entfernung parallel zu uns. Delphine haben sich auch wieder gemeldet, natürlich mitten in unserer Frühsportübung, die uns von ihrem Anblick etwas abgelenkt hat. Aber es ist immer wieder ein gutes Gefühl, wie ein gutes Omen, die geschmeidigen Säuger zu treffen und zu beobachten. „Aroha“ kommt langsam näher, taucht um 1300 Uhr am Horizont auf und ist bis zum Abend nur noch 2,5sm hinter uns. Nach fast 14 Tagen also das erste Mal wieder in Sichtweite. Vor dem Abendessen sind wieder Segelmanöver angesagt, 2 Reffs ins Groβ einbinden, also dazu den Spi-Baum abschlagen, Vorsegel einrollen und hinterher wieder ausrollen und ausbaumen. So geht unser 15ter Tag auf See zu Ende, unser heutiges Etmal war mit 115sm fast 30sm besser als am Vortag. Da sieht man, was ein paar Stunden Flaute ausmachen.
In der Nacht legt der Wind auch prompt zu, wir machen gute Fahrt und Aroha ist trotzdem schneller und überholt uns kurz nach Mitternacht, diesmal südlich. Ein Frachter zieht am Horizont vorbei, sonst bleibt es ereignislos. Obwohl es auch nachts um die 25º hat, sind warme Klamotten oder Wolldecke angesagt, denn der Wind kühlt einen bei den Nachtwachen aus und die hohe Luftfeuchtigkeit tut ihr übriges. Am Morgen des 16ten Tages, am 07. Februar, sind es noch 550sm bis Barbados, also voraussichtlich 4-6 Tage. Bis dahin nichts als Wasser, Wellen, Wolken um uns herum.
Abgesehen von den für den Passatgürtel üblichen Schäfchen- und Cirruswolken bilden sich regelmäβig in der Nacht mitunter dunkle Wolkenbänke, die sich erst im Lauf des Vormittags langsam wieder auflösen und in der Zwischenzeit die Sonne verdecken. Am Nachmittag erledigen das Verdecken die Segel, wenn die Sonne uns voraus westwärts wandert. So verbleibt nur ein relativ kleines Zeitfenster, in dem die Solarpaneele ihren Dienst richtig versehen. Der Windgenerator hat dafür das Problem, dass der Fahrtwind die Kraft des Rückenwindes entsprechend mindert und somit leider auch die Stromausbeute. So wird klar, unsere Batteriebank von 400AH ist zu knapp bemessen, gleiches gilt für die Stromlieferanten. Die Hauptverbraucher Kühlschrank, Wassermacher, PC, aber auch Druckwasseranlage (beim Duschen oder Wäsche waschen) oder Staubsauger müssen entsprechend gezielt genutzt bzw. abgeschaltet werden, bis der Energiehaushalt aufgebessert ist oder die Wetterumstände entsprechend günstiger sind.
Unsere Miezen kümmert das allerdings wenig. Sie verschlafen das Meiste vom Tag und ebenso den überwiegenden teil der Nacht. Am aktivsten werden sie am Abend in der hierzulande recht kurzen Dämmerung sowie am Morgen, wenn ihnen die letzte Freiwache und Schlafmöglichkeit der Crew zu lange dauert. Unsere Wachwechsel orientieren sich im wesentlichen an Sonnenunter- und -aufgang im 3-Stunden Rhythmus, die erste Freiwache hat meist Einschlafprobleme wegen der „frühen“ Uhrzeit, die letzte Freiwache läuft dafür Gefahr, vorzeitig durch das Getrappel von 8 Beinen auf der Jagd, Sprünge auf den Bauch sowie lautstarke Unmuts- und Demonstrationsbekundungen (wo bleibt’s Frühstück? Wir haben Hunger, wollen raus, uns ist’s langweilig!) aus dem Schlaf gerissen zu werden. Den versuchen wir auch am Sonntag tagsüber etwas nachzuholen, was aber nicht so einfach ist, wenn die Sonne scheint, der Wind lauwarm und leicht drüber streicht und es eigentlich zu heiβ und zu hell ist zum Schlafen. Oft wird ein Dösen oder „rumgammeln“ draus, was zwar einen niedrigeren Erholungswert hat, aber besser ist als nichts. Sonntag Abend um 20.00 Uhr sind es noch 488sm bis Barbados, 1.587sm liegen (laut Logge) hinter uns.
Mo – So, 01.-07.Februar 2010 (unterwegs über den Teich)
Veröffentlicht in Atlantik Ueberfahrt, Bomika 2010
Mo – So, 25.-31.Januar 2010 (unterwegs über den Teich)
Der Morgen beschert uns wieder etwas mehr Wind und Wellen, erst um die 20Knoten, dann eher 25 Knoten. Die hohen, mächtigen Wellen drücken das Schiff immer wieder aus dem Kurs, die Windfahnensteuerung kommt da nicht ganz mit. Dazu weht er mal wieder mehr aus Nordost. Nachdem wir nicht direkt nach Surinam oder gar Brasilien wollen, bergen wir mittags die zweite Fock und versuchen sie so gut wie möglich zusammenzulegen und wieder verpackt an die Reling zu binden, griffbereit fürs nächste Mal. Die Aktion dauert fast 1 ½ Stunden und wird mit einem (für uns bisher) seltenen Anblick belohnt. Kaum sind Fock, Groβbaum, Bullenstander und sonstige Leinen aufklariert, schwimmt ein groβer Wal von 10-12 Metern Länge vorbei und zieht hinter Bomika seine Bahn. Wir konnten immer nur einen Teil von ihm sehen, vermuten aber einen Pottwal. Danach setzen wir das Groβsegel und binden gleich 2 Reffs ein, Kurs 290º, aus denen durch die Abdrift und den Versatz durch Welle 270º über Grund werden. Bei den heftigen Schiffs- und Schaukelbewegungen strengt die Arbeit an Deck (aber auch unter Deck) sehr an und wir verschnaufen erstmal, lesen ein bisschen. In der Nacht bzw. am frühen Morgen lässt der Wind während Lisas Wache ziemlich nach, dafür piepst das Elektronikpaneel – die Batterien sind leer. Bei den hohen Wellen hatte der Autopilot einiges zu tun und der Windgenerator bekommt bei achterlichem Wind ja nicht die volle Power ab, da sich die Fahrtgeschwindigkeit noch subtrahiert. Bei weniger Wind reicht das eben hinten und vorne nicht mit dem Strom. So hat Lisa einfach die maschine angeworfen, um die Batterien zu laden. Dazu lassen wir gleich den Wassermacher noch laufen, um die ungeplante Stromzufuhr auszunutzen. Am Morgen, kaum wird es hell, bergen wir Genua und Groβsegel, räumen alles wieder schön auf, wie sich das gehört, und setzen den Blister. Diese Kleinigkeit an Arbeit dauert 2 Stunden, aber man soll ja nichts überstürzen, die Müdigkeit steckt noch in den Knochen und Leichtsinn gilt es zu vermeiden. Keiner will sich verletzen oder über Bord gehen und Zeit haben wir ja genug. Als der Blister steht, haben wir unsere erste Begegnung mit einem Frachter, der ziemlich nah an uns Richtung Kanaren oder Gibraltar vorbei zieht. Es dauert keine 15 Minuten, dann ist er am Horizont schon wieder verschwunden. Die ersten Stunden geht es zwar nicht rauschend, aber doch zügig voran, bis der Wind immer weniger wird und sich bei 5-7 Knoten einpendelt. Die Windfahnensteuerung ist bei soviel Wind unterfordert und nutzlos, und so dümpeln wir mit 2-3 Knoten Fahrt unserem Ziel langsam entgegen. Unangenehm ist nur, wenn der Blister immer wieder zusammenfällt um sich dann mit lautem Getöse (zumindest hört es sich in der Kabine fürchterlich laut an) und mit einem Ruck im Rigg wieder aufzublähen. Ahora war die letzten Tage etwas schneller unterwegs und liegt etwa 30sm vor uns. Über SSB-Funk bleiben wir 2mal täglich in Kontakt. Durch den ruhigen und sonnigen Nachmittag können wir wenigstens auch mal richtig entspannen, lesen und ausruhen. Mal sehen, wie es die nächsten Tage wird – der Wetterbericht verspricht weiterhin wenig Wind. Dafür amüsieren sich die Miezen um so besser, Feivel kommt öfters mal von seinem Hintern hoch und jagt mit Tita übers Deck, wenn auch in gewohnter langsamerer Gangart. Tita versucht, nicht nur die Groβschot, sondern auch den Mast zu entern, hängt dann über der Maststufe kurz unterm Groβbaum, schaut sich um und klettert wieder runter, nachdem sich ihr kein weiterer Weg nach oben bietet (die Leinen laufen dann ja im Mast und damit fehlen die Lianen zum weiter klettern). In der Nacht sinkt unsere Durchschnittsgeschwindigkeit auf etwa 1,5 Knoten, wir dümpeln und treiben mehr als wir segeln. Nach Tagesanbruch am Mittwoch, unserem 5ten Tag unterwegs, versuchen wir deshalb den leichten Winddrehungen gerecht zu werden. Wir fahren den Blister frei schwingend am Baum, dann wird er nach steuerbord geschiftet, aber alles ohne Erfolg, auβer dass das Unterliek immer wieder ins Wasser taucht und klitschnass ist. Also runter mit dem Tuch, versuchen wir es mal mit ausgebaumten Groβsegel und Genua in Schmetterlingsmanier. Mal sehen, was es bringt. Ansonsten werden uns wohl noch ein paar ruhige Schaukeltage ins Haus stehen. Immerhin haben wir die ersten 480sm schon hinter uns, das ist ja fast ein Viertel, wenn auch die in der Nacht zurückgelegte Strecke von 12sm in 9 Stunden nicht gerade euphorisch stimmt.
Eigentlich soll der Passatwind ja um diese Zeit längst stetig wehen, aber wir haben wohl eher die Mittelmeerverhältnisse in der meteorologischen Tombola gewonnen. Statt Rückenwind gibt’s Flaute, schwachen variablen Wind, dann Gegenwind zum Aufkreuzen – was kommt wohl als nächstes? So geht es gemütlich weiter dahin, wir kommen langsam vorwärts und zumindest die grobe Richtung stimmt, wenigstens für ein paar Stunden. Dann variiert die Windrichtung um West und mit Abdrift und Versatz fahren wir fast nach Nord, nach einer Wende pendelt sich aber das gleiche Spielchen ein und unser Kurs über Grund erweist sich als fast genau Süd, keine guten Voraussetzungen um die Distanz nach Westen zu verkleinern.
Am 6sten Tag trennen uns immer noch fast 1.600sm von Barbados, wir stehen nur rund 30sm südlicher als gestern. Nachdem Tita so gerne auf der Badeplattform sitzt und vornüber gebeugt das Kielwasser beobachtet, kriegt sie zur Abwechslung eine Schwimmweste verpasst. Selbst die kleinste Ausgabe ist immer noch etwas zu groβ, jedenfalls kann sie sich daraus befreien, aber ansonsten kommen ihr in diesem Kostüm die Seebeine samt Gleichgewichtssinn abhanden, gehen wird unmöglich, sie kriecht und schwankt nur noch. Entsprechend froh ist sie, wieder von der Weste befreit zu werden, ohne kann sie sich ja doch sicherer bewegen. Am Nachmittag dreht der Wind endlich etwas südlicher und wir können wieder Westkurs anlegen, wenn auch noch relativ hart am Wind, aber der ist dafür eher zart mit 2-3 Bft. und das Vorwärtskommen entsprechend langsam und mühselig.
Heute ist schon Freitag, unser 7ter Tag auf See. Die Nacht hat uns ein paar Segelmanöver beschert, aber nicht viel Strecke. Zwischendurch ein paar Stunden in der Flaute gedümpelt, dann wieder lauer Wind auf die Nase, aufkreuzen bei minimalen Winden kann schon anstrengend sein. Die Selbststeueranlage hilft da auch nicht viel, zwischendurch ist eben Handbetrieb angesagt. Unsere Etmale (zurückgelegte Distanz von Mittag bis Mittag des nächsten Tages) sind weiterhin unter aller Kanone und variieren zwischen 25 und 50sm. Laut Logge sind es zwar fast doppelt so viele Seemeilen, die wir aber nur wegen des Kreuzkurses absolviert, uns also dem Ziel nicht wesentlich näher gebracht haben. Die Logge zeigt 600sm, zurückgelegte Distanz bisher 545sm, also etwa ein Viertel. Da tagsüber auch mal groβe Wolkenbänke unsere Solarpaneele verdunkeln, der Windgenerator ohne Wind nichts bringt und der Kühlschrank sowie Autopilot viel Strom vertilgen (dazu die Druckwasserpumpe beim Wäsche, Geschirr waschen und Duschen, ab und an der PC usw., läppert sich halt), kommt es immer wieder mal vor, dass wir nachproduzieren müssen und die Maschine laufen lassen. Wir verbinden das dann gleich mit einem Stückchen Wegstrecke in Zielrichtung und dem Auffüllen der Wassertanks mit unserer Entsalzungsanlage. Aber mehr als 10-12sm legen wir dabei nicht zurück. Schlieβlich wollen wir ja nicht durch die ganze Flautenzone motoren, dafür würde auch der Diesel nicht reichen. Laut Wetterkarte müssten wir da rund 400sm motoren. Wir hoffen aber auf ein Einsehen von Äolus und dass wir vorab schon mal ein Lüftchen zum langsamen Segeln abbekommen.
Tita hat sogar ihre Angst vor den schlagenden Segeln verloren – leider, denn nun setzt sie sich auch gefährlicheren Situationen aus. Katzen sind zwar intelligent, aber ob sie die Kraft einer Schot, die durch ein killendes Segel herumgewirbelt wird, richtig einschätzen können? Tita marschiert jedenfalls mutig unter der Genua durch und über die Schot drüber, um es sich auf dem Bugspriet bequem zu machen. Allerdings dauert es nicht lange, dann stellt sie sich auf die Hinterbeine und untersucht das Vorstag mit der schlagenden Genua auf Möglichkeiten, dort aufzuentern. An ihr ist anscheinend eine Piratenbraut verloren gegangen, nachdem sie so gerne irgendwo aufentert!
Die Nacht ist ruhig, meist ohne nennenswerten Wind. Wir steuern teilweise von Hand, treiben bei der langsamen Fahrt kräftig nach Süden ab, bis nach Mitternacht doch noch genug Wind aus NW aufkommt, um die Segel zu blähen und uns vorwärts zu bringen. Der Kurs schwankt zwischen 220º und 240º, aber immerhin mit einer westlichen Komponente. Ab dem Morgengrauen ist Äolus aber schon wieder müde und döst immer wieder ein, die Batterien sind mal wieder leer gelutscht. Also wird der mobile Generator ausgepackt, mit Benzin gefüllt und für 2 Stunden angeschmissen. Das ist ökonomischer als den Diesel laufen zu lassen. Die Wolken sind auch weiter gezogen oder haben sich aufgelöst, ein weiterer sonniger Tag mit wenig Wind steht ins Haus. Zu Aroha stehen wir täglich in Funkkontakt, ansonsten sind sie uns nach wie vor gut 90sm voraus, zuviel für die UKW-Funkanlage. SSB (Kurzwelle) ist da doch etwas anderes.
Ansonsten entwickelt ausgerechnet Feivel, der eigentlich eher träge ist, nur seine Lieblingssorten Dosenfutter anrührt und alles, was er nicht kennt, mit Verachtung straft, neue Eigenschaften. Anscheinend hat er sich das von Tita abgeschaut oder befürchtet, es könnte da doch was Gutes geben, von dem er nicht ausgeschlossen sein will. Nicht dass er bettelt (er schreit höchstens laut danach), wartet aber mit gierigen Blicken unter dem Tisch, ob man ihm nicht doch was abgibt. Und dabei geht es gar nicht mal um Fleischbröckchen, sondern um Kartoffeln und Karottengemüse. Letzteres mag noch nicht mal Tita, die sonst vor gar nichts Halt macht und sogar vor Zwiebeln und Knoblauch nicht zurück schreckt. Unser sonst so bequemer Pascha wird wohl doch noch mal unternehmungslustiger und probierfreudiger.
Am Samstag abend gibt es endlich wieder Wind und sogar aus Nord! Wir segeln hart am Wind bei 3-4Bft, also etwa 45º zum Wind, dazu aber fast 30º Abdrift und Versatz, so dass wir gerade mal 265º bis 270º über Grund fahren. Aber immerhin, die Richtung stimmt und es geht vorwärts! Rechtzeitig vor Einbruch der Dunkelheit und auf den dezenten Hinweis von Äolus, der uns ein paar Böen mit 5Bft schickt, binden wir vorsichtshalber 2 Reffs ein. Dadurch werden wir zwar etwas langsamer, aber Bomika stampft auch so noch genug in die Wellen. Es wird ein richtig kitschiger Sonnenuntergang gepaart mit dem Aufgang des nicht minder eindrucksvollen Vollmonds und eine ansonsten ereignislose Nacht.
Am Morgen des 9ten Tages (Sonntag) beginnt der Wind teilweise etwas östlicher zu drehen und wir müssen nicht mehr ganz so hart an den Wind. Wir schütten das Reff wieder aus und setzen unseren Kurs auf 275º über Grund. Ein Drittel der Strecke haben wir inzwischen hinter uns gebracht, ab morgen soll der Passat ja wieder „normal“ wehen. „Aroha“ hatte über Nacht beigedreht und so hat sich unsere Distanz von ca. 100sm auf etwa 60sm verringert. Da sich unsere Kurse annähern, sollten wir am Montag, wenn nicht Sichtkontakt, so zumindest in VHF-Reichweite sein. Die Bordstromsituation hat sich auch etwas entspannt, obwohl sich die Sonne immer wieder mal hinter den typischen Passatwolken versteckt. So schön es ist, wieder gute Fahrt zu machen, so sehr sehnen wir uns doch danach, dass der Wind wieder aus Nordost bläst und damit Bomika etwas ruhiger segeln lässt. Es ist zwar nicht mehr so schlimm wie in der Nacht, aber immer noch gegenan anstatt von der Seite oder achterlich. Immerhin ist es im Vorschiff trotz der ganzen Bolzerei und dem tiefen Eintauchen des Bugs in die Wellen nach wie vor knochentrocken. Die Nachbesserung auf Sal hat sich also gelohnt und war überaus erfolgreich!
Veröffentlicht in Atlantik Ueberfahrt, Bomika 2010
Mo – So, 18.-24.Januar 2010 (Tarafal/Sao Nicolao – Abfahrt)
Am Montag stehen wir rechtzeitig auf, um Moni und Eric abzuholen und vor 0900 Uhr an Land zu sein. Unser Fahrer ist bereits da, wir gehen noch schnell zur Bank und Wechseln etwas Geld, damit wir den Ausflug auch bezahlen können. Wir planen auch gleich einen kleinen Einkauf, Barbesuch und Einklarierung mit ein, was uns aber trotzdem nicht ganz reichen sollte. Das Leben ist halt doch immer etwas teurer, als man denkt! Eigentlich wollte uns der Fahrer kurz beim Hafenkapitän zum Einklarieren absetzen, vergisst es aber dann und fährt gleich durch. Die Fahrt geht erstmal quer über die Insel. Die Straβe ist soweit gut ausgebaut, aber an vielen Stellen unterspült und die Ränder weg gebrochen. An diesen Stellen wurden groβe Steine als Begrenzung aufgestellt und weiβ angemalt, die die Straβe dadurch auch teilweise einspurig werden lassen. Die Landschaft wird immer grüner, unterwegs begegnen wir Kindern auf Eseln, Kinder und andere Leute aller Altersstufen mit Wasserkanistern, beladene Esel und Esel, die am Wegrand angebunden sind, während sie auf die Antreiber und den Antritt des Heimwegs warten. Entlang den Strassen, die teilweise geteert oder gepflastert, teilweise Schotterstrassen sind, schwingen die oberirdischen Stromkabel zwischen den Haltepfählen. Vom Stromkabel bis zum Boden oder den angrenzenden Büschen verlaufen dicht gewebte Spinnennetze gigantischen Ausmaβes, voll bepackt mit gelb-schwarzen, fast handtellergoβen Spinnen. In einem kleinen Dorf besuchen wir den Kindergarten mit Vorschule, in denen mehrere Klassen oder Gruppen von den „Schwestern“ geleitet werden. Zwischendurch werden die Kinder auf den Hof geführt, wo eine Gruppe im Reigen tanzt, während eine andere sich brav in Reihe aufstellt und an der Kinderrutsche ansteht. Die meisten schauen ernst drein, einige können sich ein Grinsen nicht verkeifen bei den vielen Bleichgesichtern, die da auf einmal auftauchen und dumm gucken. Fotografieren ist kein Problem, die Oberschwester hätte nur gern einen Abzug zum Aufhängen im Vorraum. Leider haben wir viel zu wenig Lutscher und Bonbons dabei, die reichen höchstens für eine Gruppe. Wir drücken sie der „Lehrerin“ in die Hand, die Kinder bedanken sich artig im Chor. Danach geht es zu einer Plantage mit Bananen, Papayas, Mangos, Erbsen und anderen Früchten/Gemüse samt Wasserbecken und Zisterne zur Bewässerung. Regen gibt es von Juni bis August, manchmal aber soviel, dass alles überschwemmt wird, Dörfer unter Wasser stehen, und eben auch die Strassen unterspült oder weggespült werden. Am anderen Ende der Plantage werden wir von unserem Fahrer wieder aufgelesen und stolpern dabei über seltsame gelb-grüne Früchte, die einen „Flauschepelz“ haben. Um was es sich da handelt – keine Ahnung. Vielleicht werden wir mal im Internet fündig, vorausgesetzt wir bekommen mal wieder Anschluss an selbiges. Über eine enge Nebenstrasse geht es in steilen Kehren in ein Tal, dann wieder bergauf. Unser Führer zeigt und eine kleine Schnapsbrennerei für Zuckerrohrschnaps. Alles sehr primitiv aber wohl wirksam. Die Betreiber, Groβvater, Vater und kleine Tochter, machen gerade Siesta und sehen uns befremdlich an. Nicht weit entfernt können wir zusehen, wie ein neuer Ofen aus rohen Steinen gebaut wird. So kommen wir schlieβlich nach Ribeira Bravo, wo auf dem Hauptplatz noch der Christbaum steht. Keine Tanne, sondern ein Drahtgeflecht in entsprechender Form, behangen mit Kugeln und Lampen sowie einem Kometenstern als Spitze. Der Gemeindemarkt hat gerade noch offen und wir begutachten die verschiedenen kleinen Obst- und Gemüsestände, kaufen etwas Frischobst und Gurken und ziehen weiter durch den Ort. In einem Restaurant kehren wir ein, sind aber die einzigen Gäste. Die Wirtin, bestimmt schon jenseits der 70 (wenn nicht der 80), freut sich über die Gäste, Fisch, Huhn und Steak stehen zur Auswahl, dazu Pommes Frites oder Gemüse und Reis sowie Salat. Fahrer und Führer lassen sich selbstverständlich von uns einladen, dafür haben sie ja das Restaurant ausgesucht. Nachdem der Durst gelöscht, die Mägen gefüllt sind, machen wir einen Rundgang durch den hügeligen Ort und werden zu der ehemaligen Eliteschule der Kap Verden geführt, die heute allerdings nunmehr als Wohnhaus mit Appartements dient. Nachdem wir genug gegangen sind und gesehen haben, geht es zurück zum Aluguer, um die Rückfahrt anzutreten. Unterwegs gabeln wir noch ein paar Einheimische auf, u.a. auch die alte Marktfrau mit einem verkrüppelten Arm, bei der wir unsere Bananen gekauft haben. Zurück in Tarafal wollen wir noch zur Bank, die aber bereits geschlossen hat, dann zur Policia Maritima, ebenfalls verriegelt. Wir suchen noch das Haus von Henni Kusters, dem TO-Stützpunktleiter, werden aber nicht fündig, da wir nicht weit genug gegangen sind. Also auf ins Schlaucherl zu einem (kleinen) Abendessen an Bord. Der Schlaf will sich aber trotz totaler Müdigkeit nicht einstellen. Es ist schwül, feucht und mir tun auβerdem die Rippen weh, die „richtige“ Stellung scheint es heute nicht zu geben. Erst eine kräftige Schmerztablette bringt Abhilfe.
Am Dienstag ist daher erstmal Ruhe und Stillhalten angesagt. Fällt natürlich besonders schwer und so wird wenigstens der Wasserpass vom grün-grasigen Bewuchs befreit und gesäubert. Die „Mistral“ von Andreas und Anni läuft am Nachmittag ein, allerdings ohne die Beiden. An Bord sind vier Freunde, die das Schiff nach Brasilien überführen, Andreas, der eigentlich mit dabei sein wollte, ist wegen einiger bei Anni anstehender OPs zuhause geblieben, um Anni Beistand und Hilfe zu geben. Wir besuchen die 4 Überführer kurz an Bord der Mistral, aber ohne das Schauspiel zu verpassen, als die Alexander von Humboldt unter Segeln aufkreuzt und schlieβlich in den Hafen einläuft bzw. nicht weit von uns ankert. Ansonsten haben wir den Tag wirklich langsam und mit weniger Arbeit verbracht und freuen uns trotzdem auf eine frühe Koje.
Am nächsten Morgen lassen wir es noch mal gemütlich angehen, holen Moni und Eric ab und tuckern an Land. Unser erster Weg zur Bank für den Devisentausch verläuft enttäuschend, wir stehen vor verschlossenen Türen. Ein alter Herr erklärt und in Portugiesisch, dass heute Feiertag ist und deshalb alles geschlossen. Damit erübrigt sich auch Obst- und Gemüseeinkauf sowie die Meldung bei der Hafenpolizei. Wir wandern zu Henni, gehen dort kurz ins Internet und unterhalten uns mit einem seiner Gäste, da Henni gerade noch unterwegs ist. Kaum kommt er zurück, wird es turbulent, da ein Groβteil der Besatzung von „Alex“ eintrifft zur Mittagsjause zwischen 2 Ausflügen. Wir verabreden uns mit Henni für den nächsten Tag, zum Wäsche Waschen und zum Mittagessen. Henni ist nicht nur TO-Stützpunktleiter, sondern auch Sternekoch und bildet Kapverdianer zu Köchen aus, unterhält also trotz seiner 76 Lenze eine Kochschule. Von seinen Menüs ist uns schon von verschiedener Seite vorgeschwärmt worden und so werden wir uns ein Abschiedsmenü gönnen, bevor wir – voraussichtlich am Freitag – die östliche Seite des Atlantiks hinter uns lassen. Am Abend verabschiedet sich die „Tofua“ von uns und läuft am nächsten Morgen im ersten Dämmerlicht aus. Die „Alex“ entschwindet noch in der Nacht, gleich nach ihrem BBQ bei Henni am Strand. So verbleiben nur noch „Aroha“ und „Bomika“ am Ankerplatz. Dafür kommt während des Kaffeetrinkens ein Fischer in seinem Nachen vorbei und begrüβt uns auf Deutsch mit Holländischem Akzent. Evtl. war er bei Henni in der Schule? Er rät uns zu Fischen, da es hier viele Fische gibt und sich das Angeln lohnen soll. Feivel freut sich über das gerade gesäuberte Katzenklo und haut seinen Sch… gleich in (und neben) die gerade frische Streuschüssel. Nachdem der Deckel noch offen ist, beseitigt Lisa die Hinterlassenschaft der Notdurft und den Salon vom Duft der groβen weiten Welt, verteilt dabei aber die Katzenstreu direkt vorm Katzenklo im Salon anstatt auβenbords. Dabei haben wir doch genug Arbeit am Schiff als dass man sich noch eine machen müsste. Nachdem die Batterien schon etwas schwach auf der Brust sind, lassen wir den Motor eine Weile laufen, damit dem groβen Staubsauger seine Saugkraft nicht mangels elädrischem Saft verlustig wird. Die Zeit verrinnt, also noch schnell in den Mast, um die restlichen Fallenabweiser (Leinen zwischen Wanten und Maststufen) zu montieren, das frisch gewaschene Obstnetz am Geräteträger wieder einfädeln und anbändseln, duschen und dann ab an Land. Bei der Bank noch Geld wechseln, den Obstmarkt suchen – auf unser Fragen der Einheimischen werden wir in andere Richtungen geschickt, dabei ist er gleich am Hafen und besteht nur aus zwei kleinen Ständen – dann werden wir auch schon von Moni und Eric gefunden, die ja schon früher an Land sind und netterweise auch unsere Wäsche zum Waschen bei Henni mitgenommen haben. Gemeinsam schlendern wir zu Henni’s Haus und beschäftigen uns mit Laptop und Internet, bis das Essen fertig ist. Gedeckt ist für uns Vier im „Garten“ auf der Terrasse mit Blick auf den Strand und das Meer. Wir werden von einem der „Koch-Lehrlinge“ bedient, der uns erst eine Art Kürbissuppe (gut gewürzt mit gewisser Grundschärfe) mit Speckwürfelchen serviert, danach den Hauptgang mit Kohlgemüse, eine Waldorfsalat-Variation, Reis, Kartoffeln und Curryhuhn. Dazu eine Flasche Rotwein und Mineralwasser. Als Nachtisch gemischtes Obst mit Sahne und einem Schuss Rum sowie Kaffee. Pappsatt sind wir reif für eine richtige Siesta, aber es wartet noch ein bisschen Internet-Arbeit. Eric und Moni müssen sich noch um das Auffüllen ihrer Gasflasche kümmern, was sich als nicht so einfach herausgestellt hat, und obendrein noch auf ihre Wäsche warten, da die Waschmaschine noch läuft. Unsere ist bereits trocken und zusammengelegt und wir können und gegen 1700 Uhr auf den Rückweg zum Dingi machen. Der Jockl wird gleich wieder verstaut, das Dingi an Bord geholt, die Bodenbretter entfernt, dann wieder aufgeblasen und kräftig geschrubbt. Gerade unter den Bodenbrettern finden sich noch etliche Fischschuppen aus Sal und alles ist von einer grünlich braunen Schliere überzogen. Das soll ja nicht die nächsten 3 Wochen vor sich hinmodern! Die Dunkelheit naht schneller als wir fertig werden, so muss der Rest bei Decksbeleuchtung erledigt werden. Zum Schluss noch die gröbste Brühe von Deck waschen, der Rest muss eben morgen Vormittag erledigt werden.
Die Nacht wird unruhig, Bomika schaukelt von links nach rechts und zurück, die Wellen klatschen oft von hinten ans Heck, was sich gerade in der Achterkajüte ziemlich laut und unangenehm anhört. Lisa rüsselt irgendwann vor sich hin, bei mir dauert es bis in den frühen Morgen, bis mich der Schlaf endlich übermannt. Aber deswegen später aufstehen? Weit gefehlt! Das Dingi wird entlüftet und zusammengerollt für die Tasche – jedes Mal wieder ein Kunststück, das Ding klein genug zusammenzulegen – und ordentlich an Deck vor der Scheibe verzurrt (noch so ein Kunststück, es so hinzukriegen, dass auch die mittlere Scheibe noch zum Öffnen ist). Der Kaufhauskläffer kriegt sein Verhüterli verpasst, damit auch nach Seewasserduschen in der nächsten Bucht noch funktioniert, Backskiste umstauen, und Lisa’s Leselampe im Schlafzimmer neu verschrauben. Vor 2 Tagen hat sie beim Verbiegen des Schwenkarms gleich die ganze Lampe mitgerissen, die dann nur noch an der Verkabelung hing. Bleibt nur noch, die restlichen Sachen rutsch- und kippfest zu verstauen. Nachdem die Nacht nicht viel Schlaf gebracht hat, wären ein paar Stunden Schlaf – an den ist bei der Helligkeit und Wärme bestimmt nicht zu denken – oder zumindest Dösen/Hinlegen nicht schlecht. Es ist eh schon Mittags und auf ein paar Stunden kommt es nicht an.
Allerdings meldet sich dann Eric, er hat die letzten Stunden den schlaf der Erschöpfung genossen und fühlt sich ziemlich gerädert. Deshalb möchte er die Abfahrt auf Samstag verschieben, um wenigstens zum Start gut ausgeruht zu sein. Wir stimmen um seinetwillen zu, aber uns tut das bestimmt auch gut. Als ich mich noch mal hinlege und lese, liegt Feivel neben mir auf dem Bett. Gerade als ich aufstehen will, legt er seinen Kopf über meinen Knöchel und wärmt mit seinem Rücken mein Bein – dabei ist es auch ohne sein Fell schon warm genug. Aber es dauert auch nicht lange, dann kommt Tita hinzu, legt sich auf die andere Seite und reizt Feivel ein bisschen. Wenn es um Tita geht, ist er ein überbesorgter, manchmal törichter Gockel, und so steht er auf, geht zu Tita und schleckt sie an Kopf, Hals Brust und Pfoten ab. Tita macht mit und beide busseln sich die Schnauze nass, bis Tita plötzlich Lust auf Raufen kriegt und zu pöbeln anfängt und somit die Liebkosungen von Feivel unterbindet. Feivel hat nun zwei Möglichkeiten: drohende Tatze und eine Verabschiedung mit schmollender Geste oder mitmachen. Dieses Mal entscheidet er sich fürs mitmachen, lässt sich dann aber bald neben Tita in liegende Position fallen, der sich Tita glatt anschlieβt, obwohl sie ihrem Gesichtsausdruck nach lieber noch etwas gepöbelt hätte. Die Beiden sind schon ein herziges Paar!
Am Nachmittag Läuft der Trimaran „Pollen“ von Johan in die Bucht. Abends kommt Johan mit seinem selbstgebauten Ruderdingi auf ein Schwätzchen vorbei, nimmt netterweise noch unseren letzten Müll mit, danach gibt’s Abendessen und ab in die Koje. Dummerweise vergessen wir, den Kühlschrank vorher abzuschalten und kaum schlafen wir für etwas eine Stunde tief und fest, werden wir durch ein Alarmsignal im wahrsten Sinne des Wortes aufgeschreckt. Die Batterien sind leer gelutscht, der Wassermacher und andere Geräte piepsen und japsen nach Strom. Wir lassen den Motor eine halbe Stunde laufen, um die Batterien, wenn nicht ganz, so doch mit dem Mindestmaβ für die Nacht zu füllen, dann ist Ruhe und wir können weiter schlafen.
Inzwischen ist es schon Samstag und Zeit zum Auslaufen. Ahora und Bomika gehen gleichzeitig Ankerauf, aber Ahora hat wohl ein Problem. Die Ankerkette hat sich anscheinend um einen Stein gewickelt. Wir bleiben auf Standby und kurven am Ankerplatz umeinander, bis Eric nach einer Stunde meint, er muss den Free-Diver auspacken und auf Tiefe gehen, um die Kette zu klarieren, wir sollen doch schon mal vorfahren. Gesagt, getan, mit langsamer Fahrt setzten wir Kurs auf SW, der Wind ist mäβig bis kaum vorhanden und weiβ auch noch nicht, woher er blasen soll. Durch die Insel wird er abgedeckt und kommt mal um die eine, dann um die andere Ecke. Wir nutzen die Gelegenheit und füllen schon mal unsere Tanks wieder auf, die nach der Reinigungsaktion „Roter Sand“ und der Liegezeit von einer Woche einen gefährlich tiefen Anzeigestand aufweisen. Nach gut 10sm sind wir aus der Inselabdeckung heraus und haben den Passatwind mit 4-5Bft. am Hintern kleben (bzw. vorbeirauschen, er ist ja schneller als wir). Trotzdem schaukelt es noch fürchterlich, da die Wellen nicht nur von schräg achtern, sondern ab und an auch von der Seite kommen und unter Bomika hindurch rollen. In der Nacht legt der Wind zu auf volle 6Bft, wir reffen das Groβsegel zweifach und rollen auch die Genua etwas ein. Mal sehen, wie unser erstes Etmal am nächsten Tag aussehen wird. Wenigstens ist keinem von uns schlecht, also bereits ein erster Erfolg zu verzeichnen.
Obwohl es am ersten Tag so gut losging, ist uns Beiden am Sonntag etwas flau im Magen. So gibt es halt Knäckebrot und Zwieback statt frisch gebackenes Brot und die Reste der Zwiebelsuppe. Die Fischfütterung bleibt Gott sei Dank aus, dafür haben die Entlüftungsklappen genug zu tun. Ansonsten wird der Sonntag zum Manövertag. Der Wind täuscht eine Minderung an Stärke an und wir überlegen den Blister zu setzen. Als wir jedoch das Täuschungsmanöver des Äolus durchschauen, disponieren wir um. Bei über 20Kn Wind ist uns das dünne groβe Tuch zu kostbar, um es auf die Zerreiβprobe zu stellen. Nachdem sich der Wind auch über die Richtung nicht ganz einig wird und mal östlicher, mal mehr nordöstlich pustet, fangen wir unsere Manöverübung mit dem Schifften der Genua an. Da unsere beiden Vorstags dicht beieinander liegen, heiβt das Genua ganz einrollen und auf der anderen Seite wieder ganz ausrollen. Kaum geschehen, dreht der Wind wieder zurück und das ganze Spielchen erfolgt noch mal in umgekehrter Reihenfolge. Obendrein sollte die Genua auch ausgebaumt werden, doch bei jedem Versuch macht Äolus sein Veto geltend und zieht das Schothorn weg, in das der Spi-baum eingepickt werden soll. Auf See und auf wild schwankenden Planken ist ja jede Arbeit zehnmal so anstrengend, obendrein sind wir ja nicht mehr die Jüngsten und ausgesprochen unfit. Also erstmal eine Verschnaufpause, bevor es an den nächsten Teil der Übung geht, die 2 Stunden in Anspruch nehmen soll. Erst wird der Bullenstander, der das Groβsegel bzw. den Baum am Schwingen hindert, umgesetzt, damit er auch von einer Person zusammen mit der Groβschot bedient werden kann. Dann wird angeluvt, damit der Wind aus dem Groβsegel kommt und das Segel heruntergelassen bzw gezogen, weil es von selbst nicht so will und der Wind immer wieder in das lose Segel greift. Zur Unterstützung beim Kurshalten hilft die Maschine mit, die wir für das Manöver gestartet haben. Dann Auftuchen, dazu muss dann doch die Kuchenbude erst wieder abgebaut werden, da der Baum so hoch ist, dass man nicht richtig hinkommt, wenn man nicht auf den Süllrand und die Steuersäule des Cockpits steigt. Als das Groβsegel verstaut und aufgeräumt ist, wird der Bullenstander schon mal in Position gebracht, um den Groβbaum zum Ausbaumen der zweiten Fock zu nutzen. Als nächstes gilt es, die Genua mit dem Spi-Baum auszubaumen. Dafür kann man entweder in den Wind drehen, damit das Segel mittschiffs flattert und man dem Baum am Schothorn einpicken kann. Allerdings ist der Wind recht heftig und reiβt einem das Segel gern aus der Hand. Eine weitere Möglichkeit ist wieder vor den Wind zu gehen, der Schot genug lose zu geben und dann eine unvollständige Halse fahren, so dass die Genua gerademang back kommt. Dabei mit der Schot das Schothorn über die Festmacherklampe fixieren und den Spi-Baum einpicken, Schot wieder lösen und auf Kurs gehen, Baum und Schot richtig einstellen, fertig! Zuletzt kommt noch die zweite Fock dran, auspacken, am Vorstag einpicken, Groβbaum ausfieren und mit Bullenstander fixieren, zweiten Bullenstander am Schothorn einhängen, dann Segel hochziehen. Danach Segel einstellen, Schoten und Bullenstander (der zum Schothorn) auf die richtige Länge bringen bis das Segel steht, auch fertig. Allerdings schlingert der Kurs unter der Windfahne ziemlich, da die Wellen Bomika immer wieder aus dem Kurs drücken und die Windfahnensteuerung etwas langsamer reagiert als der elektrische Autopilot. Dabei kommt der Wind immer wieder zu seitlich achtern und lässt die zweite Fock back stehen, die sich bei der nächsten Drehung des Schiffs dann mit lautem Knall wieder entfaltet. Also nehmen wir halt den elektrischen Autopiloten, auch wenn der viel Strom braucht, schalten dafür in der Nacht den Kühlschrank ab und setzen den Kurs auf fast platt vor den Laken. Wir steuern so zwar 270º Grad, genau nach Westen, aber durch die Abdrift und die Wellen versetzt es uns doch ganz schön nach Süden. Für die Nacht lassen wir es gut sein, später werden wir das mit dem Blister oder, wenn der Wind zu kräftig für die rote Blase ist, mit der Genua wieder ausgleichen. Nach der ganzen Aktion gönnen wir uns etwas Ruhe, überlassen Bomika die Weiterfahrt warten darauf, dass das flaue Gefühl in der Magengegend nachlässt. Immerhin sagt auch der Magen ja zu einer warmen Mahlzeit aus Reis, Gemüse und Corned Beef. Es wird wohl wie üblich ein paar Tage dauern, bis wir uns wieder an die Schiffsbewegungen, das Geschaukel und das Leben unterwegs an Bord wieder gewöhnt haben, aber es wird täglich besser!
In der Nacht beruhigen sich Wind und Wellen etwas, die Wellen brechen sich nicht mehr so häufig und die breiten, hohen Schaumkämme sind fast verschwunden. Bomika wiegt sich im Atem des Atlantiks nach links und rechts. Allerdings ist der Atlantik ja auch schon ziemlich alt, da bleiben ein paar Husterer und Rülpser auch nicht aus, die die Ebenmäβigkeit des Atems stören.
Veröffentlicht in Atlantik Ueberfahrt, Bomika 2010
Mo – So, 11.-17.Januar 2010 (Sal – Sao Nicolao, Kap Verden)
Heute ist es soweit, der Bugbeschlag wird neu verschraubt. Das Loch in der Gegenplatte wird entsprechend aufgebohrt und heute klappt es auch. Ein erster „Trockenversuch“ mit der Schraube scheitert, die Schraube beiβt sich fest und die Gewindespitze ist hinüber. Aber wofür hat man eine Eisensäge an Bord? Als alles vorbereitet ist, hole ich Eric zu Hilfe, um die Mutter gegenzuhalten, während ich vom Schlauchboot aus den Bolzen reindrehe. Nachdem es heute besonders pfeift und Wellen in der Bucht stehen, die nicht nur das Wasser am Rumpf und am Beiboot aufspritzen, sondern auch das Schlaucherl ziemlich wild tanzen lassen, wird das Dingi gut vertäut, um nicht ganz auβer Reichweite getrieben zu werden. Den Beschlag noch rundherum Abkleben, dann fleiβig Silikondichtmasse verteilen und rein mit der neuen Schraube. Klappt alles wunderbar, noch schön fest ziehen, ein kleiner Tick noch und PENG! Der Bolzenkopf ist gebrochen. So schwer wie die Schraube rein ging, bekommen wir die Gewindestange bestimmt nicht so leicht hinaus. Nach einem Glas Radler geht’s bestimmt besser, und tatsächlich, der erste Frust ist überwunden und die schraube lässt sich mit Hammer und Kerbeisen gut durchstoβen. Gott sei Dank hab ich noch eine zweite Schraube ausreichender Länge an Bord, die wir gleich montieren. Jetzt kann das Silikon erstmal in Ruhe durchhärten, ich hole noch Moni ab und wir vertilgen die Reste des gestrigen Abendmahls. Mit unserer Spritzpistole, Silikon und passenden Schrauben, Muttern und Beilagscheiben bewaffnet, machen sich Eric und Moni auf den Rückweg zur Aroha und werden uns etwas später wieder abholen, wenn es zum Internetcafe und zum Sauerbratenessen bei Elisabeth und Carlos geht. Viel Zeit bleibt eh schon nicht mehr.
Vor dem Essen wollen wir noch kurz ins Internet, aber statt wie gewohnt um 1700 Uhr, werden die Pforten erst um kurz vor 1800Uhr geöffnet und lässt uns so wenig Zeit, da wir Carlos und Elisabeth nicht warten lassen wollen. Elisabeth hat schon groβ aufgekocht, den groβen Tisch im Nebenzimmer vorbereitet und gedeckt. Von den erwarteten Gästen haben 3 abgesagt, der Rest hat Mühe, mit den Mengen des wohlschmeckenden Menüs fertig zu werden. Der erste Gang besteht aus eingelegter Makrele, die so gut ist, dass sogar ich, der ausgesprochene Fleischfetischist, zweimal Nachschlag hole. Weiter geht es mit überbackenem Geschnetzelten sowie dem versprochenen Sauerbraten mit gelungener Soβe und Semmelknödel. Dazu noch bunten Salat um das ganze abzurunden. Nachdem wir ein paar Gäste weniger sind, bleibt trotz mehrfachem Nachschlag immer noch etwas übrig und wir bekommen diese Reste mit – eine weitere volle Mahlzeit für den nächsten Tag. Wenn wir dachten, damit wäre die kulinarische Orgie vorbei, weit gefehlt! Vanille-Zitronencreme mit Zuckerrohrsirup und Marmorkuchen stehen noch auf dem Programm, Johann steuert auch noch Palatschinken mit Guavemarmelade gefüllt bei und wir sind alle ausnahmslos kurz vor dem Platzen! Neben dem ganzen Essen und zwischen den Gängen des Menüs wurden natürlich auch Geschichten und Anekdoten zum besten gegeben und alle unterhalten sich bestens bei Wein, Punsch, Kaffee und was es sonst noch an Flüssignahrung dazu gab. Es wurde ein gelungener und unvergesslicher Abend.
Am nächsten morgen laufen Johann und Rosi mit ihrem Trimaran aus, wir treffen uns noch mal mit Carlos und er zeigt uns, wo unsere Wäsche gewaschen wird. Eine Witwe, die ihren Mann vor über 10 Jahren bei einem Dynamitunfall verloren hat, als sie gerade mit dem 5ten Kind schwanger war. Natürlich keine Versicherung oder soziale Versorgung. Die Dorfgemeinschaft hat zwar geholfen, das noch im Rohbau befindliche Haus fertig zustellen, damit sie ein Dach überm Kopf hat, aber die Kinder und sich selbst musste sie selber durchbringen. Da das Essen oft nicht gereicht hat, hat sie den eigenen Hunger meist mit Rumpunsch besänftigt und ist dadurch in eine Abhängigkeit geraten, aber irgendwie hat sie geschafft, was sich heute noch keiner erklären kann: alle Kinder zur Schule zu schicken (die auch kostenpflichtig ist) und zwei sogar aufs Gymnasium. Mit dem privaten Waschservice – etwa 400Esc/ 3,70€ pro Maschine inkl. Trocknen und Zusammenlegen der Wäsche hält sie sich weiter über Wasser, dieses Zubrot kann sie bestens gebrauchen. Seit kurzem hat sie auch einen kleinen Laden mit Grundnahrungsmitteln und Schulbedarf eröffnet, in dem wir auch gleich noch ein paar Kleinigkeiten wie Fertigsuppen und Milchpulver einkaufen. Unsere Wäsche können wir morgen wieder abholen. Wir wechseln noch etwas Geld beim Baustoffhandel, Eric und Moni fahren kurz nach Espargos auf die Bank, danach können wir den restlichen Abend in Ruhe an Bord verbringen, räumen das Vorschiff wieder auf, diverse Stauräume um und kämpfen ansonsten noch mit der Datenverbindung des Iridium Handys, die auf einmal nicht mehr funktionieren will. Alle Einstellungsänderungen, Neuinstallationen und sonstige Versuche schlagen aber fehl und irgendwann weit nach Mitternacht werfe ich das Handtuch.
Auch der nächste Tag bringt Beschäftigung, wenn auch erstmal ziemlich ergebnislos. Ich hole Eric ab und fahre ihn mit den Wasserkanistern an Land. Während er Wasser schleppt, will ich nach Espargos ins Internetcafe, wenn das von Palmeira geschlossen hat. Nachdem Eric aber zufällig gestern Abend gehört hat, dass heute ein Feiertag sein könnte, gehen wir erstmal bei der Wasserstation vorbei und tatsächlich – geschlossen! Wir gehen weiter zu Elisabeth, die Eric ja zum Abholen der Schubkarre erwartet. Eric deponiert dort seine Kanister bis morgen, wir versuchen die Kameraeinstellungen von Elisabeths Abbuidlfotografiermaschin auf die Reihe zu kriegen und ihr zu erklären, derweil kommen auch Ulli und Hilde vorbei. So wird es 1130 Uhr bis wir uns verabschieden und siehe da, das Internetcafe hat offen. Wir bestellen ein kleines Bierchen und Hamburger und fahren die Laptops hoch, die ersten Emails gehen raus, dann ist Sendepause – Stromausfall in Palmeira. Wir warten noch etwas in der Hoffnung, dass der Strom bald wieder kommt, treffen Nick von der Mollymawk, der mit Frau und 3 Kindern unterwegs ist. Der älteste ist jetzt 18, wurde in Antigua geboren und keine Schule besucht. Der Unterricht an Bord kling auch eher äuβerst unkonventionell, aber beim Ablegen der Schulprüfungen in England mit 16 und 18 Jahren haben wohl die Kinder mit lauter A-Noten abgeschlossen. Anstatt doch noch nach Espargos zu fahren, kehren wir zurück an Bord und hoffen auf funktionierenden Strom heute Abend, wenn um 1730Uhr das Internetcafe wieder öffnet. So können wir noch ein paar Kleinreparaturen an Bord erledigen, bevor wir zum Abholen der Wäsche aufbrechen. Zwischendurch kommt noch eine Deutsche Yacht aus Rostock an und wirft ihren Anker hinter uns. Damit liegen sie allerdings in der Einfahrtschneise der Frachter, müssen sich also umlegen, wenn sie nicht untergebügelt werden wollen. Ich informiere Arne und Barbara von der „Shassada“ über Funk bzgl. Einklarierungsprozedur, Wassertaxis, allgemeine Vorsichtsmassnahmen und was man sonst noch so fürs Erste wissen sollte und ernt dafür Beifall von Hilde, die auf der Tofua gerade denselben Kanal angeschaltet und das Funkgespräch mitbekommen hatte. Die Aktion des Wäscheabholens verzögert sich erstmal. Wie üblich, brauchen Moni und Eric noch ein paar Minuten, obwohl wir eh schon etwas spät dran sind. Die Beiden tritscheln eben gern. Auf halber Strecke zum Pier kehren wir dann aber um, weil die „Shassada“ aus Rostock bei ihrem 6ten oder 7ten Ankermanöver, bereits merklich genervt mit schreiendem Skipper, im Wind rückwärts treibt und sich in der „Cherub“ des Engländers bzw. seinem Bugspriet verhakt und damit auch „Aroha“ bedenklich nahe kommt. Die „Cherub“ wird ob der zusätzlichen Last am Ankergeschirr nach hinten gezogen und kollidiert fast mit der Irischen Yacht, aber letztendlich geht alles glimpflich ab, wenn man von einem gebrochenen Unterwant und verbogener Reling auf der „Shassada“ absieht. Die hatte insoweit noch Glück, da der lange Bugspriet der „Cherub“ das Führerhaus und auch die Dieselkanister am Mastfuβ nur knapp verpasst hat. Wir haben Eric und Moni erstmal auf „Aroha“ abgesetzt und dann „Shassada“ besucht und versucht, beruhigend einzuwirken. Shassada fährt ein neues und letztes Ankermanöver, wir holen Eric und Moni wieder ab und fahren endlich an Land. Die Wäsche ist allerdings noch nicht fertig, da der gestrige Stromausfall bis zum Abend gedauert hat und wir werden auf morgen vertröstet. So warten wir auf die Öffnung des Internetcafes, stürzen uns (Eric und ich) ins Net während unsere Mädels Hamburger, Wein und Bier bestellen. Nach 1 ½ Stunden ist das wichtigste erledigt und wir schlieβen uns dem Seglertreff bei Arminda an, wo Carlos, Elisabeth, Hilde und Ulli mit ein paar anderen Seglern bereits warten. Die „Alex“ ist zwischenzeitlich auch angekommen und ankert drauβen vor dem Hafen, denn für die Einfahrt reicht die Tiefe von max. 8m nicht aus. Eventuell kann Carlos aber für den nächsten Tag einen Termin zur Besichtigung mit dem Kapitän vereinbaren.
Am Vormittag erledigen wir diverse Kleinarbeiten, schreiben Logbuch und ärgern uns etwas, dass wir unser Dingi am Vorabend an Eric zum Wasserholen überlassen haben. So wird es Mittag, bis wir an Land kommen und zu spät zum Ausklarieren, da der Hafenkapitän mittlerweile auf der „Alex“ seine Pflichten erfüllt. Dafür erfahren wir von Hilde und Ulli, dass Carlos für uns um 1400 Uhr einen Besuch auf der „Alex“ für uns organisiert hat. Carlos kommt später noch selbst vorbei um sicherzugehen, dass „Aroha“, „Tofua“ und wir um 1345 Uhr auf Bomika zur Abholung bereit stehen, den Transfer hat er auch bereits organisiert. Wir erwischen Eric am Funk und lassen uns von ihm auf seiner letzten Fahrt zum Wasserholen abholen, um die Gasflasche zu tauschen, Einzukaufen, Wäsche abzuholen. Letzteres müssen wir dann aber doch noch mal verschieben, da die letzte Maschine noch nicht fertig ist. Gegen 1700 Uhr soll es erst soweit sein. Inzwischen ist klar, dass wir es heute nicht mehr schaffen werden mit dem Auslaufen und disponieren etwas um. Wenigstens sind wir rechtzeitig zurück an Bord, um noch eine Semmel zu verdrücken, bevor wir abgeholt werden. Das Dingi ist nun auch wieder an Bomika angebändselt, aber irgendwie klappen die Verabredungen zwischen „Tofua“ und „Aroha“ nicht und wir holen kurzerhand beide mit unserem Schlaucherl ab, gerade rechtzeitig, denn das Wassertaxi wartet bereits bei Bomika. Wir werden zur „Alexander von Humboldt“ geschippert und vom Kapitän persönlich begrüβt, der uns dann auf dem Oberdeck und Zwischendeck herumführt, alles erklärt und für Fragen bereit steht. Nachdem die „Alex“ bereits über 100 Jahre auf dem Buckel hat, ist bereits ein neues Schiff in Planung und das Schicksal der „Alex“ ungewiss. Als Andenken haben wir uns ein T-Shirt und eine Kappe des Groβseglers gekauft, bevor wir wieder zu unseren Yachten gefahren werden. Wir lassen uns gleich an Land absetzen, da wir ja noch Geld wechseln und unsere Wäsche abholen müssen. Auf dem Weg lädt uns Carlos noch auf eine Runde Wein ein, dann rufen ihn wieder seine Pflichten zur „Alex“, wir tauschen Geld, besuchen Elisabeth und verewigen uns im Gästebuch, dann kommt auch Thila vorbei um zu melden, dass die Wäsche jetzt fertig ist. Inzwischen ist es bald 1800 Uhr und wir genehmigen uns noch einen Hamburger, um die knurrenden Mägen zu beruhigen, treffen dort nochmals Arne und Barbara von der „Shassada“, die sich auf den Seglertreff am Abend freuen. Natürlich dauert es im Internet immer länger als gedacht, Carlos und Elisabeth kommen auch erst, als wir eigentlich schon längst aufbrechen wollen. Dafür bringt Carlos noch ein paar der Trainees von der „Alex“ mit, aber für uns wird es Zeit, an Bord zu unseren Tigern kommen. Arne spielt freundlicherweise Taxi und lässt dafür eine Getränkerunde sausen, wir bekommen dafür eine weihnachtliche Bescherung. Tita war wohl in unserer Abwesenheit spielerisch-kämpferisch aufgelegt und hat nicht nur eine Küchenrolle zerfetzt, sondern auch die frisch erworbenen 2kg Zucker erwischt. Die Kampfhandlungen müssen sehr heftig gewesen sein und haben sich von der Pantry (inklusive Kühlschrank, das ist der einzige Nachteil, wenn er sich von oben öffnen lässt) über den Salon mit Tisch, Polsterbänken und Boden bis hin in die Achterkabine und über das gesamte Bett hin gezogen. Alles darauf oder in den Schapps darunter sowie bis in die Vorratsbilgen ist voller Zucker. Viel gründlicher hätte man ihn nicht verteilen können. So steht erstmal eine Grobsäuberung an, damit es nicht mehr bei jedem Schritt knirscht. Lisa ist auβer sich und der Verzweiflung nahe, aber Morgen wird das schon wieder besser aussehen und der Unmut auf Tita wieder verraucht sein.
Dienstag wollten wir eigentlich auslaufen, nun ist es Freitag, unsere Wassertanks ziemlich leer und wirklich Zeit, uns vom Acker zu machen. Über Nacht ist der Wind wohl überdrüssig geworden, weiter mit 20-25 Knoten zu blasen und so dümpeln wir mittlerweile in einer Flaute. Aber kaum wird das Dingi bestiegen, hat er sich’s anders überlegt, bläst wieder wie gewohnt und eine kleine Welle baut sich auf, die ja ach so gern mit ins Schlaucherl klettert oder zumindest hineinspritzt. Mit Eric geht es zum Ausklarieren, im Schlepptau eine Französin, die neu angekommen ist und sich von uns den Weg zeigen lässt. Internetcafe ist noch geschlossen, so nehmen wir den Taxibus und fahren nach Espargos zum Hauptplatz für WiFi-Anschluβ. Der entpuppt sich aber als Fehlanzeige, das Signal ist gut, aber die Internetverbindung nicht vorhanden. Der Router müsste wohl gebootet werden – wenn man nur wüsste, bei wem der steht! Wir wandern von Cafe zu Cafe, aber kein WiFi. Wir finden einen Internetladen, aber für eigene Laptops wieder Fehlanzeige. Nach einer Stunde vergeblichen Mühens geht’s eben wieder zurück nach Palmeira, inzwischen hat auch das Internetcafe dort offen, wenn es auch etwas teurer ist. Rund zwei Stunden und einen Hamburger (als verspätetes Frühstück) später treffen wir Carlos und Elisabeth, um uns von Ihnen zu verabschieden. Bei den Beiden sind auch gerade 3 neue Crewmitglieder für die „Alex“ anwesend, denen Carlos eine Übernachtungsmöglichkeit vermittelt hat bis zum Einschiffen. Abschiede sind immer schwer, wen man sich gut versteht, ein Stückchen Seele bleibt dabei immer hängen. Danach noch schell Einkaufen, Brötchen für Bomika und ein kleiner Groβeinkauf für Eric, bei dem ihm glatt das Geld ausgeht. Da ich mittlerweile helfe, den Jeep der Fischereigenossenschaft anzuschieben, muss er bzw. die Kassiererin etwas warten, bevor ich ihm aushelfen kann. Aber schon bald soll er Gelegenheit haben, sich zu revanchieren. Endlich kommen wir zurück auf unsere Schiffe und haben ja doch noch einiges zu erledigen, um klar zum Auslaufen zu sein. Das Dingi wird geputzt, der Auβenborder demontiert und dann kommt die Französin vorbei, sie brauchen ein paar Alu oder Inox Nieten, da ihnen der Topbeschlag des Vorsegels am Mast gebrochen ist. Ich kann mit den noch fehlenden Nieten aushelfen und schon bald ist sie zurück, da ihre Nietzange solche Kaliber von 6mm nicht verarbeiten kann. Ich habe eine, die kann und bekomme selbige auch prompt zurück. Die Franzosen laufen nach erfolgter Reparatur aus, wir holen derweil gerade das Dingi an Deck, befreien die Segel von den Abdeckkleidern, verstauen alles rutschsicher. Kurz vor 1700 Uhr ist es dann soweit, Anker auf! Das ganze Boot ist rot gezuckert vom feinen Sandstaub, aber die Reinigung muss warten, würde hier sowieso nicht viel nutzen, da schon einige Stunden reichen, um den verstaubten Zustand wiederherzustellen.
Wir motoren ein Stück, werfen den Wassermacher an und setzen dann den Blister, unsere rote Blase mit 105qm. Kaum haben wir die ersten 5sm zurückgelegt, erreicht und ein Pan-Pan Ruf über UKW-Funk von der SY Maria, die Maschinenschaden haben und Hilfe benötigen, um in die Hafenbucht von Palmeira geschleppt zu werden. Ich versuche auf verschiedenen Arbeitskanälen eine Yacht in Palmeira zu erreichen sowie Carlos auf Kanal 6, habe aber kein Glück. Wir nehmen Kontakt auf mit „Maria“, die wollen es weiter probieren und auch versuchen, den Kontakt zu dem Motorboot „Manta I“ wieder herzustellen. Schlimmstenfalls müssen sie unter Segeln in die Hafenbucht aufkreuzen um zu Ankern und ich informiere sie, dass etliche Yachten in den letzten 2 Tagen abgereist sind und somit genug Platz für solche Manöver ist. Später konnten wir mitverfolgen, dass „Manta I“ sich wieder gemeldet hat und das Abschleppen wohl klappen wird.
Für uns geht es gut und zügig dahin, nur die hohe Atlantikdünung aus NW erwischt uns genau von der Breitseite und lässt uns heftig rollen. Genau das richtige, um an meine Pflicht als sozialer Mensch erinnert zu werden und die Fische endlich zu füttern. Vielleicht hätte ich doch rechtzeitig eine Pille einschmeißen sollen? Aber dann hätte der eine oder andere Fisch bestimmt darben müssen. Nach Mitternacht lässt der Wind immer weiter nach, der Blister flappt immer öfter und verliert seine Antriebskraft, fällt zusammen und bandelt schlieβlich in heftiger Liebesumarmung mit der aufgerollten Genua an. Wir müssen den Motor anschmeiβen und eine ganze Stunde Zickzack fahren, um solche Tändelei zu unterbinden und die innige Umarmung zu lösen. Damit er besser steht und um Wiederholungstäterei vorzubeugen, riggen wir den Spibaum. Doch helfen tut das wenig. Mangels würdiger Partnerin umarmt er sich selbst und dreht Achter um die eigene Achse, die auch nach vielen Versuchen nicht zu entwirren sind. Also runter mit dem Tuch und erstmal eine Weile motoren, dafür kann derweil der Wassermacher brav seinen Dienst antreten, solange die Maschine für ausreichenden elädrischen Saft sorgt. Während der ganzen Eskapaden des Blisters tauchen auch noch Delphine auf, was bei dunkler Nacht durch das fluoreszierende Plankton immer ein besonderes Schauspiel ist. So ziehen die Delphine einen kometenhaften, funkelnden Schweif wie einen Sternenregen hinter sich her und lenken von unserer Arbeit an bzw. mit dem Segel ab. Erst am frühen Morgen erwacht auch der Wind wieder und so darf unser roter Teppich auch wieder vor uns herfliegen. Es geht wieder gut voran, zumindest für ein paar wenige Stunden. Dann hat der Wind schon wieder Ermüdungserscheinungen, die Fahrt reduziert sich bis auf 1Knoten und der Blister schleift sich immer öfter im Wasser. Knapp 5sm vor dem Ziel bleibt nichts anderes, als das Tuch wieder zu bergen und den Motor anzukurbeln. Dafür tauchen wieder Delphine auf und begleiten uns ein Stück, wie um uns den Weg nach Tarafal zu zeigen. Die „Tofua“ liegt bereits dort vor Anker und wir gesellen uns dazu, beginnen mit der „Staubwedelarbeit“ (nur in diesem Fall mit Wasser und Schwamm), machen das Dingi einsatzbereit und gehen eine Runde schwimmen. Kleine Kinder schwimmen vom Strand zur Tofua, später auch zu uns, hechten ins Beiboot und lassen sich von „Käpt’n Ulli“ wieder an Land bringen. Beim zweiten Mal waren Ulli und Hilde gerade bei uns an Bord, um mit uns, Moni und Eric an Land zu fahren für einen gemeinsamen Restaurantbesuch. Im Ort sind wir noch gar nicht weit gegangen, als wir auf einen Einheimischen treffen, der etwas Englisch spricht und mit dem Hilde und Ulli schon vorab gesprochen haben wegen eines Inselausflugs. Er empfiehlt uns auch ein gutes Restaurant und kommt gleich mit. Das seine Empfehlung auch gleich seine Verköstigung mit Speis und Trank beinhaltet, befremdet uns alle etwas, aber letztendlich haben wir kein extra Menü bestellt und die Speisen sind so reichlich, dass wir gar nicht alles geschafft hätten. So gesehen also kein Problem und wir werden nun immer eine hilfreiche Hand zur Stelle haben. Etwas gewöhnungsbedürftig waren höchstens die kleinen, harmlosen Krabbeltierchen, die mit Vorliebe im Slalom über die weiβe Tischdecke gelaufen sind. Die bordeauxrot eingedeckten Tische schienen davon verschont zu bleiben, oder man hat auf der dunkleren Fläche die Käferchen nur nicht so gut gesehen. Als wir endlich an Bord sind, ist es doch viel später als geplant und wir freuen uns, endlich den verdienten Schlaf der letzten Nacht nachholen zu können. Für Morgen haben wir bereits eine Einladung zum Grillen auf der „Aroha“ mit einer groβen Makrele, gestiftet von Ulli und Steaks, die Eric und Moni noch auf Sal eingekauft haben. Montag soll dann unsere Inselrundfahrt stattfinden. Kaum angekommen und schon wieder volles Programm – wie soll man da ein bisschen Ruhe finden?
Am Sonntag ist erstmal Pflege angesagt – natürlich die vom Schiff. Hinauf in den Mast, bewaffnet mit Eimer und Schwamm, und Toplaterne, Geber, Antenne, Mast, Wanten etc. vom roten Saharastaub befreien. Obwohl wir recht ruhig liegen, schaukelt es doch genug um das Festhalten einfach zu gestalten. Man will ja nicht wie Tarzan an der Liane um den Mast herum schwingen. Lisa schwappt derweil Wasser übers Deck, damit auch dort die ursprüngliche weiβe Farbe wieder hervorblitzen kann. So geht der halbe Tag vorbei, die andere Hälfte ist Ruhe angesagt, denn die angeknacksten Rippen schmerzen durch die Kletterübungen einfach zu stark, um viel zu Stande zu bringen. Dafür kommen drei braune Kinder zur Bomika geschwommen, setzen sich in unser Schlauchboot, fragen nach Angel, Haken und Bonbons, die wir diesmal verneinen. Sie wollen auch gern an Land gefahren werden, aber auch das verneinen wir, da sie sich gerne einen Sport daraus machen, zum Schiff zu schwimmen um dann Schlauchboot bzw. „Motorboot“ fahren zu dürfen. Ulli hatte das Spielchen gestern zweimal bevor es ihm zuviel wurde, wir wollen es gar nicht erst soweit kommen lassen. Als sie anfangen, am Auβenbordmotor zu spielen, setzen wir eine böse Miene auf und reden ein ernstes Wörtchen (ihr wollt doch nicht, dass wir ärgerlich werden, oder?), das scheint zu helfen. Nach fünf Minuten springen sie ins Wasser und schwimmen von dannen. Später kommt noch Ulli vorbei, bis es Zeit wird, aufzubrechen und uns auf Aroha zum Grillfest zu treffen. Ulli stiftet eine selbst gefangene Makrele, die locker für uns 6 Leute reicht, Eric macht den Griller und Moni kredenzt die Beilagen und Getränke. Es schmeckt mal wieder vorzüglich und fallen kurz nach 2200 Uhr mit vollen Mägen in die Kojen.
Veröffentlicht in Bomika 2010
Mo – So, 04.-10.Januar 2010 (Sal, Kap Verden)
Am Montag wieder Neuigkeiten: Neptun serviert uns das Frühstück, bzw. unseren Katzen. 2 fliegende Fische liegen an Deck und werden natürlich sofort kredenzt. Feivel beäugt das Ganze eher zweifelnd, vorsichtig mit der Pfote anstubsend und mit fragendem Gesichtsausdruck „lebt der vielleicht auch noch?“, während Tita ganz aufgeregt ist, von allen Seiten den Fisch begutachtet und ihn sich schmecken lässt. Ein dritter „Fliegefisch“ an Deck ist eine Miniaturausgabe von etwa 3cm Länge und ist mit einem Happs vom Anblick der Erde verschwunden, um sich mit seinen trüben Augen Titas Magenwände von innen anzusehen. Feivel zieht sich lieber wieder zurück nach dem Motto: „was der Bauer nicht kennt, das (fr)isst er nicht“.
Solange es mit über 20Kn Wind bläst und uns eine Fahrt von mindestens 5,5 bis 6 Knoten beschert, belassen wir unsere magere Besegelung, obwohl wir eigentlich geplant hatten, die zweite Fock als Schmetterling zu setzen. Aber für eine Ankunft bei Tageslicht müsste es auch so reichen. Als die Insel im Dunst endlich auftaucht, gibt es erst etwas Verwirrung, da mehrere Hügel seitlich versetzt auftauchen, die zu weit voneinander entfernt zu sein scheinen, um zu einer Insel zu gehören. Erst als wir nur noch ein paar Seemeilen entfernt sind, wird auch die niedrige Küste sichtbar und das Bild rundet sich – alles klar, Herr Navigator! Also werden doch keine Bäckertüten benötigt, um zu sehen, auf welcher Insel man gelandet ist. Hier gibt es eh keine mit Aufdruck, bestenfalls Klarsichtbeutel, wie sich später herausstellt. „Aroha“ warnt uns schon vor, dass der Hafen bzw. die Bucht schon recht voll ist und eine Stunde später erreichen wir das Ankerfeld vor Palmeira im letzten Tageslicht, während der Wind frisch und frei wie ein Orgelspieler auf allen Flöten spielt – von 20 bis über 30 Knoten Wind ist alles dabei. Selbst im Hafen bekommt man die volle Stärke ab, da die Insel – von den paar „Bergen“ abgesehen – sehr flach ist, aber die Wellen sind weg und der Schwell halb so wild. Der Anker fällt, das Eisen beiβt sich sofort fest und wir liegen nach einer Runde durch das Ankerfeld am äuβeren Rand. Endlich Ruhe im Schiff und Schlafen!
In der Nacht laufen noch weitere Yachten ein und werfen ihre Anker, unter anderem auch „Rose“, die vor unserem Bug ankert und genau auf unserer Ankerboje zum Liegen bzw. Schwojen kommt. Hoffentlich verhängt sich die Tippleine unseres Ankers nicht in seiner Schraube, aber solange die Boje im Bereich des vorderen Drittels von „Rose“s Rumpf dümpelt, sollte das okay sein. Am Morgen des Dienstag dann erstmal Schlauchboot auspacken und aufpumpen, das Schiff aufklaren, Anker prüfen und noch mal 10m Kette rauslassen. Damit haben wir etwas über 50m Kette drauβen auf 6m Tiefe und das Einrucken an der Kette lässt nach. Dann kommt auch schon eins der „Wassertaxis“ vorbei, um mich zum Einklarieren abzuholen. Wir lesen unterwegs noch Eric auf und schon stehen wir an Land und suchen erstmal das richtige Office. Ein Polizist nimmt uns mit in sein Office, stempelt unsere Pässe und kassiert 2€ pro Boot, dann geht’s zum Büro der Hafenkomandantur. Nichts an dem Gebäude weist auf das Büro hin und ohne die Hilfe des Polizisten hätten wir es wohl trotz mehrmaligen Vorbeilaufens nicht gefunden. Das Formular zum Einklarieren wird ausgefüllt und Fragen zum woher, wohin, nächster Hafen etc. beantwortet, die Bootspapiere einbehalten bis zum Ausklarieren. Danach schlendern wir zur Hauptstraβe und durch einen Teil des Ortes nach der Suche von Internetcafe, Supermarkt, Wasserstelle, Gasstation, Bank, etc. Dabei stolpern wir über das Haus von Carlos, dem hiesigen TO-Stützpunktleiter und stellen uns schon mal vor. Er verarztet gerade noch einen Jungen aus dem Ort und nach einführenden Worten der Begrüβung und des Kennenlernens führt er uns durch den Ort, zeigt uns wo wir was am besten kriegen, worauf wir aufpassen müssen, wer die „Halunken“ bzw. verkrachten Existenzen sind und vieles mehr. Die Bank ist im nächsten Ort, Geldwechseln zu fairem Kurs geht aber auch im Bauwaren und Haushaltswarengeschäft am Ort, bezahlt kann ansonsten auch meistens in Euros werden, aber Rückgeld in Escudos und zu einem ungünstigeren Kurs. Nächste Woche soll die „Alexander von Humboldt“ hier anlegen für einen Crew-Wechsel und anschlieβenden 2-Wochen Törn in den KapVerden. Unterwegs treffen wir noch die Schweizer von der „ViennePiede“ (wie auch immer man das schreibt, frei übersetzt „Barfüssler“) und ergattern ein anderes Taxiboot zurück, nachdem sich unser „Chauffeur“ nicht mehr blicken lässt. Bis wir zurück an Bord sind, ist es Abend und mittlerweile hat Lisa schon ein paar Ängste ausgestanden, da sich die „Rose“ dessen Skipper wohl alleine unterwegs ist und auch an Land war, unserer Bomika gefährlich genähert hat. Seine Ankerleine ist wohl gerissen und die Kette ausgerauscht, dabei hat sich sein Ruder in unserer Kette verfangen. Aber es ist weiter nichts passiert und „Rose“ liegt nach einem neuen Ankermanöver wieder am alten Platz. Allerdings hat mich Carlos auch gewarnt, vorsichtshalber weiter innen im Hafen zu Ankern, denn bei schlechtem Wetter kann es sonst nicht nur ungemütlich, sondern gefährlich werden. Der Grund besteht teilweise aus Kalkplatten, auf denen jeder Anker slippt und auβerhalb der Hafenmole können sich bis zu 4m hohe Wellen aus verschiedenen Richtungen aufbauen. Die bei dem derzeit kräftigem Wind von 20-30 Knoten entstehenden Windseen am Ufer lassen erahnen, was bei stürmischem Wetter abgehen kann. Also gehen wir Anker auf, der sich aber so festgebissen hat, dass wir 3 Versuche benötigen, bis er endlich unter ächzender Ankerwinsch frei kommt. Dafür liegen wir jetzt ruhiger und benötigen etwas weniger Kette, auch weil die Boote näher zusammen liegen. Abends besuchen wir mit dem Schlaucherl noch „Aroha“ und werden dort mit Drinks und Abendessen versorgt. Auf dem Rückweg fahren wir noch bei einer Englischen Yacht vorbei, um ihnen eine Nachricht des Hafenmeisters zu überbringen, da sie wohl im Wende- bzw. Ausfahrtsbereich des Tankers liegen, der gerade an der Pier liegt und am nächsten Morgen auslaufen will.
Da wir gestern Abend das frisch gekaufte Brot der „Aroha“ vertilgt haben, selbst aber unser Brotkauf noch unberührt ist, spielen wir Brötchenlieferant, damit Moni und Eric nicht auf ihre Frühstückssemmeln verzichten müssen. Danach geht es los mit unseren Arbeiten. Kabel flicken vom UKW Handfunkgerät – das einfache zuerst. Dann Bilgen ausräumen, Backskiste ausräumen, Dieselschlauchanschlüsse vom Einfüllstutzen und Entlüftungsrohr prüfen. Anscheinend haben sich die Schlauchschellen am Einfüll- und Überlaufstutzen am Tank genug gelockert, um beim Befüllen oder in der Schaukelei nach dem Auslaufen aus San Sebastian den Überdruck dort hinauszulassen, obwohl die Schläuche eigentlich sehr fest sitzen. Die Backskiste und die dort befindlichen Anschlüsse und Schläuche sind jedenfalls alle okay und eine andere Möglichkeit sehen wir nicht. Dann geht es darum, die Bilgen vom Diesel zu befreien und wir benutzen hierfür etliche Windeln, die wir uns Gott Lob für Ölwechsel und ähnliche Arbeiten als Saugmaterial besorgt hatten. Wofür sonst sollten wir auch welche einkaufen? Nachwuchs steht nicht an und unsere Miezen tragen so was nicht. Danach gilt es auch die Kabelschächte neben den Bilgeabteilen zu säubern. Da man in diese ja nicht hineinkommt, spülen wir sie mit warmen Spüli-Wasser durch und mangels eines Schlauchanschlusses an das Druckwassersystem, der lang genug wäre, benutzen wir hierfür Eimer und eine Pumpe, die kräftigen Druck aufbaut und ihre Aufgabe hervorragend erledigt. Die Diesel-Spüli Brühe wird dann mit Schwamm und Wischtuch aufgesaugt und noch mal mit Frischwasser gereinigt. Der Wasserverbrauch für diese Reinigungsaktion konnte so auch gut kontrolliert und in Grenzen gehalten werden. Die ganzen Lebensmittel, Dosen und Flaschen, die in der Bilge gestaut waren, werden natürlich auch gründlich abgewischt, die Dosen beschriftet, da sich die dieselgetränkten Etiketten meist ablösen. Bis wir damit fertig sind, ist es allerdings stockdunkel und der Tag gelaufen.
Donnerstag ist dann das Vorschiff an der Reihe – alles ausräumen und im Salon verteilen, damit das restliche Wasser im Vorschiff rausgewischt werden kann und dann geht es an die Ursachenforschung. Wie vermutet, liegt es am Bugbeschlag, an dem das Wasserstag angebracht ist. Zwei zusätzlich angebrachte Schrauben waren nicht 100%ig fest gezogen und haben den Beschlag leicht nach auβen gewölbt, durch die Spannungen auf dem Beschlag und den Schrauben haben diese sicher gearbeitet und genug Raum für den Wassereinlass geboten. Also erstmal mit Süβwasser – soweit möglich – spülen und austrocknen lassen. Die Hauptarbeit werden wir auf Sonntag und Montag verschieben. Dafür geht es am Nachmittag zu einem Landausflug. Wir holen Moni und Eric von der „Aroha“ ab, reden zwischendurch noch kurz mit den Holländern von der „Blauer Pinguin“ und mit Hilde und Ulli von der „Tofua“, die wir ja von Gomera schon kennen. Wir planen einen Gemeinsamen Inselausflug, für den wir 8-10 Leute zusammenbringen sollten.
Auch wenn hier jeden Tag ein anderer Küstenfrachter oder Tanker anlegt und fleiβig an der Verlängerung der Mole gearbeitet wird, ist Palmeira doch ein eher verschlafenes kleines Dorf, sehr ärmlich aber auch sehr sauber. Die Leute sind hauptsächlich von schwarzer Hautfarbe und die afrikanische Herkunft ist offensichtlich. Erst ab 1700 Uhr wird es richtig lebendig im Ort, Kinder spielen auf der Straβe und am Spielplatz, Frauen erledigen ihre Einkäufe und tragen die lasten in groβen Körben auf dem Kopf, Männer sitzen zusammen oder gehen im langsamen Rhythmus der südlichen Länder und mit stoischer Gemütlichkeit ihren Beschäftigungen nach. Zeit ist ja leider oft das Einzige, was die Leute besitzen.
Unser Weg durch den Ort führt uns zum Baugeschäft, wo wir noch diverse Werkzeuge wie Bohrer, Schlauchschellen, Elektrotape besorgen, dann schauen wir bei Carlos und Elisabeth vorbei. Lisa ist von der herzlich-schnoddrigen Art, wie die Beiden miteinander umgehen, ihren Geschichten und Erläuterungen und dem Erzählstil von Carlos (Karl-Heinz) begeistert. Nachdem er auch die Erste Hilfe Station in Palmeira führt, lassen wir ihm ein paar Schachteln Pflaster da. Als auch noch Johann mit seiner Brasilianischen Frau Rosi – unterwegs mit einem Trimaran – vorbei kommt, brechen wir alle auf zum Stammtisch des Seglertreffs. Unterwegs machen wir vier einen Umweg zum Minimarket und zum Internetcafe, bevor wir dann wieder mit allen in der Bar zusammentreffen. Hilde und Ulli von der „Tofua“, die Holländer Ben, Annemie und Peter sowie die zahlreiche Crew der „Mollymawk“ sind schon vertreten und in Gespräche vertieft. Die geplante Inselrundfahrt wird bei der Gelegenheit gleich fix gemacht, Carlos wird sich um den Wagen und die Reservierung fürs Mittagessen kümmern. Es wird ein sehr gemütlicher und geselliger Abend, Rosi bringt noch selbst gemachte Fischfrikadellen vorbei, die aussehen wie frittierte Fingernudeln und hervorragend schmecken. Irgendwie kommt das Gespräch mit Elisabeth und Hilde auf Sauerbraten und meine Augen sind dabei wohl zu groβ und seelig-träumerisch geworden, jedenfalls schlägt Elisabeth plötzlich vor, am Montag Abend Sauerbraten zu machen. Dabei werden auch gleich alle anderen, die die Inseltour mitmachen, zuzüglich Johann und Rosi eingeladen. Je später es wird, desto mehr meldet sich der Magen und nachdem die Holländer sich um die Ecke Hamburger besorgt haben, verabschieden wir uns und machen ihnen das nach. Der Hunger ist damit zwar nicht ganz gestillt, aber doch erstmal ausreichend gemildert. Während wir auf die Hamburger warten und dann auch gleich hinunterschlingen, kommt Carlos mit einer weiteren Hamburgerbestellung vorbei. Allerdings sind die Brötchen wegen der groβen nachfrage ausgegangen. Obwohl es schon fast 2200Uhr ist, bekommt Carlos in der Bäckerei noch ein paar Semmeln und damit seine Hamburger. Die nächsten Segler, die noch nachbestellen wollen, haben allerdings Pech, da nun auch das Fleisch ausgegangen ist. Auf so groβen Ansturm an einem Tag ist hier eben niemand vorbereitet. Wir machen uns auf den Rückweg mit dem Dingi, liefern Moni und Eric an ihrem Schiff ab und stopfen uns noch belegte Brötchen in den Mund bevor es endlich ins Bett geht.
Am Freitag werden ein paar Kleinigkeiten an Bord erledigt, der Tag schreitet dabei trotzdem schnell voran. Bevor wir uns umschauen, ist es Zeit mit dem Schlaucherl zur Aroha zu hüpfen und dann mit Moni und Eric anzulanden. Wir besuchen kurz den Baustoffhandel zum Geldwechseln und nehmen dann einen Taxibus für umgerechnet 45Cent pro Person in die nächste Stadt Espargos, um uns dort mal umzusehen. Die „Stadt“ ist gröβer als Palmeira, die Autos sind vielzählig und die Fahrer schneller unterwegs, aber es ist auch lauter, die Athmosphäre etwas unpersönlicher und die Straβen nicht so sauber. Die Supermärkte, oder was man hier als solche bezeichnet (also alles eher Tante Emma Läden), sind zwar etwas vielseitiger bestückt, aber auch teurer und was wir brauchen könnten bekommen wir auch in Palmeira, nur bis zu 30% billiger. In einer Bar nutzen wir kostenloses Wifi – bis dass der Batteriestrom uns scheidet – und ärgern uns einmal mehr, weil seit dem „Bluescreen“ (Computertalfahrt auf dem kürzesten Weg in den Alpen) von heute Vormittag funktioniert das Email Programm nicht mehr und ein paar Dateien sind verloren gegangen. Das kostet wertvolle Zeit und so kann nicht alles erledigt werden. Dafür sind die Kinder hier noch richtig begeisterungsfähig. Selbst als beginnende Teens sind sie noch von Seifenblasen begeistert und versuchen die herumfliegenden Seifenblasen zu fangen, während andere in diesem Alter an einem Minilaptop ihre IT Kenntnisse auskundschaften und im Internet surfen. Letztere sind aber eindeutig von betuchterer Abstammung und sicher nicht maβgeblich für die meist ärmliche Allgemeinheit. Wir wandern noch durch Espargos, sind aber wenig begeistert und kehren abends wieder zurück nach Palmeira. Dort besuchen wir auf einen (oder zwei) Hamburger das Internet Cafe und Eric geht als erster ins Netz. Als seine langen 15 Minuten, also fast 1 Stunde, zwei Wein und zwei Hamburger später) endlich vorbei sind, bin ich an der Reihe. Aber kaum ist der PC hochgefahren, gibt’s einen Schnalzer und das Dorf ist ohne Strom. Also auch kein Internet und kein Batterieladen des Schlepptops. Bei Dunkelheit kehren wir an Bord zurück und verschieben eben die weiteren PC-Arbeiten. Kaum haben wir im Hafen das Dingi wieder im Wasser, ist auch der Strom wieder zurück. Dabei war es im Dorf mit spärlicher Kerzenbeleuchtung eigentlich ganz romantisch!
Am nächsten Morgen sind wir um 0830 Uhr bereits gewaschen und kamped mit dem Schlaucherl unterwegs, um die Crew der „Blauer Pinguin“ – Ben, Amelie und Peter – abzuholen. Ulli und Hilde holen Moni und Eric ab und zusammen landen wir an und treffen uns bei Carlos’ Haus. Es dauert nicht lange, dann ist auch unser Fahrer mit dem Minibus da, bekommt von Carlos noch seine Instruktionen und die Fahrt kann losgehen. Über Sand und Geröllpisten fahren wir die Westküste nordwärts entlang zu einem Fjord-ähnlichen Einschnitt, in den di Meereswogen hineinbranden und wild aufstoben. Am ende des Einschnitts läuft das Wasser in eine Höhle. In den ruhigen Sommermonaten ist das Meer ruhig und der Fjord wird zum Baden genutzt, in den Wintermonaten wäre das jedoch halsbrecherisch. Danach geht es 4km weiter nach Buracona an der Nordwestecke von Sal. Hier ist ein ähnlicher Felseinschnitt, aber noch imposanter. Bei stürmischem Wetter oder bei Springflut werden selbst die mindestens 20m hohen Felswände überspült, vereinzelte Wasserbecken ganz oben in den Felsen zeugen auch jetzt davon. Gleich daneben gibt es eine Höhle, die etwa in 10m Tiefe im Meer mündet und unter den Felsen verläuft. Der Domstein der unterirdischen Felsgrotte ist jedoch eingebrochen und man kann dort hinunter sehen. Im Sommer scheint zur Mittagszeit die Sonne genau hinein und lässt das Wasser türkis schimmern, deshalb nennt man die Grotte das „Blaue Auge“. Um diese Jahreszeit jedoch erreicht die Sonne nicht den Grund sondern hinterlässt ihren Lichtkegel an der Felswand, der auf den Fotos auch noch die Schatten der umstehenden (und des Fotografen) auf die Felswand projiziert. Durch die Helligkeit der Sonnenspiegelung scheint es sich um einen Felsausschnitt zu handeln und liefert eine nette optische Täuschung. Auf der Weiterfahrt kommen wir nicht nur an verstaubten Maisfeldern vorbei, sondern erleben auch eine Fata Morgana, die einen See vorspiegelt, wo es nur staubige Wüste gibt. Die Staubfahnen, die immer wieder übers Land wehen, kann man dafür auch aus weiterer Entfernung umso besser sehen. Unser nächstes Fahrtziel ist Espargos für eine kurze Pause und einen Drink. Von der Anhöhe mit dem Funkturm für den Flugplatz, der mit seinen Lautsprechern, oberen Rundgängen und der Fuβballartigen Kuppel fast an ein Minarett im ultramodernen Baustiel erinnert, haben wir einen guten Ausblick auf Espargos und die Insel Sal. Für eine Zeitlang kommen wir ohne Schotterpisten voran – das Steiβbein bedankt sich – bis wir an der alten Saline ankommen. Die Saline liegt in einem Vulkankrater und liefert das Salz nur noch für den örtlichen Gebrauch. Heute führt ein Tunnel durch die Kraterwand, um Touristen gegen ein teures Entgelt den Zugang zu ermöglichen, inklusive Bademöglichkeit im Salzsee. Der Krater verfügt über einen Meereszugang und früher wurde das gewonnene Salz mit einer Seilbahn über den Kraterrand befördert. Die Seilbahn ist allerdings seit 26 Jahren nicht mehr in Betrieb und die Bodenstation, eine groβe Holzkonstruktion mit Loren zum weiterbefördern, erliegt zusehends dem Verfall. In der nähe der Bodenstation ist auch ein kleiner Hafen, der heute nur noch von ein paar Fischern genutzt wird. Da Segler bekanntermaβen meist wenig monetäre Mittel zur Verfügung haben, sparen wir uns das Eintrittsgeld und werden auf den Krater gefahren, um von dort einen Blick, oder auch zwei, auf die Saline und die Anlage zu werfen. Die ganze Anlage, die von einem Italiener aufgekauft und bewirtschaftet wurde (daher auch die Europäischen Eintrittspreise), liegt ziemlich abgelegen in einer trostlosen Gegend, in der man kein grün sieht, nicht mal einen vereinzelten Baum, nur die Häuser der Arbeiter und ein paar Bewohner der alten Arbeitersiedlung. In selbiger befindet sich auch die „Bar Pylone“, in der wir zum Fischessen verabredet sind. Der Ehemann der Gastfrau war Fischer und die Frau nutzt diese Verbindung noch, um guten fangfrischen Fisch zu bekommen, was ihr bei entsprechender Voranmeldung auch gelingt. Sie tischt fleiβig auf, Reis, hausgemachte Pommes Frites, Salat, Fischsuppe und jede Menge Grillfisch. Eric hat heute ja auch noch Geburtstag und so stoβen wir alle auf ihn an und schieben ihm unsere leeren Bierfläschchen zu (mit Flaschen haben diese 0,2l Zwerge, gemessen an Bayerischen Standard, ja nichts zu tun). Mit vollem Magen machen wir noch einen Zwischenstopp bei der Sozialstation und Hilde liefert zwei Kartons mit Vitamin und Calcium Tabletten ab, dann geht es auf den Rückweg. Wir kaufen noch kurz ein paar Sachen im Supermarkt ein und erleben im Hafen eine kleine Überraschung: Unser schlaucherl ist „umgeparkt“ worden, die Paddel fehlen, und es ist nicht nur total verdreckt, sondern auch innen voller Fischschuppen, die sich in sämtlichen Ritzen festgesetzt haben. Die Riemen bekommen wir gleich wieder, Grillo hat ja auf das Dingi aufgepasst, um einen Eure kassieren zu können und hat sie deshalb kurzerhand mit nach Hause genommen, damit sie nicht gestohlen werden können. Nach einer ersten Reinigung schieben wir unser Dingi ins Wasser und dampfen ab zu unseren Booten. Später am Abend holen wir uns wie verabredet Moni und Eric noch mal an Bord für einen Umtrunk zu Eric’s 36sten Geburtstag, Lisa hat dazu eine Tara-Tura Variation und in verschiedenen Soβen eingelegten Ziegenkäse vorbereitet. Obwohl wir die Beiden schon um 2230 Uhr wieder auf ihre Aroha zurück verfrachten, wird es doch ein später Abend bis wir endlich ins Bett kommen.
Sonntag morgen kommt der Hafenlotse zu uns und bittet uns, das Schiff etwas weiter nach vorne zu verlegen, da ansonsten der Rangierraum für den Tanker, der in 10 Minuten auslaufen will, knapp werden könnte. Also starten wir den Motor und verholen uns ein paar Meter, kurz darauf gibt’s aber Entwarnung, der Tanker kommt gut vorbei und aus dem Hafenbecken. Den Vormittag vertrödeln wir ausnahmsweise, da wir uns Beide kaum zu etwas aufraffen können. Aber es hilft ja nichts, Arbeit erledigt sich halt immer noch nicht von selbst. Also raus mit Schraubenschlüsseln, Ratsche, Zange, Bohrmaschine und Co. Das erste Problem ist schon mal, das Dingi am Bug so zu vertäuen, dass es einigermaβen am Platz bleibt, um am Bugbeschlag zu arbeiten. Als dann die Schraube, die uns den Wassereinlauf beschert hat, endlich gelöst ist und die Kontermutter samt Beilagscheibe und Schraubenschlüssel in den Tiefen des Bugs verschwindet, ist das nächste Problem den Edelstahlbeschlag aufzubohren für eine stärkere Schraube. Zum einen drückt dabei die Ankerwinsch auf den Brustkorb, zum anderen fangen die Handgelenke durch die Conterganhaltung beim Ansetzen der Bohrmaschine im engen Ankerkasten unterhalb der Ankerwinsch schnell zu schmerzen und zu protestieren an. Hilft ihnen aber nix! Als die Bohrer heiβ laufen, die Gegenplatte aus 5mm Edelstahl auch einen Hitzekoller kriegt, ist das Loch trotzdem noch nicht durch. Also abbrechen und morgen weiter machen. Die Sonne geht eh schon fast unter und es wird Zeit für eine Dusche am Heck. Der kräftige Wind fühlt sich kalt an, aber wenigstens ist das Wasser noch etwas warm, da zum Bohren der Motor zwecks Stromnachschub mitlief und dabei den Boiler mitheizte. Dann ist es auch schon soweit die Crew der Aroha wieder mal abzuholen. Für heute hatte Lisa ja versprochen, die Beiden zu bekochen. Nachdem Moni kein scharf gewürztes Essen verträgt, sollte Eric darauf nicht verzichten müssen und Lisa tut Moni’s Anteil auf die Seite, bevor die Gewürze für Feueralarm sorgen können. Als auch der Nachtisch, den Moni vorbereitet und mitgebracht hat, vertilgt ist – naja, nicht ganz. Nach der Hälfte schreien unsere Mägen: wegen Überfüllung geschlossen! – kommt Grillo (der Wassertaxifahrer) mit einem Freund vorbei. Sie machen kurzerhand bei uns längsseits fest und kommen an Bord, bedanken sich überschwänglich und voller Freude, fragen wie’s geht. Das Kauderwelsch aus Portugiesisch, KapVerdianisch und Englisch ist schwer verständlich, aber mit einigen Wiederholungen, die sich nach Alkoholgenuss ja gerne schon recht frühzeitig einstellen (vor allem wenn man nicht viel verträgt, wie die meisten Einheimischen), geht es schon. Sie schnorren eine Zigarette und fragen nach Bier, wir bewirten sie mit Saft und Wasser, das genauso ihre Zustimmung findet. Nach ein bisschen langatmigem Geschwafel brechen sie auch wieder auf, alle sind glücklich und zufrieden (Grillo und sein Freund, dass sie nicht abgewiesen wurden, wir dass die Beiden wieder von Bord sind). Moni und Eric sind inzwischen müde und eine halbe Stunde später chauffieren wir die Beiden zurück zur Aroha. Lisa räumt noch auf, macht den Abwasch, ich erledige derweil PC-Arbeiten und darf mich ärgern. Das Email Programm löscht einfach geschriebene Emails anstatt sie zu speichern, löscht die gespeicherte Server-Verbindungsdaten und ähnliche Spielchen. Dann sind wir Beide froh, auch in die Falle zu gehen und uns auszustrecken.
Veröffentlicht in Bomika 2010, Kap Verden
Fr – So, 01.-03.Januar 2010 (unterwegs Gomera – Sal)
Das neue Jahr als auch das neue Jahrzehnt fängt schon mal gut an. Die Übelkeit wird langsam weniger, man gewöhnt sich wieder etwas an die Bordroutine und die Schiffsbewegungen, zum Sonnenaufgang begleiten uns wieder Delphine, der Himmel reiβt auf und zeigt wieder mal richtig blau und es wird merklich wärmer. Jedes Grad näher am Äquator zählt und macht was aus. Wir erinnern uns an das letzte Neujahr, als wir von Rhodos nach Israel gestartet sind, vergleichen die Bedingungen zwischen Mittelmeer und Atlantik und freuen uns, mal wieder unterwegs zu sein zu neuen Zielen!
Nur das Wasser im Vorschiff, das sich täglich dort sammelt, trübt die Freude etwas. Täglich kommen zwischen 20 und 25 Litern zusammen, die wir brav ausschöpfen. Nichts Weltbewegendes oder Gefährliches, aber anscheinend ist der untere Bugbeschlag des Bugspriets nicht ganz dicht und verlangt Nachbearbeitung. Wir werden uns das am Ankerplatz mal in Ruhe vom Schlauchboot aus ansehen und dann austüfteln, wie man das Problem in den Griff bekommen kann.
Der Wind wird immer weniger und die Fahrt langsamer. Allerdings ziehen wir Aroha immer weiter davon, unser Abstand vergröβert sich zusehends. Nachdem der Wind heute am Samstag doch eher etwas flau ist, werden wir erst noch mal die Segel schön in der strahlenden Sonne trocknen lassen (die Nacht war extrem feucht und alles tropft, bis es von der Sonne wieder getrocknet ist) und dann die Segel bergen und ein Stück zurück motoren, der Aroha Crew entgegen. Zumindest mal für ein Stündchen oder so, und dann mal schauen, wie weit die Distanz geschrumpft ist. Aus dem Stündchen werden eher 2, denn Bergen und Aufklaren des Groβsegels sowie die Vorbereitungen zum Setzen des Blisters dauert auch seine Zeit. Dann drehen wir wieder um, gehen auf Kurs und setzen den Blister, mit dem wir bei leichtem bis moderatem Wind weiter unserem Ziel Sal entgegen rauschen. Die noch verbleibenden 270sm sollten wir in 2 Tagen ja schaffen, wenn der Wind uns nicht ganz hängen lässt. Bei den momentanen 5 Knoten Wind fällt es auch dem Blister schwer, trotz des leichten Tuches die Backen voll zu kriegen. Aber erst am Abend frischt es etwas auf, das Fahrtwasser rauscht wieder und Aroha schafft es in Sichtweite zu kommen.
Der Sonntag begrüβt uns mit Schwärmen von fliegenden Fischen, die sich aus dem Wasser katapultieren und dann über weite Strecken etwa 50cm über der Wasseroberfläche dahinfliegen – teils als Einzelkämpfer, teils im Formationsflug. Ihre Flügel sind jeweils fast so lang wie der Körper und schlagen ziemlich schnell, es erinnert fast an Kolibris, nur nicht so klein und zartgliedrig, oder vielleicht doch eher an überdimensionierte Bienen?. Bald darauf fliegt auch eine Seeschwalbe vorbei mit dem Wind im Rücken. Dadurch plustert sich das Gefieder noch etwas mehr auf und der kleine Vogel erinnert wie die Hummeln an fliegende Teddy-Bären, so flauschig kuschelig sieht er aus.
Mittags frischt der Wind auf satte 5Bft. auf und bevor die Böen mit 6Bft. zur Regel werden, bergen wir nachmittags den Blister (was mir Dank Ungeübtheit – oder Blödheit – ein paar Brandblasen an den Fingern verschafft) und setzen stattdessen die Genua. Kaum ist die selbige oben, rutscht sie elegant an der Vorsegelschiene entlang und aus selbiger hinaus, der Schwerkraft folgend, nicht etwa an Deck sondern auch gleich überbord. Gott sei Dank hängt sie noch am vorderen Zipfel fest, denn so schnell wie die Genua sich verabschiedet, können wir gar nicht reagieren. Schnell aufs Vorschiff und das teure Tuch wieder an Deck geholt. Nach einer Stärkung zu Mittag geht es mit Lifebelt in den Masttopp, um den oberen Genuabeschlag herunterzuziehen. Dann wird sich auch zeigen, ob er gebrochen ist oder sich „nur“ geöffnet hat. Letzteres stellt sich als richtig heraus, anscheinend ist eine Leine oder der Bergeschlauchkorb des Blisters am Schnappschäkel für den Kopf der Genua hängen geblieben und hat diesen geöffnet. Das hat sich dann erst ausgewirkt, als die Genua wieder ausgerollt wurde. Die Aussicht aus dem Masttopp war schon toll, allerdings schwankt es dort oben doch erheblich und das Schiff legt sich durch das zusätzliche Toppgewicht gleich noch mehr über. Bootsschwankungen von bis zu 40º in jede Richtung wirken sich eben in gut 17m Höhe doch erheblich aus und wir sind beide froh, als ich wieder an Deck stehe. Danach kann die Genua wieder in die Schiene eingefädelt und hochgezogen werden. Noch ausbaumen, da wir ja vor dem Wind segeln und sonst das Vorsegel nur wild hin- und herschlägt, fertig. Lisa bäckt noch Brot, natürlich ist genau in diesem Moment die Gasflasche leer, aber das Auswechseln ist kein groβer Akt. Was für ein Sonntag!
Der Wind bleibt kräftig, nimmt nur in der Nacht hin und wieder etwas ab, um dann doch wieder gut zu blasen. Nur unter der Genua geht es recht gut voran, 5 bis 6 Knoten reichen uns, dafür ist ggf. schnell gerefft, gewendet oder was sonst für Überraschungen in der Nacht passieren können. Natürlich passiert nichts, auβer, dass uns Aroha doch noch überholt. Gegen Mitternacht sind es noch etwa 100sm bis zum Ziel.
Veröffentlicht in Bomika 2010, Kap Verden
Mo – Do, 28.-31.Dezember 2009 (unterwegs Gomera – Sal)
Am Montag noch Motorcheck und Öl nachfüllen, Wäsche waschen, letzte Emails beantworten, und was einem sonst noch so in letzter Minute einfällt. Kevin und Marian von der Jilliana verabschieden sich und laufen nach Teneriffa aus, um dort den Jahreswechsel zu feiern. Helga kommt kurz zu Besuch und versorgt uns noch mit frischer Molke, Ziegenkäse und Essigessenz. Der Vorfilter der Entsalzungsanlage wird auch noch mal ausgebaut und gereinigt, das hätten wir fast vergessen. Am Abend gibt’s zum Abschied noch ein groβes TO-Treffen in der „Muelle“, immer mehr Tische werden zusammengerückt und weitere Stühle geholt, bis fast das ganze Cafe von uns besetzt ist. So viele waren noch nie auf einmal dabei und wenigstens 4 Yachten wollen morgen die Leinen loswerfen. Mit Moni und Eric gönnen wir uns eine letzte Pizza bzw. Huhn in Knoblauch im „La Taska“, und trotz des späten Abends werden noch die letzten Hinweise per email weiter gegeben und auch die Bootsversicherung auf gültige Fahrtgebiete geprüft. Siehe da, die KapVerden sind nicht mehr enthalten, das Fahrtgebiet geht nur bis 20º Nord, also schnell noch ein Schreiben wegen der Fahrtgebietserweiterung an die Versicherung sowie bei der Gelegenheit auch wegen der Versicherungssumme hinsichtlich der Umbauten am Rigg und der Funkanlage. Um 0100 Uhr sind wir endlich reif fürs Bett, mal sehen, ob sich der Schlaf auch bald einstellt oder das Sandmännchen zu aufgeregt ist ob des morgigen Tages. Tita, deren Lieblingsspielzeug das ehemalige rosa Halsband von Charlene ist, hat ihre soziale Ader beim Spielen entdeckt. Üblicherweise wirft sie das Halsband in die Luft, jagt ihm hinterher, versteckt es in Falten von und unter Decken, Tüchern und was sich so findet, die sie dann mit strampelnden Beinen so verwurstelt, dass es ein groβes Knäuel wird. So wird dann auch die Suche nach dem Halsband wieder interessant. Nunmehr bringt sie das Halsband ins Bett und legt es neben Lisa ab, damit Lisa es wirft und Tita hinterher jagen kann. Das Spielchen geht ein paar Mal so mit apportieren, dann bleibt das Halsband liegen und Tita schaut Lisa aus nächster Nähe in die Augen, maunzt wohl an der richtigen Stelle, bis Lisa aufsteht und das Halsband einmal selbst holt. Tita wollte anscheinend nur testen, ob Lisa auch apportieren kann – dann geht das Spiel wie gehabt weiter bis Lisa das Licht löscht.
Am Dienstag wird im Marina Büro um die Rechnung bezahlt und die Carpe (Ausklarierungsdokument) erstellt. Wäscheleine und Stromverbindung einsammeln und verräumen, allerneuesten Wetterbericht vom Internet herunterladen, dann kann auch diese Verbindung gekappt und die Antenne abgebaut werden, letzte herumstehende Sachen aufräumen und die Leinen zum Ablegen klarieren. An der Tankstelle, die ja um 1300 Uhr zumacht, herrscht reger Betrieb, aber kurz vor Schlieβung ist endlich frei, wir verlegen uns zur Tankstelle und machen voll. Andi kommt zum Verabschieden und leistet uns noch Gesellschaft bis „Aroha“ auch soweit ist – geplant was ja der gemeinsame Start. Aber nachdem wir noch mal nachfragen, dauert es bei den Beiden doch länger und wir fahren schon mal voraus. Unter Gehupe und Getöse mit viel Winken legen wir ab und Verlassen den Hafen, der uns länger als geplant festgehalten hat, aber eben auch ein Stück ans Herz gewachsen ist.
Die erste Stunde mit wenig Wind läuft noch der Motor, Leinen und Fender werden aufgeräumt und der Wassermacher darf erstmal wieder seine Arbeit verrichten. Kaum kommen wir aus der Abdeckung der Insel, gibt’s Wind und auch entsprechenden Seegang dazu. Also Segel hoch – doch das Groβfall verhängt sich über der zweiten Saling und muss manuell klariert werden, ein Affe zum Entern des Mastes ist gefragt! Das Malheur ist schnell behoben, die Segel stehen und zwei Reffs sind im Groβ eingebunden. Der anfängliche Gegenwind aus Süd hat sich auf die Wetterprognose besonnen und auf West gedreht, das Wellenbild ist konfus aus verschiedenen Richtungen, nur die lange Atlantikdünung ist konstant mit 4-5 Metern Wellenhöhe aus Nordwest. Aroha ist inzwischen auch ausgelaufen und segelt in Sichtweite ca. 5sm hinter uns her.
Bomika rollt fleiβig in den Wellen und, wie so üblich nach langen Hafenaufenthalten, werden auch die Fische gefüttert. Das ist natürlich seit Kindertagen und seit Beginn meiner Seglerkarriere meine Aufgabe, die ich seit dem auch sehr geflissentlich nachkomme. Allerdings geht die Seekrankheit, im Vergleich zu unserer Überfahrt von Alexandria, diesmal nicht über das erste Stadium hinaus. Für die noch unbefleckten unter den Lesern: die Seekrankheit hat 3 Stadien:
1) Übelkeit und Kopfschmerzen mit Auswurf von Lebensmitteln
2) Übelkeit steigert sich ins Unerträgliche, Magensäfte werden ausgegeben, Zuführung von Lebensmitteln und Getränken ist nicht mehr möglich, seelische Vorbereitung auf das unausweichlich folgende Sterben
3) Fortschreitende Dehydrierung, weitere Verschlechterung des Allgemeinzustandes, Handlungsvermögen ist still gelegt und man stellt fest: man stirbt nicht und muss es ertragen.
Die Tage und Nächte bieten grundsätzlich wenig Abwechslung. Der Wind weht mit 6Bft, schwächt sich ab auf 4Bft, dann wieder 5-6Bft., zunächst aus west, dann auf Nord drehend, zwischendurch schwankend zwischen NW und NE, bis er sich auf Nordost einpendelt. Teilweise dreht er um bis zu 60º hin und her, die heftige Schaukelei nach links und rechts hilft dabei auch nicht und lässt die Segel ab und zu killen. Deshalb, aber auch im Hinblick auf unsere Befindlichkeit (weiterhin leichte Übelkeit), haben wir die Windfahnensteuerung geschont und den elektrischen Autopiloten verwendet. Leider braucht das eben Strom, und der meist bedeckte Himmel hilft nicht sehr, denselben tagsüber durch die Solarpaneele zu ersetzen. Der Vollmond scheint zwar sehr hell in den Nächten, bringt aber nicht die richtige Strahlung zum Energiesammeln.
Die Fische bekommen nichts mehr zu futtern, die Nachwirkungen bleiben noch etwas länger erhalten. Das liegt auch an den seltsamen Dämpfen, die wir im Schiff bemerken. Erst riecht es leicht nach Diesel, dann eher nach Terpentin oder Lösungsmittel. Wir versuchen trotz der Übelkeit fördernden Umgebung der Sache auf den Grund zu gehen und haben erst den Kühlschrank in Verdacht – auslaufendes Kühlmittel? Ausschalten des Kühlgeräts scheint zunächst Besserung zu bringen, aber langfristig doch nicht. Schlieβlich werden wir in der achteren Bilge fündig, in der Diesel herumschwappt und bei der wilden Schaukelei sich über die Kabelschächte in den Stringern sicherlich im Schiff verteilt hat. Also Bilge ausräumen, alles einzeln gründlich abwaschen (meist Plastikflaschen und Dosen), Diesel mit Schwamm und Tüchern aufsaugen, Bilge gründlich reinigen, einräumen und dann auf Ursachenforschungsreise gehen. Schlauchanschlüsse im Motorraum und unter dem Bett am Tank – alles klar und staubtrocken. Aber im Heckbereich beim Ruderquadranten, wo sich auch die Füll- und Entlüftungsschläuche befinden und durch die Backskiste zu den Stutzen führen, gibt es verräterische Dieselspuren. Die Frage ist nur – woher genau? Ist einer der Kanister in der Backskiste undicht geworden bei der Schaukelei oder einer der Schläuche undicht? Am nächsten Tag ist wieder etwas Diesel nachgelaufen, der von ausgelegten Windeln aufgesaugt wird. Nur die Reinigungsaktion der Kabelkanäle bzw. Stringer wird warten müssen bis es ruhiger ist, da hierfür weitere Bodenbretter gelüftet, der Bilgeninhalt entleert und mit noch zu definierenden Hilfsmitteln Zugang in die Kanäle gesucht werden muss. So bleibt ein gewisser Dieselgeruch in der Kajüte vorerst erhalten und sorgt für stete Kopfschmerzen, die das Leben an Bord nicht einfacher machen.
Unsere Miezen brauchen auch etwas Zeit zur Umstellung auf den Bordalltag. Auf einmal steht nicht mehr das ganze Deck zum Herumtollen zur Verfügung, die Stege und anderen Yachten sind weg und es schaukelt auf einmal viel mehr und der Wind bläst deutlicher ins Fell, wenn man sich herauslehnt. Feivel hat sich auf seinen Lieblingsplatz auf der kleinen Sitzecke neben dem Bett zurückgezogen, kuschelt sich dort auf die Decke und schläft die meiste Zeit. Nur einmal am Tag wird er munter, um zu sehen, was es zu essen gibt. Solange es nicht seine Lieblingsmahlzeit ist, schläft er lieber bald wieder. Ab und an ein halbherziger Versuch, mit Tita zu spielen oder es treibt ihn einfach die Neugier vom Schlafplatz, was unsere Kleine so treibt. Erst nach 3 Tagen wird er etwas munterer, klettert auch mal ins Cockpit oder streicht um unsere Beine, um Streicheleinheiten abzuholen oder um ein paar Leckerlis zu betteln. Tita dagegen schein der Seegang und die Schiffsbewegungen überhaupt nichts auszumachen. Sie spielt und tollt herum, freut sich, dass wir immer in der Nähe sind und stolziert breitbeinig durchs Schiff als wäre sie der Kapitän und wir ihre Handlanger. Tja, ist ja letztendlich auch so, auch wenn wir es uns nicht immer eingestehen wollen. Aber Katzen sind ja sehr intelligent und lassen uns gern in dem Glauben, solange wir ihren Interessen nicht entgegen wirken.
„Aroha“, die ja etwa eine Stunde nach uns ausgelaufen sind, haben schnell aufgeholt und uns nach Einbruch der ersten Nacht auch überholt. Am nächsten Tag sind sie aus unserem Blick entschwunden, allerdings nicht vor uns, sondern etwa 10sm hinter uns. Sie haben es in der ersten Nacht auf See „gemütlich“ angehen lassen und sind unbemerkt hinter uns zurückgefallen. Danach wurde einmal; wieder Blickkontakt zwischen den beiden Yachten hergestellt, der aber später wieder verloren ging. Durch die hohe Dünung ist die Sichtweite eh eingeschränkt und selbst bei Setzen der roten Blase auf Aroha, die man eigentlich gut erkennt, ist bei einer Entfernung von über 5-6sm nichts zu sehen. Wir bleiben jedoch in regelmäβigen Funkkontakt, geben uns gegenseitig Position, Kurs und Fahrt durch und wissen dadurch in etwa, wo sich der andere befindet.
An Sylvester begleiten uns zum Sonnenaufgang jede Menge Delphine. Das sind nicht mehr Dutzende, sondern bald an die Hundert! Sie schwimmen, springen und surfen auf den Wellen links und rechts von uns sowie natürlich vorn am Bug. Von solchen Anblicken kann man einfach nie genug bekommen. Am Abend kommen sie noch mal vorbei, dann aber nicht mehr ganz so zahlreich. Dafür springt vor unserem Bug noch ein Merlin mit etwa 1,5m Länge fast senkrecht aus dem Wasser und taucht mit einem riesigen „Bauchplatscher“ wieder ab. Das alles muss ein gutes Omen sein für’s nächste Jahr und unsere weitere Reise! Zu Mitternacht stoβen wir in Zweisamkeit an – mit Cola und Saft. An Alkoholisches wollen wir uns nicht wagen, bevor wir es unfreiwillig wieder zurückgeben und Neptun opfern müssen. Wir würden dem Herrn der Meere ja durchaus auch einen Schluck gönnen, aber dabei doch auch etwas davon für uns behalten. Wir „telefonieren“ über UKW mit Moni und Eric, wünschen uns gegenseitig alles Gute, Gesundheit und das gelingen der Reisepläne, danach übernimmt die Bordroutine mit Nacht- und Freiwache wieder das Geschehen.
Veröffentlicht in Atlantik Ueberfahrt, Bomika 2009
Mo – So, 21.-27.Dezember 2009 (Gomera)
Uns gibt’s noch, wir sind also nicht geplatzt nach dem vielen Essen. Es regnet immer noch seit gestern Nachmittag, stürmt immer wieder mit heftigen Böen und ist recht ungemütlich. Moni kommt zum Nähen vorbei, überlässt die Arbeit an der Nähmaschine Lisa und reibt derweil Walnüsse zum Plätzchen backen. Unsere erst kürzlich erworbene Kurbelreibe ist dafür ja bestens geeignet. Erik kommt auch ein paar Mal vorbei, um sich diverses Werkzeug oder Material auszuborgen. Da jedes Mal der Werkzeugschrank aus- und wieder eingeräumt werden muss, geht auch für uns der Tag schnell vorbei. Aber dafür sind wir auch bei den Beiden an Bord zum Abendessen eingeladen, wer will sich da schon beschweren? Auβerdem sind uns die Beiden ja auch irgendwie ans Herz gewachsen.
Der Dienstag ist wegen viel Regen und stürmischer Winde prädestiniert für PC-Arbeit und das schreiben von Weihnachts-Emails. Abends besuchen wir die Doublemoon, Walter ist gerade auch mit PC Problemen beschäftigt, aber Meggi freut sich und lädt uns auf ein, zwei, drei Kaffees bzw. andere Getränke ein. Dazu werden Tapas gereicht, somit ist der Abend gerettet und das Abendessen gespart. Auch der nächste Tag beschert und wieder Regen und es wird stürmischer, je weiter der Tag voranschreitet. Leinen kontrollieren und nachspannen, zusätzlichen Festmacher, Wetterprognosen einholen. Frischlebensmittel einkaufen, damit ggf. alles für die Abfahrt an Weihnachten bereit ist. Der vermisste Laborbericht ist weiterhin nicht in der Post, aber immerhin erhalten wir ihn heute per Email! Abends grillt Lisa Bruschettas für unsere Gäste Walter, Meggi (mit ihrem Hund Maria Nelson), Moni und Eric. Es wird ein gelungener Abend, insbesondere unsere Miezen haben’s den Gästen angetan. Feivel und Tita wiederum sind ganz unsicher wegen des zusätzlichen Gastes Mrs. Nelson – ein Hund in ihrem Revier, der auch noch in die Kajüte kommt und das von unseren Miezen verschmähte Dosenfutter leer schleckt! Neugier und Unmut, durch gelegentliches Fauchen zum Ausdruck gebracht, halten sich die Waage und es ist eine Freude, die Viecherl zu beobachten.
Donnerstag, Heilig Abend, unser Zweiter ohne Schnee und Kälte. Tagsüber werden noch Kleinarbeiten erledigt, während der Regen von stürmische Böen über und aufs Deck trommelt. Abends kommt die Köchin an Bord und bringt Töpfe mit bereits vorbereiteten Zutaten mit – Moni bekocht uns mit Sternemenü. Lachs mit Sahne, Karottensüppchen, zarte Steaks mit Apfelzimtscheibchen und Portweinsoβe und Kartoffelstampf, Kaffee und leckeren Kirschkuchen als Nachspeise zum abrunden des Menüs. Dann wird es Zeit, sich auf dem Grillfest von Andi zu zeigen. Einige Gäste sind schon gegangen, der Rest ist in bester (oder auch weinseliger) Stimmung. Bei Bier, Wein und Rum beteiligen wir uns an der Unterhaltung und dem „Klönschnack“. Von der Nachspeise – verschieden Eissorten – ist auch noch genug da zum Naschen. So wird es Frühmorgens bis wir zurück an Bord kommen.
Am Freitag wollen wir Ausschlafen, werden aber durch feuchtwarme Berieselung, frisch inszeniert von Tita, geweckt; also Zeit zum Aufstehen und Betten waschen. Nachmittags Kaffee und Marzipanstollen mit Moni und Eric als Gästen, danach Ausdrucken von Fotos, Visitenkarten und Dokumenten. Eric bringt noch das restliche geliehene Werkzeug zurück, so dass die diversen Werkzeugkisten eingeräumt und weggeräumt werden können. Abends kommt Meggi vorbei und holt uns ab, wir werden auf Doublemoon gebraucht, um „zur Hand zu gehen“. Wir denken an Batterien schleppen oder ähnliches, Meggi hat aber eher an das Halten von Weingläsern gedacht, bevor sie morgen nach Deutschland fliegen muss, um einer krebskranken Freundin beizustehen.
Samstag wird nochmal Wäsche gewaschen. Ist schon erstaunlich, wie viel Wäsche sich im Hafen immer ansammelt, unterwegs hält sich das ja eher in Grenzen (vor allem, wenn es warm genug ist und man sich die Bekleidung sparen oder zumindest minimieren kann). Das Boot noch gründlich putzen, eigentlich wäre auch mal wieder eine Politur fällig, ist aber doch zu aufwendig. Um- und Verstauen von Lebensmitteln, Flaschen, Dosen, Büchern und anderem Krimskrams, damit unterwegs nichts durcheinander oder herausfallen kann. Einen Persenningknopf austauschen, der porös geworden und gebrochen ist, just als die Kuchenbude aufgebaut wird. Schlaucherl trocken legen und eine bessere Lagerungsart überlegen, damit es nicht nach jedem Guss im Feuchten liegt. Das erfolgt dann am nächsten Tag mit Hängeleinen, die zwischen Mast und Cockpitfenster gespannt werden und auf denen das Schlaucherl-Paket dann zu Liegen kommt. So kommt es nicht mit der ganzen Fläche an Deck zum Aufliegen, da sonst die Unterseite bei Regen oder jeden überkommenden Welle feucht wird, nicht richtig trockenen kann und Schimmel und Verfall sind dann ganze Scheunentore geöffnet. Das gilt es zu Vermeiden, wir wollen unser Beiboot ja noch lange Nutzen können.
Weitere Emails werden noch beantwortet (erstaunlich, welches Feedback unser Weihnachtsgruss ausgelöst hat), nochmals Wäsche gewaschen. Die Windfahnensteuerung wird wieder montiert – natürlich müssen erstmal die benötigten Schrauben gesucht werden, die vor 9 Monaten irgendwo aufgeräumt wurden – der Möglichkeiten gibt es ja viele, und nachdem fast alle ausprobiert sind, werden wir auch fündig. Danach geht alles so einfach von der Hand – wie von selbst. Das Ruder macht sich im falschen Moment selbständig und lässt mich mit dem Brustkorb auf die Verstrebung fallen, mal sehen, wie lange geprellte Rippen weh tun. Von Moni erfahren wir, dass Schuhmacher wieder zur Formel1 zurückkehrt und für Mercedes fahren wird. Das sind natürlich gute Nachrichten für Lisa, die seit seinem Ausscheiden aus dem Formel1 Zirkus doch viel Interesse daran verloren hatte und nicht mehr so mitfieberte. Abends noch ein kurzer Besuch bei Walter, dann Abendessen mit Andreas und Anni beim Chinesen.
Veröffentlicht in Bomika 2008, Canaries - Kanarische Inseln
Mo – So, 14.-20.Dezember 2009 (Gomera)
Am Montag ist es soweit, die Fahrt nach Santiago zum allseits gefürchteten Zahnarztbesuch steht gleich in der Früh an. Die Zahnärztin Eva aus München ist liebenswert und versteht ihr Handwerk – und hat auch gar nicht gebohrt! Bis zur nächsten (und letzten) Fähre zurück gilt es 5 Stunden zu verbummeln. Neben einem Bar Besuch und Sandwich Verzehr sowie einem Einkauf im Supermarkt (ein paar Sachen gibt es nicht in San Sebastian oder nicht so günstig) verbringen wir die Zeit mit Spaziergängen durch den Ort. An der Felswand des Tals gibt es einen Aufzug innerhalb des Felsens, der zum Hotel auf der Klippe führt, mit Eingang in einer Grotte – leider ist er nur mit Kartenschlüssel der Hotelgäste benutzbar. Von da oben hat man bestimmt eine prima Aussicht, aber es ist auch kein Hotelgast in der Nähe, der uns mitnehmen könnte.
Der nächste Tag beschert uns Regen und starken Wind aus Süd, der für Schwell im Hafen sorgt. Die unangenehmen Bootsbewegungen und Ruckeleien in den Festmacherleinen lassen einen Anflug von Seekrankheit aufkommen, insbesondere verbunden mit Arbeiten am PC, Rezeptkopien (einscannen aus dem Kochbuch), Logbuch schreiben, etc. Wenigstens sind weit genug hinten im Hafen, denn die Schiffe an den vorderen beiden Stegen kommen arg ins Schaukeln bis sich Masten verhaken und sich sogar ein Toplicht von der Mastspitze stürzt.
Am Mittwoch ist endlich der Tierarzt angesagt. Der Laborbericht ist zwar immer noch nicht da, aber es wird Zeit für die Nachimpfung von Tita. Damit ist erstmal Ruhe mit den Impfungen bis November/Dezember 2010. Wenigstens ist das Wetter okay, es wird wieder warm, und lockt Erik öfters zu Besuchen bei uns, um sich ein paar Ratschläge abzuholen. Daneben Arbeiten am PC, und Wettervorhersagen studieren. Sieht leider schlecht aus für die Weiterreise, wir hoffen weiter auf Weihnachten. Ist doch gut, dass die Hoffnung nicht so schnell stirbt! In der Nacht gibt’s mal wieder heftige Gewitter und Regenschauer, tags darauf stürmischen Wind und hohe Wellen, die für unangenehmen Schwell im Hafen sorgen. Die Schiffe weiter vorne im Hafen schaukeln heftig, die Masten neigen sich immer weiter aneinander wie ein pendelnder Syssiphus in einer zum Scheitern verurteilten Liebesbeziehung. Ein Toplicht muss den Preis bezahlen und stürzt sich vor Gram von der Mastspitze, ansonsten geht es aber wohl ohne gröβere Blessuren ab. Nur gut, dass wir weiter hinten im Hafen liegen, da ruckt das Schiff nur in den Leinen und die Schaukelbewegungen halten sich in Grenzen. Zum Abendessen verabreden wir uns mit Moni, Erik, Maggi und Walter im Yachtclub. Das Essen ist gut und günstig, allerdings sind die Portionen irgendwie seit unserem letzten besuch dort geschrumpft. Oder sind unsere Mägen nur gröβer geworden?
Am Freitag gibt’s wieder eitel Sonnenschein, doch das nächste Tief ist schon im Anzug. Wir nutzen die Gelegenheit für einen Grosseinkauf (mit Lieferservice für den nächsten Morgen) im Hipertrebol, bekommen nun auch unsere Antibiotika in der Apotheke – dank dem Rezept dafür, dass uns Eva die Zahnklempnerin ausgestellt hat. Die Nachfrage bei der Autovermietung – für die Fahrt zur Geburtstagsfeier in Hermigua – fällt negativ aus. wegen Weihnachtsrummel und –Gästen sind die Tarife fast doppelt so teuer wie im Oktober und wir lehnen erstmal dankend ab. Gott sei Dank, denn die Party wird kurzerhand von Samstag auf Sonntag verschoben. Abends noch schnell Frischmachen und dann ab zum Weihnachtskonzert – Kinderchor, mehrstimmiger Erwachsenenchor und Blaskapelle/Bigband mit Weihnachtsliedern, Walzer und Märschen. Alles läuft sehr locker ab und es wird eine gelungene Veranstaltung. Die Lokale sind mittlerweile überfüllt und so bestellen wir nur eine Pizza zum Mitnehmen. Dabei treffen wir Moni, Erik und Bernhard, die gerade mit dem Essen fertig sind. Während wir auf unsere Pizza warten, entdecken Lisa und Bernhard gemeinsame Bekannte aus der Kinder- und Jugendzeit. Die Welt ist wirklich klein!
Am Samstag sind wir kaum aus den Federn und trinken gerade Kaffee, als die Lieferung vom Supermarkt ankommt. Wir kontrollieren brav die Vollständigkeit anhand des Kassenzettels und beginnen mit dem Ein- und Umräumen. Da es mit der Sonne doch recht warm zu werden verspricht, entfernen wir die Kuchenbude (die am Sonntag wegen Starkwind und heftigem Regen wieder aufgebaut wird). Abends besuchen wir ein Folklore Spektakel mit Krippenspiel und Livemusik von Gomerianern in Landestracht. Während des Krippenspiels schreit sogar ein Baby im Publikum an der richtigen Stelle, kaum dass der Stern über den Kirchplatz gezogen ist und über der Krippe anhält.
Nachdem Engel, Hirten, Musikanten vorüber gezogen, König Herodes seinen kurzen Auftritt hatte und auch die Heiligen Könige ihre Aufwartung an der Krippe gemacht haben, löst sich die Menge auf und wir lauschen den Gomerianischen Sängern mit Gitarren, Mandolinen, Trommel, Ratsche, Tambourin etc. während wir noch mit Bernhard, Moni und Erik in einer Bar sitzen und den Abend bei einem Gläschen Wein ausklingen lassen. Bernhard hat doch noch einen günstigen Mietwagen ergattert, den wir uns zu Fünft teilen werden und so nicht teurer als der Bus kommt.
So lassen wir uns am Sonntag von Bernhard nach Hermigua zum Grillfest chauffieren. Neben Pasquale, dem Freund von Helga, hat auch ein Junge aus dem Dorf Geburtstag, der aber auch zur Verwandtschaft gehört. Irgendwie sind alle in dem Tal mehr oder weniger miteinander verwand und verschwägert. Es gibt auch gleich was zu futtern: Schweinefleisch und Koteletts, Kartoffeln in Salzkruste, Yamswurzel, diverse Mojas, frischer Ziegen- bzw. Schafskäse. Die Yamswurzel wird fast 20 Stunden gekocht, schmeckt wie Kartoffeln und hat auch eine ähnliche Konsistenz. Später folgen Kuchen und frischen Kakao, allerdings nicht aus Pulver, sondern mit Backschokolade und frischer Milch zubereitet. Zwischendurch Maulbeerlikör und abends gegrillter Hinterschinken und einen deftigen Eintopf mit Fleisch, Kartoffeln, Yamswurzel, Paprika, Gemüse und Gofio. Mit vollem Bauch geht’s zurück an Bord und erstmal eine Kaffeepause, dann rüber aufs Nachbarschiff „Still Crazy after all these Years“ von Bernd und Claudia, wo wir weiter trinken und noch mal Bockwürste mit Kartoffelsalat zum Geburtstag von Peter (Claudias Bruder) und von Jürgen (Bernds Bruder?) essen. Beide feiern ihre „Halbwertzeit“ von 50 Lenzen, während wir auf den Knall warten um festzustellen, dass wir geplatzt sind.
Veröffentlicht in Bomika 2009, Canaries - Kanarische Inseln
Mo – So, 07.-13.Dezember 2009 (Gomera)
Scheiden tut zwar bekanntlich weh, lieβ sich aber am Montag nicht vermeiden – Birgit und Pollux müssen zurück nach Berlin, die Arbeit ruft und der Urlaub ist vorbei. Wir winken der Fähre hinterher und gehen dann wieder unserer eigenen Arbeit nach. Die Vorstage müssen nachgespannt werden und die Hängenetze unter dem Geräteträger, die wir kürzlich gebastelt und angebracht haben, werden ihrer Bestimmung zugeführt und mit Orangen, Zwiebeln und Avokados gefüllt, letztere haben wir von Andi frisch aus dem Garten bekommen. Während der Harzarbeiten auf der Aroha lernen wir auch Andreas und Anni von der „Mistral“ kennen. Die beiden sind ja auch in Funtana gestartet, irgendwie sind wir uns aber dort kaum über den Weg gelaufen – unser Timing war wohl zu unterschiedlich. Dafür hat’s ja jetzt geklappt!
Mitte der Woche werden auf einmal die Nächte kurz. Nachdem wir uns mal einen Tag Ruhe zum Lesen gegönnt haben, sind die Bücher viel zu spannend, um sie trotz Müdigkeit aus der Hand zu legen, bevor man’s nicht ausgelesen hat. Solcher Erfolg trat aber erst im Morgengrauen ein und die Nacht war schnell vorbei, da unsere Miezen nur begrenztes Verständnis für ein verspätetes Frühstück haben.
Am Donnerstag manövriert ein Fischer seine Barkasse hinter Bomika herum, bis er an unserem Irischen Nachbarn „Jilliana“ das Heck zu fassen kriegt und nach Kevin bzw. Mary-Ann ruft. Es stellt sich heraus, dass der Fischer eigentlich Bänker ist, Kevin und Mary-Ann seine Kunden und deshalb den Tagesfang geschenkt bekommen. Da die Beiden aber bereits zu Mittag gegessen haben und später für eine Woche weg fliegen, reicht uns Mary-Ann den Fang kurzerhand herüber und wünscht uns guten Appetit. Dabei stellt sich heraus, dass die Fische bereits geschuppt und ausgenommen sind – welch ein Service! Solche Filialleiter einer Bank findet man selbst in Norddeutschland wohl kaum. Nachdem wir Monika und Erik bereits zum Abendessen eingeladen hatten, wird das Menü kurzerhand umgestellt und um die Fische mit Kartoffeln und Gemüse erweitert, die uns allen hervorragend schmecken. Ist schon gut, wenn man eine so gute Köchin dabei hat!
Am Freitag nehmen wir endlich mal unser Logbuch in Angriff. Die letzten Wochen haben wir das ziemlich schleifen lassen und uns nur ab und an ein paar Stichpunkte notiert. Auch Emails wollen noch beantwortet werden und alles nimmt natürlich viel mehr Zeit in Anspruch als gedacht. Dementsprechend verteilen wir die Arbeit auch auf die nächsten Tage. Dafür ist am Abend mal wieder ein TO-Treffen, auf dem wir weitere Kontakte knüpfen: Walter und Maggi von der „Doublemoon“, Tom und Susi von der „Aorai“, ein Wharram Kat mit Dschunkenrigg auf Low-Budget-Tour, Hilde und Udo von der „Tofua“, sowie der einarmige Fritz und Bernhard, die sich in San Sebastian halbwegs niedergelassen haben. Am folgenden Tag zeigt das Treffen Folgen – wir bekommen verschiedene Besuche auf Bomika, denen natürlich auch Gegenbesuche folgen. Das Sozialleben hier nimmt immer mehr Zeit in Anspruch, die Nachbarschaft blüht auch über mehrere Stege hinweg. Einmal mehr zeigt sich: als Segler ist man doch nie allein, zumindest solange man nicht gerade unterwegs ist. Ein weiteres Highlight des Tages: unser letztes erwartetes Paket ist endlich angekommen! Nach etlichen Emails und Nachfragen nach dem Verbleib haben wir am Samstag morgen endlich den Abholzettel im Postfach. Die im Paket enthaltene WLan Antenne können wir zwar erst am nächsten Abend installieren, aber sie funktioniert einwandfrei und gewährt uns einen besseren Internetanschluss. Ob und inwieweit die Reichweite von mehreren Kilometern auch den Herstellerangaben entspricht, werden wir erst probieren können, wenn wir wieder vor Anker in einer Bucht liegen. Aber nachdem die Antenne auch von Nautictest positiv getestet wurde, sind wir diesbezüglich guter Hoffnung.
Am Sonntag sind wir zusammen mit Moni und Erik zum Paella-Essen in Hermigua eingeladen. Helga, eine langjährige Freundin von Moni, lebt dort seit 12 Jahren mit Pasquale in einer Finka am Berg und genieβt das einfache Leben. Moni hat zur Feier des Tages Topfengolatschen gebacken, die gerade noch rechtzeitig fertig werden um den Bus nicht zu verpassen. Die noch warmen Teilchen duften verführerisch und wir müssen uns zusammennehmen, nicht schon unterwegs alle zu verputzen. Bei Helga gibt’s dann Gomerianische Hausmannskost, alles selbst gemacht, die Zutaten meist selbst gepflanzt/gezogen/geerntet. Grüne und rote Mojo, selbstgemachter, milder Ziegenkäse, Frischkäse, natürlich die Paella mit Garnelen, Muscheln, Fisch und Huhn, und zur Nachspeise noch Ledge Asado, ein Auflauf aus Milch, mit selbstgezapften und gekochten Palmhonig bzw. Sirup, der besser schmeckt als jeder käufliche Palmhonig und eher an Ahornsyrup erinnert. Die mitgebrachten Golatschen haben danach kaum noch Platz, aber nach einem Maulbeerschnapps (natürlich auch selbstgemacht) und einem Cortado geht’s schon. Dafür nach der Völlerei ein Spaziergang bergauf zur Kapelle, auf dem uns die beiden Hunde von Helga begleiten, die sich besonders über den Auslauf freuen. Kaum sind wir zurück in der Finka, kommen weitere Familienmitglieder von Pasquale vorbei, die in San Sebastian auch die Pizzeria „La Tasca“ führen. Die Zeit vergeht mal wieder viel zu schnell und es wird Zeit für den Bus zurück. Dabei werden wir für den nächsten Samstag zur Geburtstagsfeier von Pasquale eingeladen, sofern wir bis dahin nicht schon mit dem Schiff unterwegs sind.
Veröffentlicht in Bomika 2009, Canaries - Kanarische Inseln
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