Verfasst von: bomika | 14. April 2010

NEUE WEBADRESSE!!!!! www.bomika.de

wir haben eine neue Webseiten Adresse, der Blog wurde entsprechend uebernommen und wird nur noch auf der neuen Webadresse weiter gefuehrt werden.

Bitte die neue Webseite „www.bomika.de“ aufrufen und dort den Blog weiter verfolgen.
Wir hoffen, die neue Website gefaellt Euch.
Vielen Dank fuer Euer Verstaendnis!

In der Nacht und am Morgen gibt’s etwas Regen, der aber auch schnell wieder vorüber ist. Der Himmel bleibt meist bedeckt mit grauen Wolken, die Sicht ist sehr diesig. Der Wind lässt Bomika sanft auf den kleinen Wellen tanzen, lädt aber nicht gerade zum Baden ein. Erst gegen Mittag klart es etwas auf, die Schaukelei und Wellen bleiben uns aber erhalten. Zur Abwechslung besuchen wir Berthold auf der „Equinoxe“ , tauschen Bücher und bekommen noch eine Menge Infomaterial zu Grenada, Tobago und Surinam von Berthold geschenkt. Nebenbei können wir beobachten, wie eine ganze Herde von Einheimischen mit leeren Fässern, Fendern und einem groβen Luftsack versuchen, eine gesunkene Motoryacht zu heben. Die Bugspitze und ein Teil der Flybridge samt Sonnensegel schauen irgendwann gerade aus dem Wasser, dann wird das ganze von einem Fischerboot in flacheres Gewässer gezogen und an einer Mooring befestigt. Der Luftsack hat sich langsam mit Wasser gefüllt und alles versinkt wieder unter der Wasseroberfläche, nur die Antenne winkt mit erhobenem Finger. Der Bergungsversuch, 2ter Teil, geht dann am nächsten Tag weiter. Eigentlich wollten wir mit dem Dingi am Strand anlanden, um selbiges vom wild wuchernden grünen Garten zu befreien, aber bei der Brandung und den Wellen macht das auch keinen rechten Spaβ, auβerdem ist heute so ein Tag, an dem wir uns so gar nicht zu irgendwas aufraffen können.
Am Dienstag kommt Berthold noch mal vorbei, bringt uns überschüssige Tabletten für Malariaprophylaxe mit, und wir koordinieren die Pläne für die nächsten Tage. Er will nun doch nicht nordwärts segeln, sondern zurück zur Tyrrel Bay, dann in den Süden Grenadas und nach Trinidad, wo er sein Schiff liegen lassen wird. Wir wollen auch Anker auf, aber erst nach Hillsborough zum Einklarieren und einen Tag später in die Tyrrel Bay. Alles wird klar gemacht für die Überfahrt, denn auch wenn es nur eine kurze Strecke von etwa 7sm ist, kann es doch kräftig schaukeln und etliches umher fallen oder sich die Schoten irgendwo verkeilen oder einhängen. Gerade als wir den Anker hochziehen, fängt es zu regnen an, erst zaghaft, dann aber ziemlich heftig. Der Wind bläst auch kräftig mit 5Bft. und so wird es auch innen nass, bis wir nicht nur Luken, sondern auch den Niedergang schlieβen. Wir segeln unter Genua, das Sonnensegel haben wir zu Gunsten einer besseren Rundumsicht abgebaut, und machen gute Fahrt. Nach 1 ½ Stunden lässt der Wind erstmal schwer nach, wir bergen das Segel, der Wind kommt doppelt kräftig zurück aber nur 10 Minuten später sind wir bereits am Ankerplatz. Nach Sondierung der Lage entscheiden wir uns für den richtigen „Spot“, lassen das Eisen fallen und fahren es gut ein – der hält! Nachdem alles fertig und aufgeklart ist, eine Runde schwimmen mit Schnorchel, um den Anker trotzdem noch mal zu prüfen. Aber einerseits ist die Strömung kräftig und ohne Flossen wird es schwierig, Weg nach vorne gut zu machen, zum anderen ist das Wasser recht trüb und man kann den Grund nicht sehen. Dafür zertreten wir die Taucherbrille, als wir die vom Regen durchnässten Cockpitpolster zum besseren Trocknen u.a. darüber legen und später drauf steigen. Nachdem das Schlaucherl wieder voll einsatzbereit ist, geht’s zum Einklarieren: Immigration, Zoll, Health. Allerdings nicht ohne erhobenen Zeigefinger, denn wir haben ja bereits am Donnerstag in Union Island ausklariert und nun sind 6 Tage vergangen – das kann doch nicht sein? Dass wir doch etwas länger in Clifton Harbour verbracht haben und dann auch noch einige Tage auf Petit Martinique, ist wohl doch zuviel, Ostern hin oder her. Schlieβlich arbeitet der Zoll am Flugplatz ja auch an Feiertagen. Aber letztendlich klappt ja doch alles und ich kann wieder zurück an Bord. Mittlerweile ist auch die „Eisbär“ angekommen und ankert hinter uns. Auch zu Cisa haben wir Funkkontakt, die liegt bereits in der Tyrrel Bay und erwartet uns morgen zur Wiedersehensfeier, Getränke sind schon kalt gestellt. Auch Eisbär will morgen in die Tyrrel Bay weiter, na das wird ja ein richtiges Familientreffen dort! Wir machen noch einen Landausflug, finden in einem Supermarkt sogar Pulvermilch (der nächste Supermarkt hat bis zu unserem Eintreffen bereits geschlossen), schlendern auf der Hauptstrasse durch den Ort und stellen fest, ab 1700 Uhr sind nicht nur alle Läden zu, sondern auch die Bürgersteige hochgeklappt. Abends kommen Otto und Irene noch vorbei auf einen Umtrunk und wir verabreden uns für morgen früh zu einem gemeinsamen Landausflug. Während dem Einklarieren von Eisbär hoffen wir das Internet nutzen zu können. Zuerst aber besuchen wir den zweiten Supermarkt im Ort, das Angebot ist zwar auch hier eingeschränkt, aber es gibt dort wenigstens Milchpulver und Zitronenpfeffer. Nachdem die Bar, in der wir uns mit Irene und Otto treffen wollen, gibt es kein WiFi, so gehen wir schräg gegenüber ins „Internetcafe“, obwohl es dort keinen Cafe oder andere Getränke gibt. Die schmalen Stufen eines Treppenaufgangs hinauf begrüβt uns eine nette Dame, den Internetzugang gibt’s per Kabel und ausnahmsweise mal zu humanen Preisen. In einer halben Stunde ist das Wichtigste erledigt, wir wechseln in die Sandy Island Bar und warten auf Irene und Otto. Zwei Piepmätze leisten uns Gesellschaft und setzten sich auf die Stuhllehne gleich neben uns. Leider ist die Aussicht aufs Meer und die vorgelagerten Inseln wegen des diesigen Wetters nicht so schön, wie sie hätte sein können. So bleibt es bei einem Kaffee bzw. Coke nachdem unsere Freunde auch eingetroffen sind und wir machen uns auf den Rückweg und bereit zum Auslaufen. Nach einer halben Stunde ist alles parat, die Anker werden gelichtet und die nächste Ecke der Insel umrundet in die Tyrrel Bay. Cisa und Eisbär, die eine Viertelstunde Vorsprung hatte, liegen schon vor Anker und begrüβen uns herzlich, als wir wenig später mit dem Dingi eine Besuchsrunde machen. Um 1800 treffen wir uns alle auf einen kleinen Umtrunk auf Cisa, bevor wir gemeinsam zum „Lazy Turtle“ aufbrechen. Dort gibt es einen kleinen Anleger, der aus einem niedrigen Betonpier und einem mit Leinen und Ketten angehängten Schwimmsteg besteht. Letzterer wird durch den Schwell kräftig hin- und her gerissen und stellt unsere Standfestigkeit auf eine harte Prüfung. Trotz Dunkelheit und rutschig nassem Pier kommen wir alle heil an Land und entern das Lokal, bei der ersten Runde Bier wählen wir aus dem reichlichen Angebot Pizzas aus, die nicht nur recht groβ, sondern auch sehr schmackhaft und gut belegt sind. Es wird ein fröhlicher Abend und anscheinend auch nicht zu feucht, denn jeder schafft den Weg über den Ruckelsteg ins Dingi ohne umzufallen oder nass zu werden.
In der Nacht geht ein heftiger Regenschauer runter und wir schaffen es gerade noch rechtzeitig, schlaftrunken die Luken dicht zu machen, auch wenn es dann fürchterlich warm und schwül im Schiff wird. Am nächsten Morgen verlassen sowohl Eisbär als auch Cisa die Bucht, wir werden aber noch ein paar Tage hier bleiben. Auf Irene wartet der Flieger und zuhause die Arbeit, Otto muss sein Schiff zum „Einsommern“ herrichten bevor er seiner Irene hinterher fliegt, aber ihn und Cisa werden wir bestimmt auf Grenada wieder treffen. Ich versuche, die festsitzende Stellschraube der Fensterstütze am Aufbau gängig zu machen, was zwar gelingt aber nicht von Erfolg gekrönt ist. Die Stellschraube ist frei, dreht aber leer durch und ist somit unbrauchbar. Leider lässt sie sich auch nicht entfernen und durch eine andere ersetzen, alle Versuche in die eine oder andere Richtung schlagen fehl, also viel Arbeit um Nichts. So wird nicht nur die Arbeitsliste mit anstehenden Arbeiten, sondern auch die Liste der notwendigen Ersatzteile länger. Am Nachmittag machen wir einen Spaziergang durch den Ort, erkundigen uns bei den Wäschereien und besuchen den TO-Stützpunkt auf einen Plausch mit Georg. Frischobst und –Gemüse sind Mangelware, da alles durch die groβe Trockenheit verdorben ist und nur das Notwendigste von gröβeren Inseln herüber gebracht wird, soweit es dort etwas besser aussieht. Mittlerweile hat der Wind nachgelassen und die Rückfahrt mit dem Schlaucherl wird wesentlich ruhiger.
Am Freitag landen wir mit dem Schlaucherl am Strand an und bringen erstmal die Wäsche – zumindest einen teil davon – zur Wäscherei, die wir uns am Vortag ausgeguckt haben. Danach spielen wir Barbier, denn unser Schlaucherl hat einen ellenlangen Bartwuchs aus Algen und Muscheln, der soll abrasiert werden. Mit Schabern versuchen wir erstmal das Gröbste weg zu kriegen, dann mit Glitzi-Schwämmen. Die Reibefläche der Schwämme ist aber bald zugesetzt und hilft nicht mehr viel. Also zu einem der kleinen Supermärkte, hier betreibt ja Hinz und Kunz einen, meist nebenbei zu einer Boutique oder einem Restaurant oder sonstigem, neue Schwämme und Bleiche besorgen. Damit rücken wir dem restlichen Bewuchs und den Verfärbungen zu Leibe und schwitzen wir die ochsen in der prallen Sonne. Nach 2 ½ Stunden sind wir soweit fertig, unsere Wäsche auch, die wir abholen und mit auf den Rückweg nehmen. Nachdem unser Schlaucherl direkt unterhalb eines Restaurants liegt, spricht uns der Wirt an, plaudert ein bisschen und versucht uns als Gäste für den Abend zu gewinnen. Nachdem die Hauptmenüs zwischen 25 und 28 EC$ kosten sollen und zwischen 18 und 19 Uhr auch noch Happy Hour angesagt ist, sagen wir zu – Conch für Lisa und Chicken oder Pork für mich. Kurz nach dem Ablegen von Strand, das trotz Brandungswellen gut klappt, geht unser Kaufhauskläffer aus, noch mal ein kurzer Start, dann ist Ende der Fahnenstange bzw. des Sprits. Aber wofür hat man Paddel, Wind und Wellen treiben uns grob in die richtige Richtung und ein bisschen Sport schadet ja nicht. Es dauert nicht lange, dann ist die halbe Strecke geschafft und unser Wirt kommt mit seinem Motorboot vorbei, ob er uns ziehen soll, oder später abholen? Wir lehnen dankend ab, freuen uns aber ob der schnellen Hilfsbereitschaft. An Bord währt die Ruhepause nur kurz, weitere Wäsche wird eingeweicht und vorgewaschen und der Wasserpass von Bomika vom schleimigen Bewuchs und den Schlieren befreit. Danach eine kurze Dusche und schon wird es Zeit, unseren Lokaltermin wahrzunehmen. Rechtzeitig vor dem nächsten Duscherer sitzen wir bereits im überdachten Vorbau des Restaurants und versuchen mal wieder, ein Update für das Anti-Viren Programm herunter zuladen. Aber auch diesmal bricht die Verbindung ab, als gerade die Hälfte geschafft ist. Wir genieβen trotzdem unseren Rumpunsch, wenigstens haben wir neue Wetterfiles und Emails bekommen. Und schon ist auch unser Essen fertig, das wir uns schmecken lassen. Die Überraschung kommt dann mit der Rechnung, das Essen ist doch teurer als mittags angekündigt, und die Getränkepreise lassen den Happy-Hour-Rabatt missen. Dazu noch Service und MWSt Prozente obendrauf, da hätten wir doch lieber an Bord gekocht. Der Wirt ist verhandlungsbereit, lässt etwas von der Rechnung nach und alle sind soweit gleich zufrieden oder unzufrieden, man verabschiedet sich jedenfalls ohne Groll und freundlich. Auf der Rückfahrt zur Bomika lässt der Regen gerade nach und kommt erst später in der Nacht mit einem heftigen Guss zurück. Während der überwiegend schlaflosen Nacht haben wir uns entschieden, wir bleiben noch einen Tag länger. Warum Hetzen? So wird am Samstag erstmal die Wäsche fertig gewaschen und aufgehängt und einige Zeit am PC gespielt. Aber egal, welche Spielereien man versucht, die Internetverbindung will einfach nicht klappen, dabei ist das Signal so gut wie nie, das Icon signalisiert Verbindung mit dem Internet, aber keine Seite will sich aufbauen und der PC ist insoweit etwas wirklichkeitsfremd. Lisa bäckt derweil Brot und die Zeit verrinnt, obwohl wir keinen Sand hierfür im Schiff haben, noch nicht mal in einer Sanduhr. Es wird aufgeräumt, umgestaut, geputzt, die WiFi-Antenne demontiert, das Sonnensegel eingepackt, Auβenborder verstaut, usw., bis nur noch eine Dusche in der kurzen Abenddämmerung übrig bleibt.
Am Sonntag brechen wir bereits um 0700 Uhr auf, gleich nach dem Morgenkaffee. Wir setzen die Segel und schütten auch die noch eingebundenen Reffs aus, nachdem der Wind eher mäβig mit 2-3 Bft. weht. Sicherheitshalber wird der Bullenstander gesetzt und Wind und Welle schieben uns von schräg achtern. Der Wind variiert zwischen Ost und Nordost und nachdem wir aus der Inselabdeckung heraus sind, brist es auf und es gesellt sich auch eine weitere Dünung zum Wellenbild. Der elektrische Autopilot wird mit dem Wellenbild nicht so recht fertig, also ist Steuern per Hand angesagt. Sie Sonne sticht recht herunter und verbrennt mein Hirn an den inzwischen respektablen Geheimratsecken, die solche Wettereinflüsse noch nicht gewohnt sind. Nachdem wir die Küste Grenadas erreichen und entlang segeln, müssen wir die Genua schifften und „Schmetterling“ segeln, da der genau von achtern einfällt. Eventuell hätten wir doch den Blister setzen sollen, aber den Segeln tut das Auslüften bestimmt auch gut. Die Häuser der Ortschaften kleben an den Hängen und sammeln sich in den Tälern entlang der Küste, während unsere Miezen die Überfahrt auf dem Sofa und auf dem Kleiderschrank verschlafen. Je mehr wir uns unserem Ziel Georgetown nähern, desto mehr lässt uns der Wind im Stich, die Fahrt geht bis auf einen Knoten und weniger zurück. Schlieβlich rollen wir für die letzten paar Meilen die Genua weg und starten die Maschine. Kaum ist das erledigt, dreht er Wind auf Südost und sammelt seine Kräfte. Schlieβlich pustet er uns mit 6 Bft. fast ins Gesicht, dazu ein heftiger Regenschauer. Die Regentropfen wirken bei dem Wind wie Stecknadeln, die ins Gesicht geschleudert werden und im Nu sind wir Beide klitschnass bis auf die Haut. Den „Wet T-Shirt“ Wettbewerb gewinnt jedenfalls Lisa! In dem Regen sieht man kaum die Hand vor Augen, genau das richtige, um auf eine flache Küste und das Ankerfeld zuzufahren und das Ankermanöver zu erledigen. Danach hört der Regen wieder auf und die Sonne spitzt durch die Wolkendecke. Wir liegen gut und fest bei etwa 5 Meter Tiefe, spannen das Sonnensegel, machen das Schlaucherl einsatzbereit (Wasser schöpfen, Auβenborder ran, Luft und Sprit nachfüllen), verkürzen die Tripleine der Ankerboje und machen uns dann auf den Weg in die Marina, wo wir nicht nur Uschi und Wolfgang von der Cisa, sondern auch die Besatzung der Manatee treffen, die wir aus Madeira kennen. Die Beiden Schiffe haben sich bereits zum Abendessen im Restaurant verabredet und fragen uns, ob wir uns nicht einfach anschließen wollen. Wer kann da schon nein sagen? Bis zum Treffen um 1900 Uhr machen wir noch einen kleinen Spaziergang durch die Marina, die einerseits relativ leer von Booten ist, andererseits aber sehr schmuck und nett angelegt. Alles ist neu, da nach dem Hurrikan von 2005 völlig zerstört. Die Häuschen für Marinaoffice, Segelmacher usw. sind den ursprünglichen Sklavenhütten nachempfunden und bunt in allen Farben gehalten. Das Restaurant mit groβer Terrasse, überdacht mit einem Strohdach, fügt sich gut in das ganze Ambiente und macht einen lockeren und doch noblen Eindruck. Der spiegelt sich auch in der Preisliste, die eher über unserer Kategorie liegt. Aber wir hatten ja bereits am Nachmittag an Bord gegessen und so bestellen wir eben nur einen Salat. Es wird ein recht gemütlicher Abend zu Zehnt, wir ratschen und amüsieren uns bestens und machen uns gegen 2230 Uhr auf den Rückweg zur Bomika, schlieβlich brauchen ja auch unsere Katzen noch etwas Freigang an Deck und unsere Ansprache.

Wir genieβen einen schönen Sonnenaufgang um kurz nach 0600 Uhr, vertrödeln ein paar Stunden mit unseren Miezen – bevor es ihnen zu heiβ wird, dann ist die unbestimmte Zeit um und ich entere doch noch den Mast, um es trotz Schaukelei und Wind zu probieren. Festhalten ist teilweise etwas schwierig, aber irgendwann ist die Lampenfassung ausgetauscht, die LED Dreifarben-Lampe ausgewechselt und alles wieder fest und dicht. Dann noch die durchgescheuerten Leinenabweiser abknoten, wenn man schon mal oben ist und das war’s dann. Nach einer Baderunde fahren wir mit unserer Gummiwurst samt Kaufhauskläffer durch die Inseln und landen auf Baradal an. Wir spazieren am Strand entlang und schnorcheln ein bisschen, aber irgendwie sind uns hier zu viele Leute. Deshalb ist wohl auch von den Wasserschildkröten nicht viel zu sehen. Am Riff brechen sich die Wellen mit ziemlicher Wucht, dort ist es also nichts mit Schnorcheln, wir haben da einfach noch viel zu viel Respekt vor. Aber nur ein paar Meter in das Wäldchen hinterm Strand wacht ein Iguana, ein Leguan und nickt fleiβig mit seinem Kopf. Kurz darauf kommen noch zwei dazu und beginnen ihre Revierkämpfe. So unbeweglich wie sie aussehen, diese Leviatans sind nicht nur groβ, sondern mindestens genauso flink wie kleine Salamander. Danach ziehen wir uns wieder in die Ruhe unseres schwimmenden Heims zurück. Vor uns legt sich ein Charter Katamaran vor Anker und liegt genau auf unserer Ankerboje. Der Skipper kommt netterweise gleich zu uns rüber und fragt, wann wir morgen auslaufen wollen, ob wir evtl. schon früher loswollen als 0830 oder 0900Uhr? Nein, kein Problem. Wir ratschen noch ein bisschen, er hat sein eigenes Schiff in Martinique liegen und will im Dezember damit weiter segeln, auch nach Süden Richtung Argentinien und Patagonien. Vielleicht trifft man sich ja wieder?
Natürlich sind wir am nächsten Morgen eher auf und bereit zum Auslaufen als der Kat und sobald er seinen Anker oben hat, ziehen wir auch unser Eisen aus dem Sandgrund. Nachdem es nur knapp 5sm sind bis Union Island, lassen wir die Sonnenpersenning stehen und die Segel eingepackt. Ist uns auch sicherer, durch die Untiefen und Riffe zu fahren, da man unter Motor doch schneller reagieren kann. Jede Menge Untiefen erwarten uns auch in Clifton Harbour auf Union Island, die sich auch im Hafen bzw. der Hafenbucht fortsetzen. Das erste Ankermanöver glückt zwar, aber irgendwie ist der Platz zu eng und der Ausflugssegler mit seinem langen Bugspriet gabelt sich fast in unser Heck. Also zuwenig Platz für ihn zum manövrieren, wenn er losmacht bzw. bei Wiederkehr wieder an seine Boje will. Auch für uns wird es eng mit dem Schwojkreis, wenn der Wind etwas dreht, da viele der anderen Boote auch an Mooringboje liegen und damit die Bewegungsfreiheit einschränken. Wir handeln einen Preis für eine Mooringboje aus, da wir schon von allen Seiten mit Bojenangeboten bedrängt werden und liegen dann ziemlich weit vorn zum Riff in ruhigem Wasser, die Bojenverankerung und das Mooringgewicht sind gut dimensioniert, wie sich wenig später beim Schnorcheln bestätigt. Noch bevor wir richtig fertig sind mit Aufklaren und Dingi lenzen, kommen Otto und Irene von der SY „Eisbär“ zur Begrüβung vorbei. Die Wiedersehensfreude ist groβ und es gibt etliches zu erzählen. Später treffen wir uns noch mal in der Stadt auf einen Drink, aber vorher machen wir einen Spaziergang durch Clifton Harbour, besichtigen das Angebot (und die Preise) einiger Supermärkte und kaufen etwas Gemüse und Obst an den bunten und liebevoll mit den Früchten geschmückten Ständen. In einer einfachen Bar, die hauptsächlich von Einheimischen und Hängen gebliebenen frequentiert wird, nehmen wir einen Drink und lassen uns den Lunchteller kredenzen. Es gibt jeden Tag nur ein Gericht (soweit gekocht wurde), heute ist es Reis mit Gemüse und gebratenen Hühnchenteilen. Die Portion ist zwar nicht üppig, aber der Preis auch nicht, bei 33 EC$ (knapp 10€) für 3 Getränke und 2 Portionen kann man nicht meckern. Für den Abend lädt uns Otto auf einen Drink auf „Happy Island“ ein. Das ist eine kleine Insel bei der Hafeneinfahrt, ursprünglich ein kleiner Sandhaufen mit 3 Palmen, der dann von seinem jetzigen Besitzer langsam und mühevoll ausgeweitet und vergröβert wurde. Jetzt hat sie ein Fundament aus Beton in Form eines Schiffsrumpfs mit groβer Terrasse und einer Hütte, die aus der Ferne an ein gestrandetes Schiff erinnert. Otto holt uns mit dem Dingi ab und während wir unsere Rum Punsch schlürfen und auf Ottos 60sten Geburtstag anstoβen, werden weitere Gäste angelandet. Einer der Bootsführer ist als Pirat gekleidet und sieht verwegen aus, hat aber den Charme von Captain Jack Sparrow abgekuckt. Der Inselbesitzer und Koch macht sich derweil an die Arbeit und grillt Hummer und Fisch. Zum Essen gibt’s allerdings nur etwas, wenn man vorbestellt, da Fisch und Fleisch nur entsprechend der Vorbestellungen bei den Fischern oder beim Metzger eingekauft werden. Also nichts für uns. Nachdem es zwischenzeitlich dunkel geworden ist und sich bei allen der kleine Hunger breit macht, kehren wir in leicht gehobener Stimmung auf unsere Schiffe zurück.
Am Mittwoch begegnen wir noch mal Otto und Irene im Dingi während wir zur Pier tuckern, wir verabschieden uns und hoffen auf ein weiteres Treffen aus Carriacou in der Tyrrelbay, ansonsten spätestens in Grenada, bevor Otto seinen 8-monatigen Heimaturlaub zum Arbeiten antritt. Vielleicht steht bis zu seiner Rückkehr in die Karibik ja auch noch was anderes an, evtl. eine Hochzeit oder so was? Die Zukunft wird’s schon bringen und die beiden passen ja wirklich sehr gut zusammen. An Land schauen wir bei Erika’s Yachtservice rein und nutzen die Internetverbindung, um einen ganzen Schwung Bilder hoch zu laden. Emails und sonstiges erledigen wir von Bord aus über eine schwache WiFi Verbindung vom Yachtclub, die zwar immer wieder abbricht, aber für kleinere Sachen wie Emails und kurze Webbesuche durchaus reicht. Bei Erika’s gibt es auch jede Menge Bücher und DVDs zu tauschen. Beim Strandspaziergang watet Lisa durchs kniehohe klare Wasser und findet eine riesige Conch Muschel, deren Bewohner wohl schon ausgezogen ist. Aber vielleicht kommt der Nächste ja schon bald nach? Der Immobilienmarkt bei Einsiedlerkrebsen soll ja recht florieren. Wir besorgen uns noch frisches Brot, etwas Wurt und Käse, und besuchen unsere „Lunch-Bar“ von gestern noch mal. Heute gibt es allerdings kein Menü, da es gestern für die Wirtin spät wurde und sie daher heute nicht kocht. Aber ein Sandwich wäre möglich, Thuna oder Ham-Cheese. Wir lernen inzwischen Peter kennen, der sich zu uns gesellt. Er ist in St.Vincent geboren, hat 3 Jungs und eine Tochter, arbeitet als Maler und Anstreicher und lebt seit 8 Jahren auf Union Island. Auch leicht angesäuselt ist er ganz nett und er versucht uns zu überreden, über die Osterfeiertage und ganz besonders Sonntag auf Montag noch für die Festivitäten da zu bleiben. Aber das wird sicher auch auf den anderen Inseln groβ gefeiert und wir sind letztendlich froh, uns wieder loszueisen. Wir erkundigen uns noch beim Zoll wegen der Öffnungszeiten und treten dann die Rückfahrt an. Schräg vor uns ist ein französischer Motordampfer beim Ankerversuch im Flach auf Grund gelaufen, die Taxi- und Moorig-Boote schwirren hin und herum, warten auf die Flut, damit zumindest diese paar Zentimeter noch helfen, kommen wieder und versuchen alles mögliche. Irgendwann schwimmen sie wieder, legen am Pier des Yachtclub an und dampfen später aus dem Hafen. Überhaupt herrscht ein reges Kommen und Gehen, vor allem Charterkatamarane sind übermäβig vertreten.
Am Donnerstag besuchen wir unseren Deutschen Nachbarlieger Volker auf seinem kleinen Katamaran SunJet, da man den ganzen Tag kein Lebenszeichen von ihm sieht. Es stellt sich heraus, dass er nur wegen der Internetverbindung dauernd an seiner Webpage bastelt. Er kam von Hamburg über die Kanaren, Senegal und Gambia nach Brasilien und ist dann die Küste hoch bis in die Karibik. Er wollte eigentlich wieder zurück segeln, um wieder etwas Geld zu verdienen, hat aber für April das Angebot einer Yachtüberführung nach Europa bekommen, mit dessen Bezahlung er dann erstmal noch weiter segeln kann. Wir ratschen erst eine ganze Weile bevor ich mit Lisa an Land fahre zum Büchertausch bei Erika’s Yachtservice. Es stellt sich heraus, dass Erika vom Chiemsee kommt, das beschwört natürlich auch einen kurzen Plausch herauf. An der Lunch-Bar – das günstige Mittagessen ist heute schon ausverkauft – verdampfen wir ein Limo in unseren trockenen Kehlen und unterhalten uns mit einem Einheimischen. Danach machen wir uns auf zum Zoll und Immigration und klarieren aus, bevor wegen der Osterfeiertage alles geschlossen ist. Zurück an Bord verabreden wir uns mit Volker von der „Sunjet“, der uns etwas später auf Bomika besucht. Er ist schon lange unterwegs und ein rechter Lebenskünstler, kennt sich zur Freude von Lisa super mit Formel 1 aus, aber auch mit etlichen anderen Dingen. Bei so guter Unterhaltung schmeckt der selbst gemixte Rumpunsch, genauso wie der gute Rotwein, den Volker mitgebracht hat sowie die leckere Pizza, die Lisa im Ofen gezaubert hat. Morgen soll Linocat aus den Cays ankommen und Volker überredet uns, doch noch einen Tag länger zu bleiben. Was sind schon 1 oder 2 Tage?
Am Freitag ist PC-Arbeit angesagt, vor allem, da uns Volker eine ganze Latte Filme zum anschauen/tauschen/kopieren mitgebracht hat, dann schwimmen. Die Internetverbindung vom Yachtclub ist derweil verlustig gegangen, die anderen links akzeptieren keinen Internetzugang, eine gute Ausrede für Wasserspiele. Ich schnorchle erst ein Stück Richtung Riff, drehe dann aber um, bevor die Puste nicht mehr reicht zum Zurückschwimmen. Ohne Flossen ist es doch etwas anstrengend, dann schwimme ich noch kurz zu Volker, der leiht mir seine Flossen zum ausprobieren und wow! Welch ein Unterschied, auch wenn erstmal die Schenkel Ermüdungserscheinungen und Krampfansätze zeigen. Man kommt viel schneller und mit weniger Kraftaufwand voran. Nachdem ich ihm von der Lunch-Bar erzähle, ist er Feuer und Flamme, das doch gleich auszuprobieren. Also zurück zur Bomika, Salz abduschen, anziehen und los geht’s. Zu Dritt landen wir an und gehen schnurstracks zur Bar. Die nette junge Dame war letzte Nacht mal wieder bis in die Puppen auf, deshalb kein Lunchmenü, aber sie könnte uns ein paar gefüllte Wraps anbieten. Die werden frisch zubereitet mit Kartoffel, Gemüse und Fleischfüllung (vermutlich Herz, aber das will ich gar nicht so genau wissen). Jedenfalls mundet es, der Hunger ist gestillt und der Durst auch. Michael und sein Zwillingsbruder Andreas haben beim Müllentsorgen unser Dingi gesehen und sich in dem kleinen Ort auf die Suche nach uns gemacht. Sie schlagen ein Treffen auf Happy Island zu einem Sundowner vor. Eigentlich hätten sie gerne ein BBQ für heute Abend gebucht, aber wegen Feiertag und damit fehlender Einkaufsmöglichkeiten für den Koch gibt es nur Getränke. Wir verabreden uns alle für 17:30 Uhr auf der künstlichen Insel und machen uns dann langsam auf den Rückweg. Lisa kriegt am Nachmittag einen schlimmen Anfall von Putzfimmel und reinigt und poliert die Messinglampe und –Uhr. Die unzähligen Edelstahlteile am Schiff bleiben aber leider trotzdem mit überlassen. Nur brennt dafür tagsüber die Sonne zu stark herunter. Aber lang dauert es eh nicht mehr, dann dürfen wir uns auf den Weg zum Sundowner machen. Wir holen Volker ab, fahren dann bei Linocat vorbei und laden Andreas und eine seiner Töchter ein und fahren schon mal vor zum „Happy Island“. Wie gewohnt, werden wir vom Wirt, der irgendwie aussieht wie der junge Bruder von Whoopi Goldberg, begrüβt und bekommen in Kürze unseren Rumpunsch serviert. Die restliche Linocat Crew folgt in Kürze und obwohl der Sonnenuntergang wegen der dunstigen Sicht heute wenig spektakulär ausfällt, schmeckt der Rumpunsch nicht weniger. Nach der dritten Runde geht es auf den Rückweg, wir verbringen noch etwas Zeit mit unseren Miezen im Cockpit, dann ist Matratzenhorchdienst angesagt, auch wenn die feuchte Hitze sich anfangs dagegen stemmt.
Am Samstag besucht uns Volker zum morgendlichen Kaffee und bringt Honigbrot mit. Wir ratschen noch über dies und jenes und bekommen von ihm noch ein paar elektronische Files wie Seehandbücher zum Pazifik und ein Lernprogramm für Amateurfunk, damit wir uns auf eine Prüfung nach amerikanischem Standard vorbereiten können, die wir dann später bei einem autorisierten Funker ablegen können. Kurz vor Mittag werden die Leinen gelöst und wir motoren die kurze Strecke nach Petit Martinique, suchen uns einen guten Ankerplatz am Rande des Bojenfelds der Einheimischen und werfen unser Eisen neben einem Deutschen Einhandsegler. Obwohl hier der Grund hauptsächlich aus Korallensand besteht, gräbt sich der Anker gut ein und hält bereits beim ersten Versuch, wir stecken 45m Kette bei 9m Wassertiefe und kontrollieren den Anker noch mal mit Zug auf die Kette sowie mit Brille und Schnorchel. Am Nachmittag noch ein paar Aufräum- und Umstauarbeiten, die unsern Lesewahn unterbrechen. Nachdem alle Karibikinseln dieses Jahr bereits seit Oktober von einer besonderen Trockenheit heimgesucht werden, ist Wasser knapp geworden und wird streng rationiert bzw. muss teuer von den gröβeren Inseln eingekauft und transportiert werden. Einmal mehr sind wir froh um unseren Wassermacher, der uns volle Tanks beschert und die Möglichkeit von Süβwasserduschen nach dem Schwimmen oder vor dem Schlafen gehen.
Der Ostersonntag begrüβt uns sonnig und warm, wenn auch etwas diesig. Gegen Mittag bekommen wir Besuch an Bord, Berthold von der „Equinox“, die neben uns ankert, schaut vorbei. Er ist von den Kap Verden mit seiner Frau nach Brasilien gesegelt, und nach etlichen Reisen mit Bus und Bahn in das Hinterland von dort aus alleine die Küste hoch nach French Guyana und Surinam, Tobago, Trinidad und Grenada. Wie sich herausstellt, haben wir ein paar gemeinsame Bekannte in Seglerkreisen wie „Eisbär“, die „Delphin“ und andere. So gibt es viel zu erzählen und auszutauschen. Wir verabreden uns fr den Abend beim Palm Beach Restaurant für ein gemeinsames Ostermahl, das wir uns alle zum Feiertag leisten werden. Wir machen uns schon vorzeitig auf den Weg, um die Insel etwas zu erkunden. Der Strand dient als Strasse, die Hauptstrasse ist einspurig, aber mit verkehrsberuhigenden Schwellen. Postamt, Schule und Kindergarten sind vertreten, die beiden letzteren zeichnen sich durch nette Bilder, die bunt an die Hauswand gemalt sind, aus. Figuren aus Sesamstrasse und Micky Maus beim Kindergarten, die Inseln Grenadas sowie etliche lokale Früchte bei der Schule. Hoch am Himmel zählen wir 11 Drachen, die dort stationär zu sein scheinen oder ihre Bahnen ziehen. Nur die Kinder, die die Drachenschnüre lenken, können wir nicht entdecken, bis auf zwei, die auf einem schrägen Hausdach herumlaufen. Die Häuser und Anwesen sind sehr gemischt, neu und feudal neben als und heruntergekommen, dazwischen ein paar verfallene Häuser. Ziegen und Schafe laufen überall herum und sind – von uns abgesehen – meist die einzigen anderen Spaziergänger auf der Strasse. Die Einwohner sitzen oder stehen meist auf ihrer Veranda, Gartenlaube, an Hausecken oder beim Wartehäuschen gegenüber der Schule. Das Müllproblem der Inseln ist auch hier gegenwärtig, die Behörden scheinen das nur sehr langsam in den Griff zu bekommen. Am Strand läuft uns eine kleine Krabbe über den Weg, die von den anrauschenden Wellen immer wieder auf den Strand gespült wird, dabei wollte sie vor uns ins Wasser flüchten. So wird sie allerdings auch immer nur kurz für uns sichtbar, wenn sich die Wellen zurückziehen und bevor die nächste auf den Strand rauscht. Rechtzeitig zu unserer Verabredung treffen wir Berthold bei Sonnenuntergang vor dem Restaurant, genehmigen uns einen Sundowner als Aperitif, gefolgt von Conch Muschel für Lisa, scharfes Grillhähnchen für mich und Sparribs für Berthold. Alles schmeckt vorzüglich, wir ratschen viel und die Zeit vergeht wie im Flug.

Am Montag morgen pfeift es erstmal recht kräftig, was uns aber von einem Ritt mit dem Schlaucherl nicht abhält. Der Müll wird fachgerecht entsorgt, dann ab ins Internet, Logbuch update, Wetterdaten laden, usw. Linocat hat uns auch eine Email geschickt, sie sind definitiv unterwegs und werden heute Nachmittag oder abend in Bequia eintreffen. Wir treffen noch Philip von der Dora beim Wickeln des Babys, den wir auf den Islas Desertas bei Madeira kennen gelernt hatten. Er ist gestern eingelaufen und hat uns einen kurzen Besuch auf der Bomika abgestattet, kaum dass sein Anker herunten war. Dann ab in den Obst- und Gemüsemarkt, diesmal aber nicht in der Markthalle mit den vielen Ständen, sondern in einem Garten, wo wir von zwei schwarzen Ladys bedient werden. Dann zum Supermarkt für ein paar Flaschen Limo und zum Schluss noch 2 Baguettes. Dann geht’s voll bepackt zurück, der Weg zum Dingianleger ist Gott sei Dank nicht sehr weit. Die Einkäufe werden verstaut, wir lesen noch ein bisschen und etwa 1 Stunde vor Sonnenuntergang läuft die „Linocat“ ein. Michael kommt mit seinem Töchterchen Lani gleich nach dem Ankern bei uns vorbei, schlieβlich will Lani doch die Katzen sehen! Aber Mutti ist zum Kochen an Bord geblieben und wird zu sehr vermisst, so müssen die Beiden bald wieder zurück zu Linocat.
Am nächsten Morgen bereiten wir alles zum Auslaufen vor, klettern in unser Schlaucherl und besuchen Linocat zum Verabschieden. Die Chancen stehen gut, dass wir uns nächste Woche in den Tobago Cays noch mal treffen, nachdem Michi seinen Bruder mit Frau und Kindern am Samstag in Martinique abgeholt hat. Danach schauen wir noch bei Philippe und seiner norwegischen Freundin, Tochter und Baby vorbei. Für ihn geht der Kurs nach Norden und wieder zurück über den Atlantik, aber vielleicht sieht man sich auf seiner nächsten Reise irgendwo im Pazifik wieder? Zurück bei Bomika wird der Auβenborder abgehängt und verstaut, dann heiβt es „Anker auf!“ und es kann los gehen. Der Wind ist eher mäβig mit 3-4 Bft und wir überlegen schon, ob wir das Groβ nicht ausreffen, damit es gut ausgelüftet und ausgeschüttelt wird. Doch kaum haben wir die Bucht verlassen, da gibt’s eins auf die Mütze, dabei ist Weihnachten schon längst vorbei. Eher müssten die Ohren lang gezogen werden, wo doch bald Ostern ist. Wir sind froh, doch nicht ausgerefft, sondern die beiden Reffs im Groβsegel eingebunden gelassen zu haben. Der Wind steigert sich zu satten 5-6 Bft. mit Böen von 7 Bft., dreht von Nordost bald auf Ost und Südost und lässt uns damit hart an den Wind gehen. Bomika liegt gut in der See und taucht immer wieder gut in die Wellen ein, wenn es sein muss auch mit der ganzen Breitseite. Die Wellen sind, wohl auch wegen der teilweisen recht geringen Tiefe, eher steil und kurz und man fühlt sich ans Mittelmeer erinnert. So etwa muss es auch in Griechenland im Sommer sein, wenn der Meltemi kräftig bläst: Sonne, blauer Himmel, Starkwind und entsprechende Wellen. Der kräftige Wind zaubert mir beim Steuern zusammen mit etwas Salzwassergischt eine seitwärts stehende Frisur, die jeder Werbung für Drei-Wetter-Taft zur Ehre gereicht hätte. Als wir in die Abdeckung von Canouan kommen, werden die Wellen zwar geringer, aber die Böen bleiben heftig, selbst nachdem der kurzfristig nachlassende Wind Entwarnung signalisiert. Der Anker beiβt gleich beim ersten Mal gut und ist richtig im Ankerfeld platziert, wie wir nach einer Winddrehung in der Bucht merken. Der Abstand zu den Nachbar Liegern passt perfekt. Auch Soca ist darunter, die uns ja auf Bequia Dank ihrem slipenden Anker eines Nachts zum Ankuscheln ausgesucht hatte. Tita jubelt schon, als ich endlich die Sonnenpersenning wieder aufgespannt habe und sie sich auf ihrem „persönlichen Trampolin“ wieder vergnügen kann. Feivel beäugt die neue Umgebung bei einem Decks Rundgang, ist aber wohl nicht so auβerordentlich beeindruckt und verzieht sich bald wieder in den Salon. Der Wind pfeift sich eins und dreht sich um 180º, muss wohl ein Politischer sein. Oder liegt es nur an den geologischen Verhältnissen der Insel, dass er in der Bucht sein Fähnchen in alle unmöglichen Richtungen dreht? Nordwest ist ja in der Karibik um diese Jahreszeit äuβerst ungewöhnlich, üblicherweise schwankt er zwischen Nordost und Südost. In der Nacht pfeift es weiter böig in die Bucht, aber es baut sich keine Welle auf. Am Morgen ist der Spuk vorbei, dafür ist es bereits kurz nach Sonnenaufgang bereits stickig heiβ und jede kleine Bewegung schweiβtreibend.
Allerdings dauert es auch nicht lange, dann meldet sich der Wind und insbesondere die kräftigen Böen wieder zurück. Die können ganz schön aufs Gemüt gehen! Nach einem kurzen Bad packen wir frisch gewaschen und geschniegelt unsere Gummiwurst und landen am Steg des Tamarind Hotels an. Von dort aus spazieren wir durch den Ort, kommen an ein paar kleinen Läden vorbei, unter anderem einem Barbier. Nachdem ich Lisa schon wegen einer Zottelkürzung in den Ohren gelegen habe, dirigiert sie mich gleich hinein, der Preis ist mit dem jungen Schwarzen schnell ausgehandelt, und der gewünschte Schnitt einfach beschrieben: „pretty short“. Also her mit der Haarschneidemaschine und in sicheren Bahnen geht es ruck-zuck wie in Militärmanier, bis nur noch eine Bürste von ein paar mm steht. Der Barbier nimmt sich Zeit und fängt jedes Härchen ein, das sich umlegt oder anderweitig verstecken will, bis wirklich alles gleichmäβig kurz ist. Wir besuchen eine Kirche weiter oben am Hang, worüber sich der Pfarrer, gerade im Gespräch mit zwei anderen Gläubigen, sehr freut und uns begrüβt. Die Kirche ist schlicht und durch die offenen Türen sehr luftig und angenehm kühl. Auf dem weiteren Weg durch den Ort biegen wir Richtung Flughafen ab und können von der Anhöhe aus Mayreau und die Tobago Cays sehen sowie die Club Med, die in der Laguneneinfahrt vor Anker liegt. Auf dem Rückweg wollen wir in die Supermärkte rein schauen, aber die sind in der Mittagshitze geschlossen, die meisten Leute sitzen irgendwo im Schatten oder auf den Veranden bei einem kühlen Getränk. Ein solches gönnen wir uns auch in einer Bar inmitten von Einheimischen, die uns gerne in ihre Mitte aufnehmen. Überall begegnen uns Ziegen, die zwar eine Leine um den Hals haben, aber mangels Pflock frei herum laufen und uns ab und an anblöken und -meckern. Am Nachmittag und Abend laufen noch etliche andere Segler ein, um in der Bucht zu Ankern, aber die Bucht ist noch weit davon entfernt, voll zu werden.
Am Donnerstag liegt dann ein Italienischer Kreuzfahrer am anderen Ende der Bucht und kutschiert seine Gäste in zwei groβen Schlauchbooten in unentwegten Fahrten an Land, immer direkt an uns vorbei. Einige der anderen Segler gehen Anker auf und setzen ihre Fahrt fort. Wir lassen es lieber noch gemütlich angehen, vertrödeln die Zeit und werden voraussichtlich Freitag oder Samstag zu den Cays aufbrechen. Aber das mit dem Trödeln wird ein Trugschluss – oder Eigentor. Lisa hat sich in den Kopf gesetzt, bei der Sonnenpersenning in der Mitte einen PVC-Stoff aufzunähen, damit Sonnensegel und Groβsegeltasche nicht so aufeinander reibt, wenn wir erstere über den Baum legen anstatt mit Spieren spreizen und darunter aufhängen. Das bringt natürlich etliche Schwierigkeiten mit sich, denn die ach so gute Nähmaschine ist eben nur eine Haushaltsnähmaschine, d.h. zum einen, zu dicker Stoff bereitet Probleme und zum anderen wird es schwierig, den Stoffwulst unten durch zu schieben. Gemeinsam erarbeiten wir eine Strategie, diese Misslichkeiten zu überkommen und zunächst funktioniert es auch. Aber als der Unterfaden wieder mal klemmt und die Naht nicht nur schief, sondern ohne richtigen halt bleibt, gibt Lisa auf und näht es lieber händisch. Der Himmel ist die meiste Zeit ziemlich bedeckt, so dass das Sonnensegel momentan auch nicht wirklich abgeht. Die Böen jagen sich weiterhin und in der Nacht wird es auf einmal feucht. Nein, keine feuchten Träume! Es regnet nur heftig, was die Inseln hier dringend benötigen. Aber nach der monatelangen Trockenheit ist es ein Tropfen auf den heiβen Stein. Trotzdem müssen wir unsere Fenster und Luken schlieβen, denn die Nasszelle macht ihrem Namen bereits alle Ehre und auch unser Bett wird nass. Der Regen zieht schnell vorüber, sorgt für eine kurze Abkühlung und am Freitag geht es weiter wie gehabt – der Planet sticht und die Böen pfeifen dazu.
Ich bringe noch den Müll weg und treffe dabei den „Trashman“ am Jetty vom Tamarind Hotel, er ist gerade dabei abzulegen und seine Runde zu machen und will unseren Müll an der richtigen Stelle abliefern, schlieβlich ist er der „Trashman“ und hat die wichtige Aufgabe von den Behörden (Di und Fr sind Müllsammeltage), 5 EC$ sollte uns das schon wert sein. Natürlich, aber man darf den Einheimischen ja auch nicht die dürftigen Einnahmequellen wegnehmen. Wegen der heftigen Böen sind wir noch am überlegen, ob wir nun auslaufen oder nicht – immer diese Unentschlossenheit! Wilbur, der Trashman kommt noch mal an Bomika vorbei, fragt nach einem kalten Bier (das er natürlich bekommt) und nach einem Geschenk wie T-Shirt, evtl auch eine Short dazu? T-Shirt ja, Shorts haben wir leider selbst nicht viel. Aber er hat auch ein Geschenk für uns, eine riesige Schneckenmuschel. Dafür tauschen wir auch gerne eins unserer Crew-Shirts ein. Er bedankt sich, wir sollen ihn in Erinnerung behalten und wünscht uns alles Gute bis zum nächsten Wiedersehen. Wir haben uns inzwischen entschlossen, der Anker kommt hoch! Um 1100 Uhr legen wir los, 2 Stunden später sind wir bereits wieder vor Anker in den Tobago Cays, gleich nördlich der Petit Bateau und westlich der Petit Rameau am Eingang der Durchfahrt zwischen diesen beiden Inselchen. Die Fahrt war unsere Erste durch ein Riffgebiet und wir entsprechend aufgeregt, auch wenn der nördliche Durchfahrtskanal recht breit ist, die Untiefen und Flachs in der Karte gut markiert sind und GPS sowie die elektronische Seekarte auf dem PC mithelfen. Vor unserem Bug sieht man das Auβenriff, dahinter 3.000sm Atlantik, die gegen das Riff donnern. Das Wasser ist türkis klar, der Grund und die Strände weiβ vom Korallensand. Unser Anker ist noch nicht lange unten, kommt Walter (ein Einheimischer) vorbei, ob wir etwas brauchen: Eis, Brot, Bananenbrot, sonstiges? Er kommt morgen früh um 0700Uhr vorbei mit der Lieferung. Eigentlich wollten wir ja direkt am Auβenriff ankern, aber nach mehrstimmigen Beschluss einer Einzelnen haben wir erstmal den Platz hinter den beiden Inselchen gewählt. Wechseln können wir später immer noch. Am Nachmittag ist Schnorcheln angesagt, dabei der Anker kontrolliert (hat sich bestens eingegraben) und ein Stachelrochen beobachtet, der sich unterm Schiff entlang der Ankerkette sanft dahinfächelt. Sein spitzer Schwanz dürfte etwa 1m lang sein, der restliche Körper ebenfalls, vielleicht etwas weniger. Wenn die Angst vor dem Schnorcheln und den Kopf unter Wasser zu halten erstmal überwunden ist, geht es eigentlich ganz gut. Mit dem Schlaucherl fahren wir noch an den Strand und genieβen das Südsee Flair, die Vögel zwitschern und piepsen in den Bäumen und ab und zu guckt eine Schildkröte aus dem Wasser. So lässt es sich wirklich aushalten! Tita klettert nach wie vor gerne die Groβschot hoch und genieβt den Ausblick vom Baum aus, oder legt sich auf die Sonnenpersenning, obwohl diese nun wie ein Giebeldach recht steil nach unten gezogen ist, seit wir sie über den Baum legen.
Samstagmorgen bekommen wir wie versprochen gegen 0700 Uhr unser Bananabread geliefert, das wir zu unserer zweiten Runde Tee mümmeln. Unser Schlaucherl bekommt Luft nachgetankt, der Kaufhauskläffer Benzingemisch. Oben im Mast wird die Halterung für den Bootshaken wieder richtig befestigt, da hatte sich ein Schräubchen gelockert (besser als bei uns). Im Mast sollte die LED Positionslaterne ausgetauscht werden, da die neuere heller sein soll. Allerdings sind die LEDs bereits dreifarbig und die Bajonettverschlüsse natürlich genau um 90º Grad verdreht. Also muss erst die Fassung ausgewechselt werden, aber das machen wir etwas später, nicht alles auf einmal. Dafür erstmal noch ein paar Fotos aus luftiger Höhe schieβen. Zwischendurch gehen wir schwimmen und schnorcheln, Lisa hat damit immer noch ihre Probleme, aber es wird etwas besser – gaaanz laaangsaaam. Dafür kauft sie von den fahrenden Händlern 2 Red Snapper ein und kann es nicht mehr erwarten, die Fische auf den Tisch respektive auf den Teller zu kriegen. Aber vorher fahren wir mit unserem Schlaucherl im Atoll herum, zwischen den Inseln durch zur Baradal Insel, deren weiβer Strand mit Begrenzungsbojen wie ein Schwimmer-/Badebereich abgegrenzt ist, um den Schildkrötenpark zu schützen. In diesem Bereich sind auch Bojen für die Schiffe ausgelegt und mindestens 20 Boote liegen hier. Dagegen liegen wir mit Bomika richtig einsam mit nur wenigen Nachbarliegern. Zwischen Jamesby und Petit Bateau vollenden wir unsere Rundfahrt und gehen noch mal an den Strand. Dabei treffen wir einen Einsiedler, der sein faustgroβes Schneckenhaus vom Meersaum den Strand hinauf trägt und dabei unseren Weg kreuzt. Er beäugt uns mit gewisser Scheu, geht dann aber vorsichtshalber doch seiner Wege und dreht sich dabei noch mal um, ob wir ihm auch nicht folgen. Unter einer Palme finden wir eine ganze Ansammlung von Conch Muscheln, teilweise schon mit Korallen versteinert, teilweise recht frisch, aber alle leer. Mitnehmen darf man hier ja nichts, also lassen wir das Arrangement brav liegen. Zurück an Bord nehmen wir unsere Angel in Angriff. Nachdem beim letzten Fischenversuch die Leine abgebissen wurde, haben wir uns eine stärkere besorgt, die es jetzt aufzuspulen gilt. Den Knoten der alten Leine auf der Trommel zu lösen, ist schon nicht einfach; die neue Leine anzuknoten wird schon schwieriger. Aber beim Aufspulen vertörnt und verheddern sich die 100m Leine hoffnungslos. Irgendwie haben wir da was falsch angepackt und büβen dafür mit vielen Musestunden des Entknotens und Aufdröselns. Nachdem unsere letzten Bananen aus Bequia überreif und schon aufgeplatzt sind, schneiden wir sie in dünne Scheiben, bestäuben sie mit etwas braunem Zucker und Zimt und legen sie zum Trocknen in die Sonne. Im Nachhinein wäre wohl der Ofen besser gewesen, denn das Trocknen dauert fürchterlich lange und ein Rest „Baazigkeit“ bleibt. Schmecken aber trotzdem, unsere selbst gemachten Bananenchips.
In der Nacht verdunkelt sich der Sternenhimmel, der Wind frischt auf und bläst mit meist guten 25 Knoten zwischen den Inselchen durch, kleine, kurze Wellen mit Schaumkronen bauen sich auf und am frühen Morgen, etwa 3 Stunden vor Sonnenaufgang, kommt der erlösende Regen dazu. Am Vormittag beruhigt sich alles wieder, der Himmel wird blau und krönt sich mit weiβen Schäfchenwolken. Der Rest der Angelleine wird enttörnt – hurra! Geschafft! – und damit der halbe Tag vorbei. Aber wenigstens ist die Angel für die nächste Gelegenheit soweit vorbereitet. Den Rest des Tages vertrödeln wir mit Lesen, Saubermachen und Schreibarbeiten, nebenbei ein bisschen Schwimmen und Schnorcheln. Um den Mast noch mal zu entern ist es doch etwas zu schuckelig, vor allem, wenn es um das Hantieren mit so kleinen Schräubchen im Masttop geht. Vielleicht ist es ja morgen ruhiger, ansonsten wird diese Arbeit halt auf unbestimmte Zeit verschoben.

Verfasst von: bomika | 22. März 2010

Mo – So, 15.-21.März 2010 (Bequia)

In der Nacht schlafen wir etwas unruhig, es ist einfach zu heiβ im Schiff und man schwitzt schon im Liegen. Bei einem der nächtlichen Rundumblicke sehen wir die SY „Soca“ auf einmal neben uns, ihr Anker hat geslipt und sie kommt uns so nah, dass wir ihre Reling greifen können. Ich springe ins Dingi und klopfe drüben kräftig aufs Deck, um die Crew zu wecken, helfe vom Dingi aus beim Anker-Auf Manöver, dann ist wieder Ruhe. Dafür werden wir morgens noch mal frühzeitig geweckt, als der lang ersehnte Regen herunter prasselt. Schnell die Decksluken und Fenster schlieβen, bevor wir den Regen im Schiff haben! Die Kreuzfahrer laufen auch einer nach dem anderen ein und ankern in der Bucht. Erst die Sea Cloud, eine Viermastbark, dann die ClubMed; beide haben wir ja schon früher in Kroatien und auch schon auf Barbados und Bequia gesehen. Die gesammelte Crew der „Soca“ kommt mit dem Dingi vorbei und bedankt sich noch mal für die Nachtaktion, vor allem auch dass wir so ruhig geblieben sind, was sie wohl verwundert hat (haben wohl schon schlechte Erfahrungen mit Deutschen gemacht). Vormittags geht’s in den Ort zum Internetten, dann noch zu Jürgen in die ship’s chandlery. Ein paar der Sachen sind nicht vorrätig (Ersatzlampe fürs Bad und die Badeleiter zum Einhängen), der Rest wird bestellt. So Gott (und der Zoll) will, wird alles am Donnerstag oder Freitag da sein. Am Nachmittag wird gefaulenzt, aber nicht nur. Der Bootsrumpf wird noch geputzt – diesmal oberhalb der Wasserlinie, das Schlaucherl schreit nach Luft in einer Kammer und der Kaufhauskläffer nach Benzingemisch. Am Abend setzen wir uns mit Elli und Bernd auf einen Abschiedsdrink zusammen und besichtigen ihre noch neue Bavaria Cruiser 34. Etwas kleiner als unsere, aber das Platzangebot und die Ausstattung ist gut! Dabei stellt sich auch noch heraus, dass der Wanderführer, den wir in Gomera im Büchertausch aus dem Regal erstanden haben und der sogar topaktuell war, von den Beiden stammt. In Gomera müssen wir uns knapp verpasst haben, aber bestimmt werden wir uns in den Grenadines oder Grenada noch mal treffen – wir werden sehen!
Die Nacht verläuft diesmal ereignislos, auch wenn uns die Hitze in der Kabine nur schwer einschlafen lässt. Nach dem Kaffeetrinken winken wir noch Elli und Bernd beim Auslaufen, dann geht’s mit dem Schlaucherl an Land, erst Müll wegbringen, dann zum Obstmarkt. Wir wollen uns mit Frischobst und Gemüse für die nächsten Tage eindecken, sind mitten im Verhandeln, Waren testen und aussuchen am ersten Stand, da kommen auch die Verkäufer von anderen Ständen, wir sollen doch auch bei Ihnen noch etwas kaufen – nicht alles bei Einem! Machen wir ja auch, nur Geduld! So kaufen wir bei 3 Ständen, dem Vierten versprechen wir beim nächsten Einkauf in ein paar Tagen Rechnung zu tragen. Dann zum Supermarkt bzw. vorher noch einen Abstecher zur Bank, Plastik gegen Bargeld tauschen am Automaten. Der erste davon ist mal wieder wegen Überlastung (oder Mangels Barem) geschlossen, aber es gibt ja einen zweiten Automaten im Ort, der auch gut genutzt wird, wie die Schlange zeigt. Im ersten Supermarkt scheinen Getränke nur aus Wasser oder Alkohol zu bestehen, beim Zweiten werden wir fündig und erstehen ein paar Flaschen Limo für unsere „Radler“ oder „Tinto Verranos“ (gespritzten Rotwein), damit der Alkoholgehalt reduziert und der Erfrischungseffekt verstärkt wird. Zurück an Bord, Sonnenpersenning abbauen, Fender wegstauen und dann gehen auch wir Anker auf. Es wird eine kurze Reise auf die Rückseite der Insel zur Friendship Bay, in der auch das Walmuseum sein soll. Aus der Admiralty Bay geht es mit Rückenwind in der Genua, aber kaum ist die Huk gerundet, stehen 5-6 Bft. gegenan. Aber bei Südost war das eben zu erwarten. Die Distanz ist nicht weit, soviel Diesel können wir uns noch leisten. Nach insgesamt knapp 2 Stunden liegen wir schon wieder vor Anker. Es weht nicht mehr ganz so stark, in der Bucht ist es ruhig, wenn auch etwas Schwell steht und uns hin- und herschaukelt. Wir setzen wieder die Sonnenpersenning, damit wir nicht ganz verbruzzeln. Die hilft auch, den Wind durch das Cockpit zu kanalisieren und somit für die nötige Kühlung sorgen.
Am Mittwoch tuckern wir mit dem Schlaucherl an die nahe Pier direkt bei der Friendship Hotelanlage und beginnen den Weg um die Bucht. Eine schwarze Hündin schaut uns treuherzig an und begleitet uns. Wir folgen der Strasse, die zunächst dem Strand folgt, dann aber in einem Taleinschnitt landeinwärts und bergan folgt. Obwohl es erst 0900 Uhr ist, brennt die Sonne bereits heiβ herunter und so drehen wir um und suchen eine Abzweigung. Die finden wir auch, aber anstatt auf die Hauptstrasse biegen wir in eine Hotelanlage ab und gelangen so wieder zum Strand. Das ist eben doch der kürzeste und auch angenehmste Weg. Als selbiger zu Ende ist, haben wir fast die andere Seite der Bucht erreicht und die Strasse bleibt die einzige Alternative. Allerdings landen wir so auf einem Privatgrundstück und werden gleich höflich darauf hingewiesen, dass der öffentliche Weg mit einer Treppe gleich daneben ist. War nur vom Strand aus nicht so einfach zu sehen. Auf der Strasse geht es weiter um ein Kap, an dem das Müllproblem von Bequia deutlich wird. Der Abfall sollte wohl im Meer landen, ist aber an den Klippen und dem darauf wuchernden Gestrüpp, Bäumen und sonstiger Vegetation hängen geblieben – kein schöner Anblick und erinnert sehr an Griechenland. Wenigstens erreichen wir bald unser Ziel, das Walfang Museum. Etwas anders, als man sich ein Museum vorstellt, wie man auch auf dem Bild sehen kann, das wir von auβen knipsen. Am Mauerwerk wird gerade gearbeitet und repariert, Sand und Mörtel sind direkt am Eingang aufgehäuft. Die „Ausstellung“ besteht nur aus einem offenen Raum mit alten Bildern, Karten, Zeichnungen, auch ein paar neuere Fotos von den hiesigen Walfängern. Walknochen, Harpunen, Lanzen, Seilkörbe und ähnliches sind die Ausstellungsstücke. Einer der „Maurer“ gehört wohl zur Familie der Besitzer, seinem Groβvater gehört wohl auch die kleine Nachbarinsel zwischen Petit Nevis und Bequia, eher ein groβer Felsbrocken im Meer, auf dem früher die Walfangstation war. Die befindet sich nunmehr auf einer Untiefe vor der Friendship Bucht. Walfang, so erzählt er stolz, wird auch heute noch mit kleinen Ruderboote von 7-9 Metern Länge betrieben, genau wie zu den alten Zeiten. Der Harpunier, der vor 6 Jahren im Kampf gegen den Wal verloren hatte und wie Kapitän Ahab auf See geblieben ist, ist wohl eine Kultfigur der Insel im Walfang, jedenfalls fangen die Augen unseres „Führers“ beim Erzählen über ihn zu leuchten an. Auch die Bilder vom Harpunier erinnern an die Bebilderung des Buches vom weiβen Wal. Wer schon mal einem Wal in Natura begegnet ist und dann die kleinen Holzboote sieht, mit denen hier Walfang betrieben wird, kann sich vielleicht vorstellen, was für ein gefährliches Abenteuer das ist. Und das findet auch nur noch recht selten statt, wenn wir das richtig verstanden haben. Die Einheimischen haben wohl die Erlaubnis, jährlich 3 oder 4 Wale zu fangen und fallen unter die Regelung wie für die Aborigines in Australien. Auf dem Rückweg statten wir einer kleinen Bar einen Besuch ab, die gleichzeitig auch der Kramerladen ist. Dem Ladenbesitzer gehört auch der Hund, der uns immer noch folgt. Er gesellt sich wohl jeden Tag zu anderen Touristen und läuft mit ihnen mit. Jeder kennt ihn und jeder weiβ wo er hingehört. Am Abend laufen noch zwei Segler ein, die „Luna Azzurro“ und ein groβer Katamaran. Beide bleiben allerdings nur für die Nacht und sind am nächsten Vormittag wieder verschwunden. Ebenso der alte Zweimaster, der bei unserer Ankunft schon hier lag.
Wir lassen den nächsten morgen trotz kräftigem Ostwind gemütlich angehen, laden die neuen Wetterdaten aus dem Internet und unsere Bilder hoch, reinigen den Loggeber, in dem sich irgendwelche schleimige Substanz eingenistet hatte und das Rädchen blockierte. Wir lassen den Wassermacher noch laufen und zumindest den vorderen Tank auffüllen, unterwegs wird dann der hintere Tank dran sein. Die Sonnenpersenning wird wieder aufgeräumt, dann kann es losgehen, zurück zur Admiralty Bay. Vorher beobachten wir noch, wie ein Katamaran wohl abkürzen wollte und dabei die Untiefen zwischen Hauptinsel und dem Felsen mit der Walstation unterschätzt oder aus sonstigen Gründen ignoriert hat. Er scheint kurzzeitig festzusitzen, aber eine Menge kleiner Boote mit kräftigen Auβenbordern ist zur Stelle und helfen bereits, der Kat läuft ab nach Petit Nevis, bevor wir den Anker oben haben. Bis der Anker klariert ist und alles aufgeräumt, haben wir die felsige Untiefe bereits gerundet und die Südküste von Bequia zieht recht schnell an uns vorbei. Da uns ab der nächsten Ecke kursbedingt Gegenwind erwarten wird, lohnt es sich noch nicht mal, die Genua auszurollen, die Batterien können den Saft auch gebrauchen, der Wassermacher läuft nebenbei und bereits eine halbe Stunde später biegen wir bereits um die Ecke um die restlichen 3 Meilen in die Admiralty Bay, genau gegen den Wind, einzulaufen. Die Bucht ist ziemlich voll, aber Plätzchen gibt es trotzdem noch genug, auch ohne Teig kneten oder den Ofen zu bemühen. Unser Anker beiβt sich gleich beim ersten Mal wieder fest, der Wind ist gewohnt böig aber die Bucht ohne nennenswerten Schwell, im Vergleich zur Friendship Bay. Wir machen das Schlaucherl klar und ich tuckere zur Ship Chandlery von Jürgen, um wegen unserer Bestellung nachzufragen. Die liegt in St.Vincent beim Zoll, Jürgen will sich morgen früh darum kümmern, dass alles glatt läuft und der Auslieferung nichts im Wege steht. Die Fähren zwischen Kingstown und Bequia verkehren ja häufig genug. Bei der Rückfahrt zur Bomika stottert der Kaufhauskläffer öfters und geht zweimal aus. Also ganz langsam auf niedriger Flamme, dann geht’s. Wind und Wellen schieben ja mit.
Am nächsten Tag wird der „Kläffer“ durchgecheckt, der Vergaser etwas anders eingestellt, und – so uns die oberen Mächte hold sind – wird er zukünftig wieder besser laufen. Danach geht’s in den Mast, da der Auβenlautsprecher, der auch als Nebelhorn dient, nur noch ein leises Krächzen von sich gibt. Die Kabelverbindung scheint in Ordnung, eine Erneuerung derselben bringt keine Besserung. Beim Abmontieren des Lautsprechers hüpft auch noch eine Gummidichtung über Bord, Ansonsten lässt sich aber nichts Fehlerhaftes feststellen. Die Wäsche flattert lustig im Wind und wird von den häufig einfallenden Böen fast weggerissen. Irgendwie kann so was auch aufs Gemüt schlagen, wenn der Wind eine Beschleunigung von 5 Knoten auf 25 bis fast 30 Knoten in 0 Komma Nix hinlegt, Bomika dabei umher schiebt und an der langen Kette reiβen lässt. Am Spätnachmittag im Laden von Jürgen gibt es auch nichts neues, Jürgen ist nicht da und der Verkäufer gibt dieselbe Auskunft, die ich Tags zuvor schon von Jürgen hatte: das Paket ist beim Zoll in St. Vincent, wird heute nicht mehr frei gegeben und man wird es am nächsten tag versuchen, dann sollte es noch am gleichen Tag da sein. Er telefoniert auch mit der Agentin vor Ort, bringt aber sonst auch keine besseren Nachrichten. Abends dann noch mal an Land, diesmal mit Schlepptopp zum Internetten und Emails abrufen in Maria’s Tavern während der Happy Hour bei Gitarrenmusik und Countrysongs, live von Amanda gesungen. Wir halten uns trotz der guten Atmosphäre nicht zu lange auf, denn unsere Miezen wollen ja auch noch was vom Abend an Deck verbringen.
Am Samstag erwarten wir im Shop eine weitere Vertröstung auf Montag und stellen uns schon mal auf die spätere Abreise von Bequia ein, doch dann die Überraschung! Alles ist soweit da, die Rechnung wird noch fertig gemacht, der Rest bezahlt, die Ware geprüft und es kann an die Arbeit gehen. Die alte Badeleiter demontieren und unter den selben Verrenkungen, kopfüber, die Arme von links und rechts um die Badeplattform gewunden und kopfüber auf dem Heck balancierend, die Neue angeschraubt. Die drei letzten Stufen der alten Badeleiter werden gründlich gereinigt, entrostet und konserviert, evtl. kann man die ja noch verwenden oder gebrauchen. Die Lampen in der Kajüte werden gegen die LEDs ausgetauscht, zumindest mal die ersten, damit wir den Unterschied zwischen „soft weiβ“ und „warm weiβ“ bei Dunkelheit erstmal ausklamüsern. Der Generator darf die Batterien nachladen, während unser Wassermacher noch mal läuft. Die Böen schlagen zwar immer noch heftig zu, aber die Ruhepausen dazwischen werden länger und lassen die Stromlieferung auf der Strecke bleiben. Der groβe Unterschied zwischen „soft“ und „warm“ bleibt uns verborgen, warm ist vielleicht einen kleinen Tick gelblicher – oder doch nur Einbildung? Sei es drum, jedenfalls werden die LEDs am nächsten Tag auch bei den anderen Lampen hinein gefummelt, eine brennt beim ersten Funktionstest durch. Ansonsten funktioniert es wunderbar.
Morgen wollen wir noch ein paar Frischsachen und Getränke einkaufen und spätestens mittags unterwegs sein nach Canouan. Allerdings erreicht uns noch eine Email von Linocat, die wir aus Las Palmas kennen. Sie wollen heute oder morgen in Bequia einen Zwischenstopp einlegen auf dem Weg nach Martinique und es wäre schade, wenn wir uns um einen halben Tag verpassen.

Verfasst von: bomika | 15. März 2010

Mo – So, 08.-14.März 2010 (Bequia)

Die neue Woche beginnen wir mit einem weiteren Erkundungsgang durch Bequia (gesprochen [Bekwi]), die ganze (zumindest fast) Admiralty Bay herum, schauen in die verschiedenen Yachtausrüster-Läden, in denen man das wesentliche bekommt, aber nicht unbedingt besondere oder nicht so regelmäβig benötigte Dinge, besuchen den Segelmacher noch mal, bringen ihm unseren Blister vorbei und besprechen die Reparatur und gönnen uns zum verspäteten Mittagessen, so gegen 1500 Uhr, unseren ersten Lobster. Wir sind ja schon gespannt, wie so ein Hummer schmeckt und werden positiv überrascht. Nicht zu vergleichen mit Riesengarnelen, das Fleisch ist zart aber fest und hat einen eigenen Geschmack, der eigentlich nicht so an Meeresfrüchte erinnert.
Am Dienstag kontaktieren wir „Daffodil Marine Services“ über Funk, die neben Wasser und Diesel auch Laundry (Wäsche-) Service anbieten und auch für Müllentsorgung lizenziert sind. Eine halbe Stunde später kommen sie vorbei, holen die Wäsche ab und bringen sie am Nachmittag, noch warm vom Trockner und schön zusammengelegt, wieder zurück. Sie hiesigen Seevögel – es sind wohl Fregattvögel – kreisen mit enormer Flügelspannweite und langem, gegabeltem Schwanz, schwarz-braun und weiβ gefiedert, am Himmel, ihr Geschrei erinnert eher an Enten als an die „Lachmöwen“, die wir aus dem Mittelmeer kennen. In japanischer Manier stürzen sie sich kamikazeartig im Sturzflug ins Wasser und schnappen sich die Fische mit Stäbchen, sprich mit ihren langen Schnabelspitzen. Tölpel machen ihnen das Revier streitig, halten sich aber meist abseits der Fregattvögel. Auch groβe Wasserschildkröten mit etwa 1 Meter Durchmesser strecken ab und an ihren Kopf aus dem Wasser zum Luftholen. Unser Unterwasserschiff wird von Bob’s Yachtservice schwimmender und tauchender weise für wenig Geld sauber gekratzt und von Muscheln und Algen befreit. Wir bauen unsere Windfahnensteuerung ab, die wir in den nächsten Monaten ja nicht mehr brauchen werden, denn es steht nur Inselhüpfen an mit kurzen Tagesetappen. Ein französischer Kat, der vor uns ankert, hat wohl zuwenig Ankerkette gesteckt und geht auf Drift. Um eine Kollision zu vermeiden, da dort niemand an Bord ist, lassen wir noch mal 20m Kette nach und überlegen, wie wir den Kat sichern können. Derweil hat aber eine andere französische Yacht die „Bay Watch“ alarmiert, die den Kat kurzerhand mit einer von uns geborgten leine an eine Mooringboje verholen. Als der Skipper zurückkommt, wundert er sich natürlich, ich fahre zu ihm rüber und erkläre ihm, was passiert ist. Danach besuche ich noch kurz die SY Entheon aus Seattle und plaudere mit Skipper Paul über die Segelstrecken an der amerikanischen Pazifikküste, die zwar für uns noch in ferner Zukunft liegt, aber eben auch ihre Tücken hat. Informationen aus erster Hand sind da ja nie verkehrt nach dem Motto „Gefahr erkannt, Gefahr gebannt“.
Mittwoch, es wird Zeit, die beiden leeren Gasflaschen zum Befüllen zu bringen. Auf dem Weg an Land stoppe ich kurz bei unseren Nachbarn von der „Jan Wellem III“, da wir Emails von Uwe aus Bayern erhalten haben, dessen Yacht wohl auch „Jan Wellem“ genannt wird. Allerdings handelt es sich hier um ein anderes Boot, das gehört zu Isolde und Rudi, die seit 11 Jahren in der Karibik unterwegs sind. Nette Leute, die wir evtl. am Donnerstag Abend beim BBQ im „Frangipani“ wieder treffen werden. Nachdem der „Max Marine Shop“ zwar näher ist, aber leider dauernd geschlossen hat, gibt es auf der anderen Seite der Bucht beim „Devils Table“ (ein Restaurant) noch eine Yacht Chandlery, die auch Camping Gaz Flaschen befüllen. Dann umlegen des Dingis an den anderen Jetty und auf zum Segelmacher. Der Empfang ist herzlich und er begrüβt mich mit der Nachricht, dass die Reparatur doch 100EC$ billiger geworden ist und somit nur 150EC$ kostet. Das hört man doch gerne! Er frägt mich noch aus nach der bisherigen und der noch geplanten Reiseroute, erzählt von seinem eigenen Segeltörns und dass er das Segeln wegen seiner Frau aufgegeben hat. Aber trotzdem steht am Strand ein Yachtrumpf für eine Yacht, die er seit 4 Jahren baut, nächste Bauphase wird der Innenausbau und in 1-2 Jahren soll es fertig sein – für Segeltörns mit Touristen in den Windward Islands. Zurück an Bord ist neben uns eine andere Deutsche Bavaria angekommen. Elli und Bernd von der „ElBe“ haben wohl Probleme mit dem Anker, der schon mal geslipt ist. Aber mit den empfohlenen 10m mehr Kette haut es hin. Wir kommen ins Ratschen und die Zeit vergeht viel zu schnell, dabei wollten wir eigentlich noch einen Besuch bei Otmar, dem TO-Stützpunkt von Bequia, machen. Dafür ist es nun zu spät, dafür kommen und Elli und Bernd später noch auf einen Drink besuchen.
Am nächsten Tag bricht die Badeleiter endgültig entzwei und die Teile werden nur noch durch die behelfsmäβigen leinen zusammen gehalten. Wir brauchen dringend Ersatz, wäre doch zu schade, wenn man im schönsten Teil der Karibik, in den Lagunen der Tobago Cays, mangels Möglichkeit an Bord zu kommen nicht schwimmen kann. Also bleiben wir wohl etwas länger in Bequia und bestellen uns einen Ersatz. Aber erstmal werden die Gasflaschen abgeholt, die Reservierung für das BBQ erledigt, einiges ausgemessen und überlegt, was eventuell gleich mitzubestellen wäre. Von Reta (SY Allegra, noch in Tenerife) ist schon wieder eine Email da. Wir liefern uns regelmäβig schriftlichen Schlagabtausch, ihr scheint das riesig Spaβ zu machen und ehrlich gesagt, mir auch! Auch Lisa freut sich über Retas humorvolle und originelle Schreibweise, es gibt immer was zu lachen! Auch ein paar andere mails warten noch auf Beantwortung und wird heute erledigt. Otto von der Eisbär hat sich auf Grenada in der Marina festgesetzt, wird aber bald runde 60, auch wenn man’s ihm nicht ansieht. Das schreit nach einem kleinen Verserl, da wir uns zum Anstoßen wohl erst einige Zeit später wieder treffen werden. Am Abend werden wir von Elli und Bernd abgeholt und zum Frangipani Hotel chauffiert, das BBQ und die Steelband warten auf uns. Der Griller ist schon fleiβig bei der Arbeit, das Buffet mit einer Menge verschiedener Beilagen und Salate ist angerichtet, ebenso das Dessert-Buffet mit Obstsalat und verschiedenen Kuchen. Wir schlagen kräftig zu und sind bald so pappsatt, dass nichts mehr geht, aber alles schmeckt super lecker! Zum Abschluss genehmigen wir vier uns noch einen sanften Rumpunsch an Bord der Bomika, bevor alle vor Müdigkeit umfallen. Das gilt allerdings nicht für Tita, die den Besuch an Bord nicht scheut und wild herumtobt. Groβschot rauf, über die Sonnenpersenning, seitwärts runterrutschen, quer und längs mit einem Affenzahn übers Deck und zurück und dann wieder alles von vorn. Feivel kommt mit dem Hinterherschauen gar nicht mehr nach.
Am Freitag stehen wir entsprechend spät auf. Es ist schon 0800 Uhr vorbei, wir sind es einfach nicht mehr gewohnt, so spät auf den Beinen zu sein. Neben dem Kaffee werden die Kataloge von Karibischen Yachtausrüstern gewälzt, die uns Bernd zur Verfügung gestellt hat. Was gibt es, was wird gebraucht, Preisvergleiche, Lieferbedingungen usw. Dann auf zum Anlanden, Müll entsorgen, Internetrecherche, Wetter, Emails. Danach ist Jürgens Yachtshop dran und wir geben schon mal die Bestellung auf, bis Mittwoch sollte, soweit die Sachen auf Lager sind, die Lieferung erfolgen. Auβerdem stehen noch ein paar Fragen zur Klärung offen, denn auch aus USA gibt es, wie inzwischen auch in Europa, Gasflaschen aus Plastik. Die haben den Vorteil, dass sie a) nicht rosten und dann evtl. die Annahme zum Befüllen oder Austausch nicht abgelehnt wird, b) sie sind leichter und man schleppt nicht so schwer, wenn es zum Befüllen geht, c) die Kapazität ist etwas gröβer und d) man sieht den Füllstand und kann rechtzeitig nachfüllen oder auch besser planen. An Bord werden dann die verschiedenen Filter vom Wassermacher ausgetauscht und die Behälter gereinigt. Am Abend müssen wir sowieso den Generator mal wieder laufen lassen, da der Himmel zwischendurch zu bedeckt war und der Wind auch nicht durchgehend anwesend. So können wir auch gleich noch die Wasserreserven etwas aufstocken.
Nur gut, dass ich doch noch zur Yacht Chandlery fahre. Die Bestellung ist noch nicht gemacht und Jürgen geht erst noch mal jeden Punkt mit mir durch, ebenso meine Fragen bzgl. der Plastikgasflaschen. Da bei Budget Marine am Wochenende nicht gearbeitet wird, geht die Bestellung eben erst Montag früh raus, gegen Mittag kann ich dann noch mal nachfragen und sehen, ob alles geklappt hat. Ansonsten stehen mal wieder diverse Kleinarbeiten und Harzen auf dem Programm. Der zweite Spiegel im Bad fällt inzwischen auch wieder ab, die doppelseitigen Montageklebebänder vertragen eben die tropischen Temperaturen und die Luftfeuchtigkeit nicht so richtig, also bekommt er eine Ladung Harz als Kleber verpasst – das hat beim ersten Spiegel auch geholfen. Und damit sich die Arbeit bzw. die Vorbereitung lohnt, wird auch das Magnetband vom Messerblock, die Feststellschraube der Windfahne und die undichte Ankerboje mitverarztet. Der erste Harztopf wird zwar vorschnell heiβ und fest, aber bis alles durchhärtet dauert dann doch länger.
Am Sonntag morgen holen uns Elli und Bernd wieder mit ihrem Dingi ab und wir unternehmen zusammen einen Ausflug zur Turtlefarm im Nordosten von Bequia. Dort werden kranke und vor allem verletzte Wasserschildkröten, auch Hawksbill genannt, gesund gepflegt, meist, nachdem sie sich in einem Netz oder einer Schnur verfangen haben, und später wieder ausgewildert. Es sind auch ein paar Aggressive darunter, die in getrennten Becken gehalten werden, damit sie die anderen Schildkröten nicht verletzen. Obendrein gibt es zwei Becken mit Jungtieren, 6 Wochen alt und etwa 3 Monate alt. Was man ansonsten eigentlich nicht sieht, ist dass die Panzer eigentlich aus Schuppen bestehen, wie man sie von den alten Rüstungen mit Schuppenpanzer der Chinesischen Krieger zur Bauzeit der Grossen Mauer kennt. Die gröβeren Schildkröten haben ein ziemlich groβes Maul mit vielen kleinen Zähnchen, die leicht auch mal einen Finger abbeiβen können. Aber in freier Natur sind sie eher scheu als neugierig, somit braucht man beim Schwimmen keine Angst zu haben. Die Jungtiere sind gerade 6 Wochen alt, die Kleinen kennen noch keine Scheu und vermuten erstmal lieber was Nahrhaftes oder Interessantes, wenn man mit dem Finger winkt. Die nächste Generation, etwa 3 Monate alt und in einem separaten Becken, ist schon mit mehr Vorsicht zu genieβen. Der Pfleger ist nett und erklärt alles, beantwortet alle Fragen, allerdings ist er schwer zu verstehen, da er weniger Englisch als ein Mischmasch aus Pidgin und Kreole spricht. Mit dem Taxi, ein Pickup wie auf den Kap Verden, aber mit Polstern auf den Sitzbänken, sind wir bereits nach einer Stunde wieder zurück am Hafen und verbringen den Rest des Tages an Bord mit Lesen und anderem.

Verfasst von: bomika | 8. März 2010

Mo – So, 01.-07.März 2010 (Barbados – Bequia)

Es ist soweit, die Aufregung steigt, aber erstmal muss das Schlaucherl an Deck. In St. Charles werden wir es zwar nicht brauchen, aber Bequia ist auch nicht weit weg und so werden wir versuchen, es aufgeblasen zu lassen. Der Rumpf schimmert schön schaurig grün und wird erstmal geschrubbt, bevor wir das Ding auf dem Vordeck zwischen Kutterstag und Mast klemmen. Da es eigentlich dafür zu lang ist – oder der Platz zu kurz – steht es schräg hochkant, verdeckt die Sicht nach vorne und ist bestimmt keine optimale Lösung. Wir werden es mal ausprobieren, ansonsten müssen wir es eben nachschleppen oder doch zerlegen. Wir probieren es eben einfach mal aus, die nächsten 10sm und der Zollpier von St. Charles sind sozusagen unsere Teststrecke.
Selbige absolvieren wir unter Segeln, meist hart am Wind bei unterschiedlicher Stärke (10 bis 20Knoten) und variabler Richtung in etwas über 2 Stunden, in denen uns auch der Strom nordwestlich schiebt. „Schiwa“ legt kurze Zeit später vom Zollpier ab und muss nach Bridgetown zurück zum Ausklarieren, Moni und Eric haben auch kein Glück, da der Zoll nur durch eine Angestellte vertreten ist, aber ein Offizier das wichtige Dokument unterzeichnen muss. Sie werden auf den nächsten Morgen vertröstet, aber bis dahin hat sich die Situation nicht geändert und so machen sie sich ebenfalls auf den Weg nach Bridgetown. Nachdem Aroha den Zollpier verlassen hat, ist es mittlerweile recht windig und böig geworden. Da der Wind genau auf den Pier steht, beschlieβen wir mit dem Tanken auf morgen zu warten, dabei dem customs officer die Möglichkeit einräumen, bis dahin doch noch zu erscheinen und wenn nicht, bleibt genug Zeit um am gleichen Tag nach Bridgetown zu segeln, auszuklarieren und abends nach Bequia aufzubrechen.
Am nächsten Morgen fängt es natürlich wieder genauso an zu blasen – etwas anderes zu erwarten wäre ja auch vermessen gewesen. Das Anlegemanöver klappt trotzdem gut und nachdem sich auf Kanal77 keiner von der Tankstelle meldet, gehe ich schon mal zum Zollgebäude. Die Empfangsdame ist die gleiche wie immer und sehr nett, die Situation hat sich aber nicht geändert. Anscheinend wurden die Zahlungen von Fahrtkosten an die Zöllner, die von Bridgetown nach St. Charles kommen, eingestellt und nun kommen die Zöllner eben nicht mehr nach St. Charles. Also Ausklarieren in Bridgetown – per Schiff oder per Bus. Dafür treffe ich den Tankwart, der schon mal vorgeht, während ich meinen Plausch mit der Empfangsdame beende. Wir bunkern Diesel und diesmal wird der Tank voll, ganz ohne Sauerei im Achterschiff oder den Bilgen – der Tank ist wieder dicht! Benzin für unseren Kaufhauskläffer Marke Tohatsu und den Generator wird auch noch nachgefüllt und wir dürfen das Wasser zum „entsalzen“ des verkrusteten Decks benutzen. So eine Süβwasserdusche tut auch dem Deck und insbesondere dem Teak und Edelstahl ganz gut. Trotz des böigen Windes und des Motorboots hinter uns, dessen Anker brav vom Bug in unsere Richtung deutet wie eine gezückte Lanze, klappt das Ablegen und wir kommen ohne Blessuren oder Schrammen weg vom Steg. Für die Fahrt nach Bridgetown haben wir nicht nur den Wind, sondern auch die Strömung gegen uns und so zählt die Logge über 15sm anstatt der tatsächlichen 11sm. Wir motoren die Strecke anstatt aufzukreuzen, lassen nebenbei den Wassermacher laufen und diverse Geräte aufladen. Nach 3 ½ Stunden sind wir wieder in der Carlisle Bay vor Anker, machen das Dingi und den Auβenborder klar, entscheiden uns aber dann doch erst am nächsten Tag den Behördengang zu machen. Die See ist ruppig und Bomika rollt fürchterlich am Anker, eine Überfahrt zum Anlanden mit dem Schlaucherl auch eine sehr Nasse Angelegenheit. Auβerdem könnte es zeitlich etwas knapp werden, da wir ja auch noch ins Internet wollen für Emails, Wetterdaten, Finanzen. Selbst das Schwimmen macht bei den Wellen keinen rechten Spaβ, wenn einem dauernd die Wellen ins Gesicht klatschen.
Am Donnerstag ist die Wettersituation nicht anders, aber die Wellen scheinen nicht ganz so konfus zu sein wie am Vortag. Vom Dingianleger in der Altstadt ist es ein weiter Fuβmarsch bis zum Cruiserhafen, die Sonne wärmt dabei schon viel zu sehr trotz der frühen Stunde und Schweiβ in rinnender Form bleibt unvermeidbar. Der Zolloffizier ist gerade bei einem Kreuzfahrer, kommt aber nach einer ½ Stunde zurück. Formulare werden ausgefüllt, dann zur Kasse, wieder zum Zoll, und schlieβlich noch Immigration mit weiteren Formularen, dann haben wir das Zertifikat (wird für die Ankunft im nächsten Hafen benötigt) und unsere Stempel im Pass. Auf dem Rückweg noch im Internetcafe vorbei und dann die „spritzige“ Überfahrt zur Bomika. Am Nachmittag heiβt es dann „Anker auf“ und Kurs West nach Bequia!
Der Wind ist kräftig und legt bis auf 6Bft. zu, die entsprechende Fahrtgeschwindigkeit verspricht eine kurze Reise. Aber wie so oft, kommt es dann halt doch anders. In den frühen Morgenstunden geht Äolus die Puste aus, der Wind wird immer böiger und die seitlichen Wellen werfen Bomika immer wieder aus dem Kurs, so dass unsere Windfahne ganz schön zu werkeln hat, wieder auf den richtigen Kurs zu kommen. Bei Tagesanbruch kommen dann die Inseln St. Vincent und Bequia in Sicht und weil der Wind zu launisch ist, müssen wir die letzten Meilen noch den elektrischen Autopiloten bemühen. Fische sind auch keine an Deck gesprungen, die Frühstücksbereicherung für unsere Miezen bleibt also aus. Mittags sind wir in der Admiralty Bay vor Port Elizabeth und mitten im Ankermanöver fliegen die Schuppen (von den Augen). Nein, wir haben nicht Fische überfahren oder kahl geschoren, sondern vergessen unser Schlaucherl an die kurze Leine zu nehmen. Die gerät beim Ankermanöver unters Heck und in die Schraube, das Dingi wird Bug voran unters Boot gezogen, bis die beiden Schleppleinen – ritsch ratsch – mittendurch gesäbelt sind. Das Dingi kommt wieder hoch und von der vertikalen wieder in die gewohnte horizontale, treibt nun aber ohne Leinenverbindung langsam achteraus. Wenigstens hat unser Anker gegriffen, ausreichend Kette ist gesteckt, und die Badehose hab’ ich auch schon an. Also rein ins Wasser und hinterher schwimmen, Schlaucherl einfangen und dann die Ankerleine noch fertig machen. Dann geht es an die Schadensbegutachtung – dem Himmel sei Dank keine Schäden, nur die vordere Hälfte des Schlaucherls ist statt grau jetzt blau verziert – mit Schlieren und gesprenkelt. Das kommt davon, wenn man nicht rechtzeitig an Alles denkt! Zur Strafe eine Runde putzen und scheuern, Wasser lenzen, schnell duschen und landfein machen für den Behördengang. Dingianleger gibt es ja jede Menge, vor Hotels, Restaurants, Taucherbasis, Fähranleger und, und ,und. Ich nehme den nächst besten und reihe mich zwischen andere Dingis ein, dann am Fuβweg das Ufer entlang. Beim Bankomaten am Hauptplatz gibt es aber kein Geld – auβer Betrieb – und so geht’s erstmal zum Custom und Immigration. Etliche Fragen zu den Katzen an Bord sind auf den Formularen auszufüllen, aber richtig interessiert scheint hier deswegen niemand. Nach einer Stunde und 70EC$ ärmer – EC steht hier für Eastern Caribbean, nicht European Community – ein Stück durch den Ort, gegenüber dem Hospital ist noch eine Bank mit Automat. So sind wir erstmal mit der lokalen Währung versorgt. Es gibt mehrere Bootsausrüster und andere Service-Unternehmen, man scheint sich hier auf Segler eingestellt zu haben. Diesel und Wasser werden mit einem kleinen Tankschiff an Bord gebracht, ebenso wird Müll und Wäsche abgeholt. Allerdings gibt es für Müll besondere Vorschriften und darf nur einer lizenzierten Firma mitgegeben oder an einem bestimmten Platz persönlich deponiert werden. Zurück an Bord erstmal die Sonnenpersenning spannen, der Planet sticht mal wieder gewaltig und lässt einen schon beim Atmen schwitzen. Die Leute sind freundlich wie wir auch schon auf Barbados erfahren durften, das Wasser türkisfarben leuchtend und erfrischend warm (28º-29º) und jede Menge Segler liegen verteilt vor Anker. Nach einem Sundowner, diesmal Rumpunsch mit Ananas/Guavensaft, gehen wir früh in die Koje und schlafen auch bald ein. Die letzte Nacht unterwegs hat uns ja doch nicht viel Nachtruhe beschert und fordert ihren Tribut nach.
Am nächsten Morgen, kaum aufgestanden, bekommen wir Besuch von einem Taxiboot, das frisches Baguette und Bananenbrot verkauft. So ist das Frühstück schon mal gerettet und Lisa braucht nicht erst das Brot backen. Lisa ersteht ein paar Kettchen mit Holzperlen aus Mahagoni und Zeder, der Tag fängt schon mal gut an. Nach dem Frühstück tuckern wir mit einem Umweg über die „Rasmus“, einer anderen Deutschen Yacht, an Land. Hannes und Steffi von der Rasmus haben ihre Tochter an Bord, die auch noch gerade Geburtstag hat. Wir lassen sie feiern und spazieren durch den Ort, inspizieren einige Supermärkte, einen Schiffsausrüster und den Segelmacher, lassen uns dann in der Bar des Frangipani Hotels nieder, genehmigen uns ein paar Drinks und eine Kleinigkeit zu essen während wir die Internetverbindung nutzen (die natürlich auch nicht umsonst ist). Dabei erwischt uns Heinrich über Skype und da der Laptop auch noch am Strom hängt und somit die Laufzeit nicht begrenzt, können wir das Gespräch annehmen und eine ganze Zeit quasseln. Maria (Heinrichs Frau und Lisa’s Freundin) ist inzwischen wie auch ihre Schwester in Chile auf Familienbesuch, das Erdbeben dort haben aber alle heil überstanden, von ein paar kleinen Sachschäden abgesehen. Wir sind beruhigt und machen uns am Nachmittag auf den Heimweg. Die Hängematten werden auf dem Vordeck aufgespannt und das Wasser lädt zum baden ein. Allerdings bricht uns die ausziehbare Badeleiter ab, diesmal wohl irreparabel. Wir hatten sie ja schon mal nachschweiβen lassen, aber diesmal ist der Schaden schlimmer. Also muss eine neue Lösung her, zumindest ersatzweise. Wie sollen wir sonst vom Wasser zurück aufs Schiff kommen? In einen dicken Tampen knoten wir feste Schlingen, die als Trittleiter dienen sollen. Funktioniert prinzipiell, kostet aber fürchterlich Kraft, da sich die Leine ja nicht brav nach unten hängt, sondern die Tendenz zum seitlichen Wegschwingen aufweist. Mit dem Festhalten und Hochziehen an Deck ist es auch so eine Sache: die Hände nass vom Wasser rutschen leicht ab. Also zumindest am Bug, wo es etliche Festhaltemöglichkeiten gibt, eher schwierig. Ob es am Heck besser funktioniert? Aber dort ist alles ziemlich verbaut mit Feststoffdingi, Windpilotruder, usw. Die Testperson ist nicht sehr überzeugt. Es ist klar, eine neue Badeleiter muss angeschafft werden – sobald man eine bekommt, die auch passt. Zur Not wird die gebrochene Badeleiter mit Leinen noch mal notdürftig zusammengeflickt, aber zuviel Belastung darf ihr nicht mehr zugetraut werden. Lisa backt dann doch noch Brot, während wir uns ein paar Scheiben des wie saftigen Kuchen schmeckenden Bananenbrots einverleiben. In die Bucht fallen immer wieder Böen ein, aber trotzdem liegt man ruhiger als in mancher Marina, kein Schwell und keine Wellen – abgesehen von den übermotorisierten Schlauchbooten mancher Yachten, die durch die Bucht düsen. Die Musik aus den Strandbars ist bei weitem nicht so laut wie in Barbados und wirkt eher wie angenehme Hintergrundmusik. So lässt es sich bei einem Sundowner genieβen, auch wenn wir uns relativ früh in die Koje schwingen.
Am Sonntag bauen wir die WLan Antenne auf, bekommen auch einige recht gute Signale, aber die nächsten Stunden vergehen mit erfolglosen Versuchen, eine Internetverbindung herzustellen. Nur bei einem unverschlüsselten Hotspot gelingt die Verbindung nach langer Zeit, aber nur, um auf eine Zahlseite umgeleitet zu werden. Die Gebühr ist für diese langsame und auch wackelige Verbindung recht teuer, wir lassen lieber die Finger davon, da der Erfolg nicht sehr viel versprechend ist. Den restlichen Nachmittag wollten wir eigentlich an Land verbringen, entscheiden uns dann aber doch anderweitig und schreiben Emails, Logbuch, gehen die verschiedenen Broschüren zu den Grenadines durch und lesen ein bisschen. Ein riesiger alter Motordampfer, wohl eine Privatyacht und Mitglied des „Royal Yacht Squadron“, ist eingelaufen und liegt vor Anker, an alte Zeiten erinnernd. Aber die „Alten Zeiten“ leben auch bei den Einheimischen auf, ein typischer karibischer Segler mit riesigem Sprietsegel kreuzt auf allen möglichen Kursen durch die Bucht. Unsere Miezen werden bei Einbruch der Dunkelheit besonders munter und Tita klettert mal wieder die Groβschot hoch und macht es sich auf dem Baum bequem. Dann geht es übers Sonnensegel auf die Solarpaneele zum Sternegucken und die neueste Marotte: das Sonnensegel als Rutschbahn benutzen und seitwärts auf das Deck hinunter rutschen. Gerade dass sie an Deck landet und nicht über die Reling ins Wasser fliegt. Aber das gefällt ihr wohl und schreit nach Wiederholung. Nachdem wir zur Stromversorgung den Generator ein paar Stunden laufen lassen, nutzen wir die Gelegenheit, zwei Filme am PC anzuschauen. Das kommt bei uns eh recht selten vor, meist denken wir einfach nicht daran oder haben kein Bedürfnis für derartige Zerstreuungen. Auf dem Programm stehen „Stirb nicht zu langsam“ und „Spiderman 3“, aber beide hauen uns nicht vom Hocker, da sind uns ein paar spannende Bücher dann doch lieber. Aber vorher weiβ man’s eben nicht, gell?

Verfasst von: bomika | 2. März 2010

Mo – So, 22.-28.Februar 2010 (Barbados)

Der Vormittag vergeht mit diversen Kleinarbeiten, bis wir mittags in die Stadt tuckern. Nach einem Rundgang durch zwei Kaufhäuser, um die Sortimente zu begutachten, vergeht die Zeit im Internetcafe wie im Flug. Bei einem Eiscafe werden die letzten Fotos hochgeladen, Emails abgerufen, Wetterdaten aktualisiert und schon wird es Zeit, weiter zum Yachtclub zu gehen. Nach einem kleinen Rumpunsch treffen wir noch Moni und Eric, die sich im Yachtclub mit dem Internet vergnügen und nehmen dann den Bus zum „Big Be“, einem groβen Supermarkt. Die Stadtbusse sind Toyota Kleinbusse, in Deutschland bestenfalls für 9 Personen zugelassen, hier aber mit zusätzlicher Sitzbank und einem schmalen „Knieschonerbankerl“ gleich hinter den Vordersitzen. Mit Fahrer und Schaffner werden bis zu 20 Leute reingequetscht und gestapelt, dafür gibt der Fahrer auch ordentlich Gas, solange er nicht im Stau steht. Dazu laute Musik und der Bus legt sich in den Kurven und Rondells kräftig über. Berührungsängste sind fehl am Platz, die Stimmung ist freundlich und entspannt. Der Supermarkt ist riesig und bietet so ziemlich alles. Wir kaufen nur ein paar Kleinigkeiten „zum Probieren“ und kaum sind wir wieder vorn an der Hauptstrasse, kommt schon der nächste Kleinbus für die Fahrt zurück in die Stadt. Diesmal nicht ganz so voll und wir können bequemer sitzen, wenn man von den Kurven und der ralleyhaften Geschwindigkeit absieht.
Wie an den meisten Morgen, trifft sich eine „Therapiegruppe“ am Strand zwischen 0630 und 0700Uhr und bewegt sich schwimmend und/oder wassertretend durch die Bucht und zwischen den Booten hindurch, dabei laut schwatzend wie bei einem Kaffeekränzchen. Wir lassen uns davon nicht aus der Ruhe bringen und vertrödeln den Tag. Für eine Klettertour in den Mast wird es sowieso zu rollig, da mal wieder eine grobe Dünung in die Bucht steht. Otto hat heute ausklariert und will morgen auslaufen nach Grenada. Wir setzen uns am Abend noch mal auf Bomika zusammen auf einen (oder zwei) Rumpunsch, Moni und Eric sind natürlich auch dabei und später gesellt sich noch Manfred von der „Shiwa“ dazu. Es wird ein lustiger und geselliger Abend, trotz wilder Schaukelei.
Am Mittwoch schauen wir noch kurz bei Otto vorbei – und er bei uns – und wir verabschieden uns bis zum nächsten Treffen, vermutlich in den Grenadines. Danach geht es in die Stadt zum Busbahnhof, wechseln dort das ganze Kleingeld in Bustickets um und müssen dann doch zum anderen Busterminal, um nach Speighstown zu kommen. Dort wartet schon unser Anschlussbus, der uns nach insgesamt fast 90 Minuten Fahrt (von Barbados aus) vor der Zufahrt zum Wildlife Reserve Park in Farley Hill absetzt. Die Eintrittsgebühren sind mit BDS23,00 pro Person etwas happig, aber durchaus lohnenswert. Die Eintrittsgebühr schlieβt den Grenade Park mit ein und wir beginnen erstmal mit dem Wildlife Park. Nachdem es schon fast Mittag ist und unser Frühstück ausgefallen ist, erhoffen wir uns einen kleinen Snack in der Restaurant-Bar, die aber erst eine halbe Stunde später öffnet. Also doch erstmal was für die Beine tun! Als erstes laufen uns Schildkröten und Rotwild über den Weg. Von ersteren gibt es jede Menge, die sich über die Wege und den Waldboden tasten oder einfach im Schatten dösen, aber auch das Wild erfreut sich einer gesunden Bevölkerungsdichte. Wir treffen auf hiesige „Wolperdinger“, eine Mischung aus Hase und Hirsch, etwa doppelt so groβ wie unsere Feldhasen zuhause. Es folgen auch jede menge Vögel, inklusive ein paar Pfauen, die sich aufplustern und ihre Räder zur Schau stellen. Das Objekt ihrer Begierde und Rivalitäten entdecken wir erst etwas später – eine Henne, die auf dem Dach einer gemauerten Futterstation sitzt. Die Kaimane liegen in einem Tümpel oder aalen sich im Schlamm eines Bachbetts, beides teilen sie sich mit Wasserschildkröten. Im Gehege um die groβe Voliere mit Papageien aller Art verharren ein paar Leguane, die wie ausgestopft wirken – bis sie sich mit einer Geschwindigkeit bewegen, dass man meinen könnte, sie benutzen eine Zeitmaschine oder „Beamer (Scotti von RS Enterprise lässt grüssen)“ für die Fortbewegung. Die Maniküre der Fingernägel lässt allerdings zu wünschen übrig und zeugt von harten Kämpfen, da sie teilweise komplett abgebrochen sind. Tja, und dann sind da noch Lisa’s Lieblingskumpane, die grünen Affen. Die sind allerdings gar nicht grün – vielleicht hinter den Ohren, aber das haben wir nicht geprüft – sondern haben am Hals gelbe Zeichnungen, ebenso eine gelbe Schwanzspitze. Lisa setzt sich zu ein paar der Gesellen auf eine Bank und wartet, bis sie evtl. auch an die Reihe kommt beim Entlausen. Aber das wäre eher enttäuschend, da die Affen bestimmt keine dieser Eiweiβhäppchen bei ihr finden würden. Alle Altersstufen sind bei den Affen vertreten, die Jungen spielen und raufen miteinander, einer zieht eine Schildkröte am Schwanz, bis dieser schnell eingezogen wird, andere sitzen in den Bäumen. Die Schwänze sind etwa doppelt so lang wie der Körper und dient hauptsächlich zum Gleichgewicht halten und Steuern, ähnlich wie bei den Katzen, aber auch zum Festhalten beim Schwingen durch das Geäst. Nach dem Rundgang verlangt erstmal der Magen sein Recht, ein Sandwich und was zum Trinken ist angesagt. Danach gehen wir noch mal durch das Ressort und beobachten die Tiere bei und nach der Fütterung, bevor wir das Gelände wechseln und zum Grenade Natural Park hinüber marschieren. Dort steht auch ein relativ frisch (1992) restauriertes Signalhaus, von denen es früher 5 oder 6 auf Barbados verteilt gab. Die Aussicht Richtung Osten ist famos, in alle anderen Richtungen ist der Blick in die Weite meist durch Grün, Wald und Bäume verwehrt. Der Rundkurs durch den Urwaldpark, der sich anschlieβt, verzweigt sich immer öfter bis man kaum noch weiβ, wo man sich überhaupt befindet und entlang läuft, aber am Ende war es doch kein Problem, den Rückweg zu finden. Wie heiβt es doch so schön? „Links sind Bäume, rechts sind Bäume, und dazwischen Zwischenräume …“ in denen sich auch mal Termitenbauten oder Felshöhlen finden. Die Bäume sind ziemlich hoch, die Luftwurzeln zahlreich und alle möglichen Baum- und Farnarten vertreten. Bis wir wieder auf der Straβe und am Bushäuschen stehen, ist es später Nachmittag und wir erhalten die Auskunft, dass der nächste Bus wohl erst in einer Stunde geht. Wir studieren die Touristenkarte, kommen zum Schluss, dass es bis Speighstown eigentlich nicht mehr als 5-6km sein können und beschlieβen kurzerhand, per Pedes los zu dackeln. Als nur noch 2km vor uns liegen, kommt doch noch ein Bus vorbei, noch dazu einer, der bis Bridgetown fährt. Also schnell winken und einsteigen! So schaffen wir es gerade noch, vor Einbruch der Dunkelheit wieder an Bord zurück, die Miezen freuen sich auf’s Abendessen – wir auch. Der Tag war drückend heiβ und das Wandern entsprechend anstrengend.
Am Donnerstag besuchen wir Jens, nutzen bei ihm das Internet und verabreden uns für Freitag Abend oder Samstag. Danach geht es hinüber zum Yachtclub, eine Kleinigkeit essen und als wir die Rechnung begleichen wollen, wird unsere kostenlose Mitgliedschaft, die ja eigentlich auf 7 Tage beschränkt und damit gestern abgelaufen ist, noch mal bis Samstag verlängert. Bevor es mit dem Schlaucherl wieder an Bord geht, meandern wir durch die Altstadt und besuchen einen groβen Kurzwarenladen, der wirklich alles zu haben scheint bezüglich Nähbedarf. Der Tag war und ist noch drückend heiβ und so gönnen wir uns bei Mondschein noch mal ein Bad im klaren Wasser, das etwas wärmer als die Lufttemperatur ist aber trotzdem Kühlung bzw. Erfrischung verschafft.
Freitag ist Grosseinkauf angesagt, alle möglichen Vorräte wieder auffüllen. Auf den Inseln soll es ja relativ teuer sein und auch nicht alles so einfach zu bekommen. Nachdem wir ausgerechnet heute etwas länger schlafen und nicht schon im Morgengrauen auf sind, verzögert sich die Abfahrt. Mit dem Sammeltaxi geht’s zum „Big Be“, wir erkundigen uns noch mal wegen dem Lieferservice – kein Problem, nach dem Einkauf einfach drauβen auf der Bank warten, es sind zwei Fahrzeuge im Einsatz und wir können dann gleich mitfahren. Der Einkauf zieht sich hin und gegen 1400 Uhr ist der dritte Einkaufswagen gefüllt mit Katzenfutter, Katzenstreu, Getränke, Sirups, Nudeln, Küchenrollen, Klopapier, Gemüsekonserven und anderen Sächelchen. An der Kasse wird alles vom Personal gleich eingesackt in die kleinen Plastikbeutel, der Kassenzettel wird immer länger und weist nach 1,5m Länge BDS 1.107,00 aus, umgerechnet etwa €420. Wir werden von Taxifahrern angesprochen, die uns fahren wollen du die wir mit Hinweis auf den Serviceshuttle ablehnen. Die Wartezeit verkürzen wir uns mit leckeren Hähnchenwraps als Mittagessen, die wir im Supermarke erstanden haben. Als endlich der Shuttlebus auftaucht, erfahren wir, dass sie gar nicht in die Innenstadt fahren, sondern nur ins Umland. Der Service ist hauptsächlich für ältere Leute gedacht mit „normalem“ Einkauf, nicht für Groβeinkäufe. Also bleibt doch nur noch ein Taxi, das uns dann BDS30,00 abknöpft, dafür aber auch beim Ein- und Ausladen hilft. Als wir alles ins Schlaucherl verladen, muss Lisa zurück bleiben, da beim besten Willen kein Platz für eine zweite Person bleibt. Sie wandert derweil zum Strand und beobachtet meine langsamen Fortschritte Richtung Bomika. Wenigstens reicht der Sprit im Auβenborder gerade noch bis zurück, auf der Fahrt zum nahen Strand nach dem Entladen ist dann Essig mit Benzin und Rudern angesagt. Die Brandungswellen sind hier zwar minimal, aber ausreichend, um sich einen nassen Hosenboden zu holen. Zurück an Bord muss erstmal alles in den Salon hinunter und dann seefest verstaut werden. Damit ist der Tag für uns gelaufen und die Sonne vom Firmament verschwunden. Nach einem Erfrischungsbad bei Mondschein schau ich mit dem Dingi noch „kurz“ bei SY Schiwa mit Gudrun und Manfred vorbei, aus dem „kurz“ werden fast 3 Stunden. Beim ersten engeren Kontakt gibt es eben auf beiden Seiten immer viel zu erzählen und die Zeit verrinnt viel schneller als gedacht.
Am Samstag wandern wir erstmal zum Barbados Yacht Club, mit erfolglosem Versuch, das Internet zu nutzen aber dafür einem Gläschen Rumpunsch. Dann wird es Zeit, die Rechnung der letzten Woche beim Club zu begleichen. Auf dem Weiterweg gönnen wir uns ein Falaffelgericht, schön scharf gewürzt mit frischgeprestem Obstsaft und – Internetanschluss! Sobald sich die Laptopbatterie wieder dem Ende nähert, wird es Zeit, in die Stadt zu gehen, bevor die Geschäfte schlieβen. Vor allem der Obst- und Gemüsemarkt zum Aufstocken unserer Vorräte steht an erster Stelle. Unsere spezielle Verkäuferin erkennt uns gleich wieder und fügt den Bananen, Tomaten, Kartoffeln und Gurken noch Zusatzgaben bei – weitere Gurken, Süβkartoffeln, Zucchini, Auberginen, Karotten und der Einkaufsbeutel wird doppelt so schwer. Kein schlechter Deal – die Hälfte eingekauft, die andere Hälfte geschenkt! Im Kaufhaus Cave Sheppard erstehen wir noch hölzerne Bilderrahmen, die wir im Schlafzimmer montieren wollen. Am Abend zurück an Bord werden wir nicht nur von den Miezen erfreut begrüβt, sondern bekommen auch den „Duft der groβen weiten Welt“ in komprimierter Form zu spüren, der sich in der Kajüte und bis ins Cockpit verteilt. Feivel hat mal wieder gezeigt, dass seine Verdauung ausgezeichnet funktioniert, im Katzenklo einen Atomschiss hingelegt und (man will sich ja nicht die Pfoten beschmutzen) natürlich nicht vergraben. Säuberungsaktion und Verstauen der Einkäufe nehmen mehr Zeit in Anspruch und so wird das Essen erst fertig, als Gudrun und Manfred von der „Schiwa“ zu Besuch kommen. Nach einem gemütlichen Abend bei Petroleumlicht bekommen wir auch noch die Ehre, uns im Gästebuch der „Schiwa“ verewigen zu dürfen und vor dem Schlafengehen nehmen wir noch ein Bad bei Vollmond in der groβen Badewanne um uns herum. Wie immer, wenn wir ums Schiff schwimmen, werden wir von Feivel und Tita neugierig beäugt, die an Deck entlang laufen, um uns nicht aus den Augen zu verlieren. In der Nacht werden wir mal wieder von zwei Strandbar beschallt, quasi in Stereo, aber mit total unterschiedlicher Musikrichtung. Unter „High Fidelity“ stellen wir uns ja eigentlich was anderes vor – oder bezieht sich das auf die Trinklaune der Gäste? -, aber schlieβlich übermannt uns dann doch der Schlaf.
Am Sonntag werden erstmal ein paar Kleinigkeiten, wie sie immer wieder auf der Arbeitsliste erscheinen, an Bord erledigt, „Kalo“ von der Typee kommt kurz vorbei, um uns Grüβe von Reta und Gerd auszurichten, Auf der „Schiwa trinken wir noch mal Kaffee, während wir das Gästebuch zurückbringen und dann geht’s ab in die Stadt zum Barbadosmuseum, das im ehemaligen Militärgefängnis untergebracht ist, gleich hinter der Pferderennbahn. Man sieht dort etliches an Kunst und Historie, die auch die Herkunftsländer der Kariben aus Afrika beinhaltet, bringt anschaulich näher wie die Menschen früher gelebt haben – sowohl die Kolonialherren als auch die Sklaven. Es ist nicht viel los und der Aufpasser, der die Tickets kassiert, sehr freundlich und nimmt sich Zeit für alle möglichen Erklärungen zu Barbados. Auf dem Rückweg wollen wir uns noch von Jens, dem TO-Stützpunktleiter, verabschieden, treffen ihn aber nicht an und hinterlassen ersatzweise unser Kärtchen mit Zettel. Zurück an Bord wird der Auβenborder schon mal verstaut, Wäscheleine und Sonnenpersenning aufgeräumt und ein zartes Steak gebrutzelt. Es bleibt nicht viel Zeit, die nächste Einladung ruft zum Abenddrink auf der Aroha, bevor alle drei Yachten am nächsten Tag aufbrechen nach Port St. Charles zum Ausklarieren und dann auf verschiedene Inseln unterwegs sind: Aroha nach Martinique und Guadeloupe, Schiwa nach Tobago und Bomika nach Bequia. Zurück an Bord ist und das Skuba-shack an der Mooring neben uns ziemlich nahe, wegen des wenigen Windes stehen die Boote kreuz und quer statt in einer Linie. Also Anker auf und an einen anderen Platz verlegen, damit wir auch beruhigt schlafen können ohne auf einen Rumms zu warten.

Verfasst von: bomika | 22. Februar 2010

Mo – So, 15.-21.Februar 2010 (Barbados)

Am Montag gehen wir nach dem Kaffeetrinken Anker auf, setzen die Genua, damit wir nicht zu schnell werden und der Wassermacher genug Zeit hat, die Tanks zu füllen. Allerdings brist es schon nach kurzer Zeit kräftig auf, aus den 4Bft werden schnell 6Bft, in Böen auch 7Bft. Obwohl wir die Genua wieder ein ganzes Stück einrollen, erreichen wir doch in Spitzen über 7 Knoten, trotz unserer Blumenrabatte mit winkenden Entenmuscheln am Kiel. Erst kurz vor Bridgetown müssen wir dann doch noch die Maschine anwerfen und gegenan. Das Groβsegel für die letzten 2sm noch zu setzen, um dann Aufkreuzen zu können, macht nun doch keinen Sinn. So landen wir gegen Mittag/frühen Nachmittag in der Carlisle Bay und werfen unseren Anker gleich neben der „Eisbär“ von Otto in den Sand. Otto kommt auch prompt schon ein paar Minuten später auf seinem Rückweg vom Einkaufen mit seinem Dingi vorbei, die Freude ist beidseitig und groβ! Moni und Eric besuchen uns auch noch an Bord, bevor sie sich auf Landurlaub begeben, wir verbringen den Abend lieber an Bord und haben noch genug zu tun.
Am Dienstag machen wir uns dafür gemeinsam mit der „Aroha“ auf in die Stadt, wandern durch die Altstadt von Bridgetown, gönnen uns ein Bierchen im Waterfront Cafe mit ein paar Chicken Wings, dessen Preis uns ob der kleinen Portion fast vom Hocker haut. Wir besuchen Supermärkte zum Sondieren der Angebote und Preise, kaufen schon mal das notwendigste ein, besuchen den Obstmarkt und erstehen dort unsere erste Brotfrucht. Von der Gröβe zwischen einer groβen Pampelmuse und einer kleinen Melone, wird sie geschält wie ein Apfel, das Kerngehäuse herausgeschnitten und der Rest in kleine Stücke geschnitten. In heiβem Wasser ein paar Minuten kochen, dann salzen und pfeffern und in der Pfanne mit Öl braten, schon hat man „home-made fries“, also Kartoffelecken oder Chips. Oder nach dem Kochen zerstampfen mit Milch und Butter, fertig ist der Kartoffelbrei. Wir versuchen es erstmal mit der ersten Variante, brutzeln ein paar Schweine-Nuggets aus dem Supermarkt dazu, Salat als Beilage und fertig ist das Menü. Abends weht der Wind die Lifemusik aus der Strandbar zu und herüber, wir gehen aber trotzdem zeitig in die Koje. Irgendwie haben wir unsere Tage der Sonne angepasst und sind dafür auch um 0630 Uhr zum Sonnenaufgang wieder an Deck.
Am Mittwoch verabreden wir uns mit Otto und Eric für eine Landexkursion. Wir landen im Zentrum an und marschieren. Bepackt mit Rucksack/Laptops auf der Straβe Richtung Süden. Kurz vor dem Yachtclub biegen wir ab und besuchen Jens-Uwe, den TO-Stützpunktleiter, in seinem Haus. Dort wartet auch schon unsere Post, die am Vortag angekommen ist. Nach einer guten Stunde mit Wasser und Cola gehen wir zum Yachtclub hinüber, um uns für eine Woche als Mitglieder anzumelden. Dadurch können die Einrichtungen des Yachtclubs genutzt werden, denn bezahlt wird hier nur über die Mitgliedsnummer und späterer Gesamtabrechnung. Das Anlanden mit dem Dingi direkt am Yachtclub will jedoch geübt sein, da eine schöne Brandung am Strand steht. Wenn man nicht aufpasst, wird man von oben bis unten pitschnass. Wir nehmen deshalb lieber den Umweg über die Altstadt in Kauf, wo man das Dingi im Flusslauf gut anbinden kann. Danach treffen wir noch mal Jens, der uns zum Supermarkt mitnimmt. Die Supermärkte im Zentrum sind wohl hauptsächlich für die dort lebende ärmere Bevölkerung, die Angebote entsprechend eingeschränkt. Der Supermarkt ist wirklich gigantisch, gut sortiert und hat ziemlich alles. Jens verrät uns noch, dass der Einkauf auch geliefert wird, wenn man vorher Bescheid sagt. Auf dem Rückweg werden wir wieder am Yachtclub abgesetzt, denn wir wollen noch das WiFi nutzen. Die Strandbar hat wohl einen eigenen Router, aber trotz gutem Empfang keine Internetverbindung. Wir ziehen uns nach etlichen erfolglosen Versuchen zurück ins Haupthaus und siehe da, hier klappt’s! Die Verbindung ist zwar äuβerst langsam, aber wenigstens stabil. Es reicht daher nur zum Download der emails und Upload der Fotos, dann macht die Batterie des Laptop schlapp, der Rest muss morgen folgen. Unser für den Abend geplantes Abendessen im Yachtclub verschieben wir auf Freitag, denn unter der Woche ist abends das Restaurant geschlossen.
Für Donnerstag Abend sind wir und auch Otto bei Aroha zum Grillen eingeladen, jeder beteiligt sich an den Kosten, damit es nicht nur einen trifft. Dafür besorgen die Beiden wirklich gute, saftige Steaks, dazu gibt es Maiskolben und Salate. Auch für was Süsses zum Kaffee hinterher ist gesorgt. Aber vorher geht es noch mal in die Stadt für ein paar Kleinbesorgungen und Internet. Otto weiβ ein Cafe in einer Mall, dort gibt es kostenloses WiFi und prompt funktioniert es viel besser als im Yachtclub. Dafür sind eben die Getränke etwas teurer, aber das ist es Wert. Das „Rituals“ Cafe erinnert vom Angebot sehr an Starbucks. Nachdem wir ja noch ein paar Tage bleiben werden, lockern wir die Lazy Jacks und spannen die Sonnenpersenning.
Freitag beginnt mit Regen und dunklen Wolken, die sich aber noch am Vormittag verziehen und dem stechenden Planeten Platz machen. Otto kommt kurz vorbei, dann eine Runde schwimmen im türkisklaren Wasser, das fast wärmer als die Luft ist – etwa 28º. Ein paar Mal am Tag kommen auch hier Schildkröten vorbei und recken ihren Kopf aus dem Wasser, tauchen aber zu bald wieder ab, um die Kamera auszupacken. So gibt es leider keine Familienfotos von den Seaturtles. Wir lassen den Generator ein paar Stunden laufen, um Geräte aufzuladen und den Wassermacher zu bemühen. Noch einen Ausflug in die Stadt zum Internetcafe, die leider schon eine Stunde später ihre Gitter herunterlassen. Aber es wird eh Zeit, aufzubrechen, denn für 1830 Uhr sind wir mit Otto und Gudrun und Manni von der „Shiwa“ im Yachtclub verabredet. Auf dem Weg beobachten wir noch den farbenfrohen Sonnenuntergang. Unsere Versuche, die Farben mit der Kamera einzufangen, schlagen allerdings fehl. Entweder verwackelt oder die Belichtung stimmt nicht. Das Yachtclub Restaurant ist bereits dunkel und geschlossen, aber die Strandbar ist offen und bietet auch eine Küche an. Wir besetzen einen groβen Tisch unter einem Pavillon und studieren die Speisekarte, bestellen an der Küchentheke und bekommen einen elektronischen Piepser ausgehändigt. Sobald das Essen fertig ist, fängt er nicht nur zu piepsen, sondern auch zu sprechen an und bittet, das fertige Essen abzuholen. Für Barbados ist es recht preiswert, die Portionen sehen zwar vernünftig aus, aber richtig satt werden wir trotzdem nicht. Immerhin, es reicht und nach dem zweiten Rumpunsch sind wir auch müde genug für den Heimweg. Zu Fünft traben wir gemütlich durch den feinen schneeweiβen Sand um die Bucht bis zur Altstadt, und tuckern im Dingikonvoi zurück auf unsere Schiffe. Es kühlt in der Nacht einfach nicht ab und der Schlaf will sich trotz Müdigkeit mal wieder nicht einstellen. So vergammeln wir den nächsten Tag, erledigen nur wenig der Aufgaben, die wir uns selbst gestellt haben, lesen und dösen dafür mehr.
Am Sonntag holen wir nach dem morgendlichen Schwimmen Moni und Eric ab, tuckern mit dem Schlaucherl in die Stadt und erstehen im Busbahnhof ein paar „token“, d.h. so was wie Waschmünzen, nur sind diese für die Busfahrkarte, die im Gegenzug im Bus ausgehändigt wird. Mit der Linie 6 geht es an die Ostküste, eine nette Creolin aus St. Lucia, die inzwischen auf Barbados wohnt und mit der ich im Busterminal schon kurz gesprochen habe, erklärt ein paar Sachen und Örtlichkeiten, an denen wir vorbei fahren. Als wir in Bathsheba ankommen, bietet sich uns ein grandioser Anblick. Palmengesäumter Strand, pilzförmige Felsformationen, hohe Brandungswellen. Das Baden ist an den Stränden der Ostküste aus Sicherheitsgründen untersagt, denn es herrscht nicht nur hohe Brandung, sondern auch sehr kräftige Unterströmungen. Sie Surfer lassen sich davon allerdings nicht abhalten und genieβen die Wellen, die an den Strand donnern. Bathsheba ist kaum eine Stadt oder ein Ort im herkömmlichen Sinn, die Häuser verteilen sich zerstreut über die Hügel und die Gegend, ein Ortskern oder eine Hauptstraβe sind nicht erkennbar. Wir wandern etwas weiter und zurück die Straβe hoch, um die Andomeda Gardens zu besuchen. Nach ein paar Säften gegen den Durst und einem Snack (Fish cakes und Knoblauchbrot) gegen den kleinen Hunger bewundern wir die tropische Pflanzenwelt, die, wenn auch nicht in so geballter Vielfalt auf einem Platz, auf der Insel vorkommt. Lianen und Luftwurzeln hängen von Bäumen und verdecken den eigentlichen Stamm völlig, Früchte des Brotfruchtbaums wachsen nicht nur hoch oben in den Ästen, sondern auch am Stamm und erreichen zweifache Kopfgröβe. Gleiches gilt für den Kalabassenbaum. Die Früchte des Philodendron, die wir aus Madeira und Gomers schon kennen, aussehen wie grüne Maiskolben und schmecken wie eine Mischung aus Banane und Ananas, sind allerdings noch lange nicht reif, sonst hätten wir gerne ein paar mitgenommen. Auch die Blütenpracht ist umwerfend in ihrer Vielfalt und Besonderheit. Da fallen die teilweise noch blühenden Frangipanibäume kaum auf. Wir treffen Salamander, die grün und blau schimmern und uns aus groβen, runden Augen beobachten, aber auch Kröten an einem Seerosenteich, die ziemlich urweltlich aussehen. Ein paar platt gewalzte und vertrocknete Exemplare finden sich auch am Straβenrand wieder. Für weitere Besichtigungen ist es zu spät geworden und wir fahren im überfüllten Bus wieder zurück nach Bridgetown und lassen den Abend gemütlich an Bord ausklingen, nicht ohne vorher noch kurz Otto einen Besuch abgestattet zu haben.

Die Nacht ist diesmal so warm und selbst der Wind aus Ost bringt noch Wärme mit – ob aus der Sahara? – dass wir die Sweatshirts bei der Wache getrost weglassen können.
Montag, 17ter Tag auf See, keine besonderen Vorkommnisse – oder doch? Dass Tita beim Brotbacken mit Leib und Seel’ bzw. Maul und Pfote dabei ist, ist ja nichts neues. Neu ist allerdings, dass sie schon gar nicht mehr abwartet, bis der Teig geknetet wird, sondern gleich auf die Brotbackmischung, sprich das Mehl und andere Trockenpülverchen, losgeht. Die Schüssel mit dem umgedrehten Tablett abzudecken, hilft nur temporär. Tita setzt sich obenauf, damit auch nichts verrutscht (oder) und pfotelt dann neben dem Tablettrand in die Schüssel, um ans Mehl zu kommen. Irgendjemand muss ihr als Baby zuviel Grimm’s Märchen vorgelesen haben vom gestiefelten Kater, der so seine Pfoten weiβ kriegen wollte. Oder ihr hat der Zeichentrickfilm „Ratatouille“ so gut gefallen, dass sie immer in der Küche bei jedem Handgriff dabei sein muss.
Ansonsten mal wieder Segelmanöver, damit es nicht langweilig wird. Das Groβsegel wird geborgen und beide Focks ausgebaumt. Also den Spi-Baum von der Genua weg, Genua aufrollen, Bullenstander stückweise lösen und Groβbaum dicht holen, während wir den Kurs ändern um den Wind aus dem Segel zu nehmen. Groβ runter, dabei verhakt sich natürlich wieder das Groβfall bei der wilden Schaukelei, alles aufräumen, Genua ausrollen, ausbaumen mit Spi-Baum, Fock setzen und mit Groβbaum ausbaumen, fertig. Da wir ja keine Regattafreaks sind und auf die Geschwindigkeit keinen so groβen Wert legen, dauert das Ganze eine Stunde und ein paar Schweiβbäche, dann steht die Passatbesegelung. Schaukeln tut’s in der Dünung und den Wellen genauso, auch die Fock oder Genua fallen genauso zusammen, wenn eine besonders hohe Welle Bomika aus dem Kurs drückt. Lisa entspannt sich dabei mit ein paar praktischen Näharbeiten, die restliche Zeit versuchen wir etwas zu lesen und zu relaxen.
Man merkt, wir nähern uns den Tropen. Es ist nicht nur heiβ, sondern auch tropisch feucht. Man (Frau) muss sich gar nicht bewegen, um den Schweiβ rinnen zu lassen – das geht ganz von selbst, wie früher bei der HB-Werbung. Der Passat treibt uns unter Passatsegeln voran und lässt Bomika geigen, von links nach rechts und wieder zurück. Man könnte sich fast daran gewöhnen, wenn nicht alle Daumen lang ein paar unverschämte und meist recht gewaltige Querläufer Bomika um etwa 40º krängen lassen würden. Da bleibt nichts auf seinem Platz und man muss sich gut festhalten, um nicht sonst wohin geschleudert zu werden. Selbst auf der Schüssel zu sitzen gerät schon zur Anstrengung, der Schweiβ rinnt und die Arm- und Beinmuskeln schmerzen vom Einspreizen, das Klopapier wird vom Schweiβ durchtränkt und fängt an sich aufzulösen, bevor es überhaupt benutzt wurde. Aber wie soll man es von der Rolle kriegen ohne Anfassen? In der Pantry ist es ja noch schlimmer, denn alles was man aus dem Schrank holt, kann man gar nicht auf einmal festhalten. Ein Hoch auf rutschfeste Matten, die helfen wenigstens ein bisschen. Aber dafür ist alles, was im Schrank blieb, nun nicht mehr so fest gepackt, dass es nicht wackeln und rutschen kann. Bis da mal ein paar belegte Brote geschmiert sind, geschweige denn eine warme Mahlzeit gekocht ist, hat man einen 8-Stundenarbeitstag auf eine Stunde komprimiert hinter sich.
Aroha hat sich zum Endspurt entschlossen und will jetzt auf „Speed“ machen, um möglichst noch am Donnerstag vor Einbruch der Dunkelheit anzukommen. Mit ihrem Parasailor wollen sie die letzten Knoten rausholen, um das zu schaffen. Nachdem wir sowieso etwas langsamer sind als Ahora, sparen wir uns die Mühe und lassen unsere beiden Vorsegel stehen, kommen dafür eben erst am Freitag an.
In der Nacht bzw. bereits am Abend des Dienstag legt der Wind jedoch kräftig zu und wir machen gute Fahrt, viel besser als gedacht. Querab ist nachts noch ein anderer Segler unterwegs, aber zu weit weg, um etwas zu erkennen. Bei Tagesanbruch ist der andere Segler bereits hinterm Horizont verschwunden. Der Wind hat nachgelassen, die Wellen noch nicht und lassen uns kräftig schaukeln. Mal sehen, was uns der 19te Tag sonst noch bringt. Natürlich, schlagende Segel! Erst am Abend gibt es wieder genug Wind für eine etwas angenehmere Fahrt, obwohl die Schaukelei bleibt, die Segel schlagen nur nicht mehr ganz so oft. Trotz Allem erreichen wir noch ein Etmal von 90sm. Die restliche Distanz am nächsten Morgen von 75sm ist zuviel für einen Tag, um noch bei Tageslicht anzukommen, und zuwenig bis zum Freitag Morgen. Also nehmen wir erstmal die zweite Fock weg inklusive Groβbaum, Bullenstander und sonstiger Leinen, die als Hilfsmittel zum Ausbaumen gedient haben. Nachdem der Wind am Vormittag aber etwas zulegt und vor allem auch eine starke Strömung uns nach Südwest versetzt, sind wir eigentlich trotzdem zu schnell, um die Restdistanz bis zum nächsten Morgen zu strecken. Aber das gibt sich vielleicht noch im Laufe des Tages oder der nächsten Nacht. Eventuell müssen wir dann eben die Genua verkleinern, obwohl uns dann die Strömung noch schärfer erwischt. Obwohl wir mit 3Kn Fahrt durchs Wasser 300º Kompasskurs steuern, laufen wir mit 4,5 – 5Kn auf 240-250º über Grund. Die Strömung scheint auch recht häufig zu wechseln, was das Ausgleichen des Versatzes schwierig gestaltet, vor allem auch unter der Windfahnensteuerung, die bei dem relativ geringen Wind langsam reagiert und weite Schlangenlinien steuert, als wäre ihre Promillegrenze schon weit überschritten. Ich wusste gar nicht, dass Kriech- und Maschinenöl so viel Alkohol enthält?
Unser Stromhaushalt sackt regelmäβig morgens und abends in den Keller, so dass wir den Motor jeweils für 1-2 Stunden mitlaufen lassen müssen, um die Batterien zu laden. Die Gelegenheit nutzen wir dann auch gleich zum Aufladen von PC, Staubsaugen, Wasserentsalzen und anderer Verbrauchertätigkeiten. Am Donnerstag wird der Wind immer schwächer, der Versatz durch Strom und Welle beträgt 70º zum gefahrenen Kurs und beinhaltet noch nicht mal die Abdrift durch Wind. Unsere Fahrt reduziert sich zwischendurch auf 1 bis 2 Knoten und letztendlich müssen wir in unserer letzten Nacht auf See für die verbleibenden Meilen doch noch den Motor zu Hilfe nehmen. In der Nähe von Barbados ändert sich die Strömungsrichtung immer wieder, mal SW, mal NW und wir müssen den Kurs immer wieder neu anpassen. Am Morgen kommt uns ein Motorboot mit drei Offiziellen an Bord entgegen, fragt uns nach unserem Ziel und dampft wieder ab. Wir rufen den Harbourmaster über Kanal 77 und werden gebeten, noch vor dem Hafen zu warten, da Zollpier und Tankstelle von einer groβen Yacht belegt sind. Also lassen wir unser Eisen runter und warten der Dinge, die da kommen, bis wir über VHF wieder angerufen werden und grünes Licht bekommen. Nach 2.044 Seemeilen seit Sao Nicolao legen wir am Zollpier gleich bei der Hafeneinfahrt an. Dort ist der Schwell am Schlimmsten und ruckt fürchterlich in den Leinen, hilft aber nix. Auf zum Office, erst Health, dann Customs und Immigration dann etwas später, da der entsprechende Officer seinen Dienst erst etwas später antritt. Alle, inklusive Rezeption, sind sehr freundlich, unterbreiten die verschiedenen Formulare zum Ausfüllen und nach über einer Stunde ist alles erledigt. Zwischenzeitlich hat sich nur eine groβe Segelyacht an die Tankstelle gequetscht und braucht ihre Zeit. So wird es 12.30 Uhr bis wir uns an die Tankstelle verholen können. Moni und Eric sind inzwischen mit dem Dingi angelandet und leisten uns Gesellschaft beim Warten. Das Tanken ist schnell vorbei, da der Diesel sich nicht nur in den Tank, sondern auch am Tankstutzen über den Tank selbst ergieβt. Anscheinend ein Riss im Tankstutzen, genau wo er in den Tank mündet. So legen wir mit knapp halbvollem Tank ab und ankern wieder vor dem Hafen. Inzwischen ist es Nachmittag, das Schlauchboot wird ausgepackt und aufgeblasen, eine schnelle Dusche um den Schweiβ wieder abzuspülen und dann holen wir Moni und Eric ab für einen gemeinsamen Landausflug. Wir erkunden kurz die Lagune, die zu einem privaten „Port Grimeaud“ – Häuser und Appartements mit Parkplatz auf der einen, Bootssteg mit Yacht auf der anderen Seite – umgestaltet wurde. Wir fragen beim elitären Yachtclub, ob wir unser Schlaucherl dort lassen dürfen, und trotz dem Duft der oberen Zehntausend (Bar und Restaurant mit Swimmingpool und Badesektion und fast genauso viel adrett gekleidete Ober wie Gäste) dürfen wir. Wir latschen durch die gesamte Anlage und weiter nach Speighstown, gönnen uns dort eine Pizza, sondieren den Supermarkt und machen uns danach wieder auf den Rückweg. Natürlich ist es inzwischen dunkel und unser Schlaucherl liegt im türkisfarbenen, indirekt beleuchteten Hafenpool. Wir bedanken uns beim Yachtclub, drohen mit unserer Wiederkehr am nächsten Tag um das Internet des Clubs zu nutzen und fallen bald in die Kojen, um verlorenen Schlaf nachzuholen.
Am Samstag spannen wir die Wäscheleine und lassen unsere Bettlaken und Betttücher im frischen Wind flattern. Der Zulaufschlauch zum Tankstutzen wird demontiert und der Schaden begutachtet. Ein Riss zieht sich durch den Tank, direkt am Einfüllstutzen entlang, guter Rat ist teuer. Wie und vor allem mit was flickt man das am besten? Während die verschiedenen Möglichkeiten durchgespielt werden und die Werkzeugfächer nach verwendbarem Material durchforstet sind, geht es erstmal mit Eric zum Yachtclub, um das Internet zu nutzen. Moni kommt auch noch mit, da ihr doch noch ein paar Sachen eingefallen sind, die sie in Speighstown noch unbedingt einkaufen will. Im Yachtclub ist natürlich eine andere Schicht an Personal da, von Internet und WiFi wenig Ahnung. Es hilft auch nichts, dass wir uns auf den Kollegen von gestern Abend berufen. Wir müssen selbst erstmal zur Rezeption wegen dem password, was Eric erledigt. Allerdings kommt er unverrichteter Dinge wieder zurück, denn die wollen B$90 für die Einrichtung eines account für eine Woche haben. Das ist mehr, als das öffentliche WiFi für die Nutzung abrechnet, und das war uns schon zu teuer. Also geben wir auf, was den Internetzugang betrifft und warten auf Moni’s Rückkehr aus Speighstown. Zurück an Bord wird dann erstmal Kaltschweiβpaste angerührt, um den Riss im Dieseltank zu flicken. Die scheint wunderbar zu helfen, braucht aber doch etwas länger zum Aushärten als in der Gebrauchsanweisung beschrieben. Das kann aber auch daran liegen, dass die wichtigsten Passagen der Gebrauchsanweisung von deutschen Sicherheitshinweisen, die dort noch aufgeklebt wurden, teilweise verdeckt sind. Typisch Deutsch, mit zusätzlichen Sicherheitsvorschriften und Hinweisen das eigentlich wichtige zu übergehen bzw. unkenntlich zu machen, dabei ist doch die Gebrauchsanweisung für die Sicherheit gerade wichtig! An einer Boje neben uns liegt eine private Motoryacht von ca. 70-80m Länge, deren Gäste zum Abendessen in den Yachtclub ausgeschifft werden. Das Beiboot ist fast so lang wie Bomika, die Matrosen alle in entsprechender adretter Kleidung oder Uniform. Eine ganz andere Welt, der wir in der Karibik bestimmt noch öfter begegnen werden. Am Abend kommen Moni und Eric an Bord für ein gemeinsames Abendessen und bringen auch noch die Zutaten mit sowie eine Flasche Schampus zur Feier der glücklich abgeschlossenen Atlantiküberquerung.
In der Nacht bekommen wir einen Schreck, als wir beim Rundumblick auf einmal das Heck der (oder einer) riesigen Motoryacht direkt vor unserem Bug haben. Wir prüfen unsere Position mit Peilungen, ob sich unser Anker soweit verlegt hat, aber alles ist bestens in Ordnung. Allerdings handelt es sich nicht um die groβe Yacht vom Abend, sondern eine weitere groβe Motoryacht, die in der Nacht angekommen ist und an der uns am nächsten gelegenen Muringboje fest gemacht hat. Also alles klar, kein Problem.
Am Sonntag nach dem Frühstückskaffee geht es weiter mit der Kaltschweiβpaste, die bestens zu funktionieren scheint. Dann heist es, Backskiste ausräumen und den Entlüftungsschlauch des Dieseltanks evtl. anders verlegen. Der hat momentan noch werksseitig einen Schwanenhals, um das Eindringen von Wasser zu verhindern. Dadurch steht aber immer nach dem Volltanken Diesel im Schlauch und verhindert die Luftzufuhr in den Tank, wenn sich dieser bei Maschinenbenutzung langsam leert. Dadurch hat sich über die Jahre der Tank nach innen gewölbt und für die Spannungen im Material gesorgt, die den Riss dann verursacht haben. Allerdings werden wir nun nicht vor Montag nach Bridgetown weiter segeln, denn erst sollte die Reparatur abgeschlossen und vollkommen ausgehärtet sein. Zwischendurch werden wir immer wieder mal bestaunt von einer Schildkröte, die an Bomika vorbei schwimmt und ihren Hals aus dem Wasser reckt. Die Gröβe reicht von 50cm bis zu etwa 1m Durchmesser. Leider tauchen sie immer wieder zu schnell ab, bis man die Kamera parat hat. Dazu gibt es etliche exotische Vögel, die wir zum Teil auch schon im Yachtclub bewundern durften: Kolibris, kleine gelbbäuchige Piepser, kleine Schwarze mit groβen gelben Augen, sowie auch Pelikane beim Fischen (wenn wir uns da nicht verguckt haben). Unser erster Eindruck von Barbados war sehr positiv, die Bevölkerung – überwiegend Schwarze – ist durchwegs freundlich und hilfsbereit, nur der Ankerplatz ist sehr schwellig. Wind aus NE, aber Dünung aus SW und Süd. Soll aber in ein paar Tagen besser werden (hoffen wir wenigstens). In der Zwischenzeit müssen wir uns mit dem Geschaukel und Gerolle abfinden, auch wenn wir davon schon genug auf der Überfahrt hatten und insbesondere die „Querläufer“, die Bomika extrem überlegen und alles im Schiff durcheinander purzeln und scheppern lassen, sorgen manchmal für angekratzte Nerven.
Immerhin, der Dieseltank ist repariert und ich habe aus dem Masttop noch ein paar Fotos und bei der Schaukelei auch gleich den Vogel abgeschossen. Alle Bilder vom Hafen und Yachtclub sowie vom Strand bzw. Ufer sind natürlich verwackelt, die Bilder von unseren Nebenliegern – Aroha und eine ca. 50m Motoryacht – sind dagegen gelungen. Vielleicht haben die einfach im richtigen Takt mitgeschaukelt? Als die Leute der Motoryacht „Callisto“ bei Einbruch der Dunkelheit von ihrem Dingi-„Chauffeur“ zurück an Bord gefahren werden, winken wir sie kurz heran und geben ihnen einen Stick mit den Bildern mit. Sie wollen ihn auch gleich zurück bringen, aber daraus wird auch am nächsten Morgen nichts.

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